Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1181
Kloster Altenberg an der Lahn

In der Klosterkirche des Klosters Altenberg befinden sich mehrere Grabdenkmäler, die hervorragend die Entwicklung des Solmser Wappens vom 14. über das 15. bis ins 17. Jh. illustrieren.

Grabdenkmal des Grafen Heinrich IV von Solms (gest. 1314)

Diese Grabfigur befindet sich in einer Nische des nördlichen Querhauses. Ursprünglich handelt es sich um eine Liegefigur auf einer Tumba, die man nachträglich abgearbeitet und sekundär in senkrechter Stellung angebracht hat. Die Rechte berührt das Halteband des Umhangs, die Linke ruht auf einem länglichen, frühgotischen Dreiecksschild mit einer exquisiten plastischen Löwendarstellung. Hier begegnet uns das Solmser Wappen in einer seiner frühesten Formen:

Das Stammwappen der Grafen von Solms zeigt in Gold einen blauen Löwen, von blauen Schindeln begleitet. Hier ist die Anzahl der Schindeln 11. In sehr alten Wappen des 13. und 14. Jh. wird der Löwe noch von Schindeln begleitet, die fielen später ab dem ausgehenden 14. Jh. weg. Erst in neuerer Zeit besinnt man sich bei den Darstellungen wieder auf die alten Schindeln. Das Wappen ist ohne Oberwappen dargestellt.

Heinrich IV von Solms-Burgsolms (gest. 1314) war der Sohn von Marquard II. Graf v. Solms-Burgsolms und Agnes v. Sponheim. Er war mit Lisa v. Virneburg verheiratet. Seine Kinder waren Johannes I. Graf v. Solms-Burg-Solms, Dietrich I. v. Solms, Adelheid v. Solms, Benetzetlin v. Solms, Agnes v. Solms, Aleydis v. Solms und Katharina v. Solms.

Grabdenkmal des Grafen Bernhard II von Solms (gest. 6.8.1459)

Dieses Grabdenkmal befindet sich an der Nordwand des Chores neben dem Kanzelaufgang. Es ist eine herausragende plastische Arbeit höchster Qualität. Die auf einem Helm knieende Figur steht unter einem vorspringenden Maßwerkbaldachin. Die Inschrift ist zur Plattenmitte gerichtet, dies und der Baldachin zeigen, daß dieses Grabdenkmal von vornherein zur vertikalen Aufstellung konzipiert war, im Gegensatz zur zuerst besprochenen Figur oben. Rechts und links seines Kopfes ist die Verkündigung an Maria dargestellt. Hier begegnet uns das Solmser Wappen in seiner ersten vermehrten Form:

Das hier in seinen Feldern gewendete vierfeldrige Wappen der Grafen von Solms ist geviert:

Das Wappen trägt hier einen einzigen Helm:

Dazu ist noch ein zweiter Helm möglich, der in anderen Darstellungen (z. B. Kirche Lich) auch abgebildet wird. Es ist der Helm für Falkenstein-Münzenberg: ein roter flacher Turnierhut mit Hermelinaufschlag, oben mit einer goldenen Kugel und einem Pfauenstoß besteckt, im Stulp zwei rot-golden geteilte Fähnchen an goldenem Schaft steckend. Helmdecken rot-golden.

Bernhard II. Graf v. Solms-Braunfels (-6.8.1459) war der Sohn von Otto I. v. Solms-Braunfels und Agnes v. Falkenstein und Münzenberg, entsprang also jener Schlüsselheirat, die die Solmser reich an Gebiet werden ließ. Bernhard erbte am 28.5.1420 Lich, Laubach und Hungen mit Anteil Münzenberg (gemeinsam mit dem Bruder Joann), 1420-1436 teilte er mit den Brüdern, am 16.11.1436 war er Herr zu Braunfels und auch zu Greifenstein, 22.3.1436 auch Herr zu Hungen, wo er 1454-1456 den Neubau der Burg Hungen vollziehen ließ. Er war vermählt mit Elisabeth v. Isenburg-Büdingen (-1.8.1451). Beide hatten folgende Kinder: Rupert v. Solms-Braunfels (1424 - 8.6.1499), Otto II. Graf v. Solms-Braunfels (22.11.1426 - 1504), Philipp v. Solms-Braunfels (18.5.1431 - 1500), Agnes v. Solms (23.2.1435 - 17.11.1490), Bernhard Graf v. Solms-Braunfels (25.9.1438-4.4.1503), Margaretha v. Solms, Elisabeth v. Solms-Braunfels (-1.6.1486) und Burkhard v. Solms-Braunfels.

Grabdenkmal des Grafen Johann Heinrich Christian von Solms (gest. 1668)

Dieses Grabdenkmal befindet sich an der Nordwand des Querhauses. Die künstlerische Qualität kann keineswegs mit den älteren Exemplaren mithalten, doch hier begegnet uns das Solmser Wappen in seiner zweiten vermehrten Form, wie sie seit dem 17. Jh. typisch für die meisten Familienzweige wurde.

Johann Heinrich Christian Graf zu Solms-Hohensolms (20.7.1644 - 7.11.1668) war der Sohn von Philipp Reinhard II. Graf zu Solms-Hohensolms (18.6.1615 - 20.7.1665) und Katharina Eleonore Freiin v. Tschernembl (1622 - 1675). Seine Großeltern väterlicherseits waren Philipp Reinhard I. Graf zu Solms-Hohensolms (24.7.1593 - 1636) und Elisabeth Philippina zu Wied (24.8.1593 - ?). Er war kaiserlicher Kämmerer ("Leopold des Ersten Gros Cammer Herr"). 1668 wurde er Graf zu Hohensolms. 24 Jahre wurde er nur alt, der "in Sitten, Sprachen, Fechten, Reiten war auserlesen", doch "in erster Blüte der Jugend verwelkt dies edle Blut". Er war nicht vermählt und hatte keine Kinder. Seine Geschwister waren Maria Sabina Elisabeth zu Solms-Hohensolms (29.7.1638 - 19.1.1685), Carl Ludwig Graf zu Solms-Hohensolms (30.7.1639 - 1668) sowie Johann Ludwig Graf zu Solms-Hohensolms (1646 - 24.8.1707). Das auf der Platte abgebildete Allianzwappen ist also das seiner Eltern. Die Platte selbst ist datiert auf den 31.12.1668.

Das achtfeldrige Wappen der Grafen von Solms optisch links ist wie folgt aufgebaut: Gespalten:

In dieser Form wird mit kleineren Variationen seit ca. 1700 das Wappen von allen Linien geführt. Mit größerer Variabilität werden die Helmzieren gehandhabt.

Das Wappen trägt hier drei Helme:

Dazu ist noch ein vierter Helm möglich, der in anderen Darstellungen (z. B. Burgkirche Greifenstein) auch abgbildet wird. Es ist ein hoher, silbern-schwarz gemusterter Hut, oben mit einer schwarzen Rose besteckt (Herrschaft Wildenfels). Statt des Hutes in anderen Darstellungen auch ein Turm. Helmdecken schwarz-silbern.

Auf der heraldisch linken, optisch rechten Seite sehen wir das Wappen seiner Mutter, der Katharina Eleonore Freiin v. Tschernembl (1622 - 1675). Das ist eine mittlerweile erloschene österreichische Familie. Das Wappen ist geviert mit Herzschild (zu den Farben im Detail siehe unten):

Drei Helme:

Bezüglich der genauen Lage der geschachten Balken (schräglinks/schrägrechts), der Länge der Balken (durchgehend/abgeledigt), der Farben des Balkens (schwarz-rot/rot-golden), der Breite des Schachs (zweirehig/dreireihig) und der Art des Adlers (Adler/Doppeladler) gibt es gemäß dem Siebmacherschen Wappenwerk verschiedene, für die Entwicklung des Wappens wichtige Varianten:

Wappen 1: Nach einem Siegel von 1388, desgl. 1395 und 1398: Gespalten, links geschacht.

Wappen 2: Nach einem Siegel von 1389, desgl. 1432, 1458 und 1461: Ein in drei Reihen geschachter schrägrechter Balken.

Wappen 3: Nach der oberösterreichischen Ritterstandsmatrikel: In Silber ein in drei Reihen von Schwarz und Rot geschachter schräglinker Balken. Auf gekröntem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken ein wie der Schild bez. Adlerflügel.

Wappen 4: Nach der niederösterreichischen Ritterstandsmatrikel: Geviert mit Herzschild. Feld 1 und 4: in Rot ein einwärts gewendeter goldengekrönter silberner Adler mit dem geschachten Balken des Herzschildes darüber, aber schrägrechts gelegt, Feld 2 und 3: in Silber Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit rotem Zaumzeug und roten Zügeln (Hopfenbach). Herzschild: in Silber ein in drei Reihen von Schwarz und Rot geschachter schräglinker Balken. Drei Helme: Helm 1 (rechts): gekrönt, ein einwärts gewendeter goldengekrönter silberner Adler mit dem geschachten Balken des Herzschildes darüber, aber schrägrechts gelegt, Decken schwarz-silbern. Helm 2 (Mitte): gekrönt, ein silberner Flügel, belegt mit einem in drei Reihen von Schwarz und Rot geschachten schräglinken Balken, Decken schwarz-rot. Helm 3 (links): Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit rotem Zaumzeug und roten Zügeln (Hopfenbach), Decken rot-silbern.

Wappen 5, grob gesehen gleich, aber im Detail viele kleine Unterschiede aufweisend: Nach der niederösterreichischen Herrenstandsmatrikel: Geviert mit Herzschild. Feld 1 und 4: in Rot ein goldengekrönter silberner Doppeladler mit dem geschachten Balken des Herzschildes darüber, genauso schräglinks gelegt, Feld 2 und 3: in Silber Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit schwarzem Zaumzeug und schwarzen Zügeln, mit einem silbernen, unten ausgezackten Kragen um den Hals (Hopfenbach). Herzschild: in Silber ein in drei Reihen von Rot und Gold geschachter schräglinker Balken. Drei Helme: Helm 1 (rechts): gekrönt, ein goldengekrönter silberner Doppeladler mit dem geschachten Balken des Herzschildes darüber, genauso schräglinks gelegt, Decken rot-silbern. Helm 2 (Mitte): gekrönt, ein silberner geschlossener Adlerflug, belegt mit einem in drei Reihen von Rot und Gold geschachten schräglinken Balken, Decken rot-silbern. Helm 3 (links): Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit schwarzem Zaumzeug und schwarzen Zügeln, mit einem silbernen, unten ausgezackten Kragen um den Hals (Hopfenbach), Decken schwarz-silbern.

Wappen 6: Nach der oberösterreichischen Herrenstandsmatrikel: in Rot ein goldengekrönter silberner Adler mit einem in drei Reihen schwarz-rot geschachten schräglinken Balken darüber. Auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken ein goldengekrönter silberner Adler mit einem in drei Reihen schwarz-rot geschachten schräglinken Balken darüber.

Wappen 7: Nach dem Stammbuch des J. Rotenburger in Linz 1586: Geviert mit Herzschild. Feld 1 und 4: in Rot ein goldengekrönter silberner einwärts gewendeter Adler mit einem in drei Reihen schwarz-rot geschachten schräglinken Balken darüber, Feld 2 und 3: in Silber Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit rotem Zaumzeug und roten Zügeln (Hopfenbach). Herzschild: in Silber ein in drei Reihen von Schwarz und Rot geschachter schräglinker Balken. Drei Helme: Helm 1 (rechts): gekrönt, ein goldengekrönter silberner einwärts gewendeter Adler mit einem in drei Reihen schwarz-rot geschachten schräglinken Balken darüber, Decken rot-silbern. Helm 2 (Mitte): gekrönt, ein silberner Flügel, belegt mit einem in drei Reihen von Schwarz und Rot geschachten schräglinken Balken, Decken schwarz-rot. Helm 3 (links): Kopf und Hals eines einwärts gewendeten schwarzen Pferdes mit rotem Zaumzeug und roten Zügeln (Hopfenbach), Decken schwarz-silbern.

Wegen dieser von der Geschichte tolerierten Varianz der Details können bei der hier vorliegenden untingierten Darstellung einige Farben nicht mit absoluter Sicherheit angegeben werden, was im Grunde der Forderung nach Wappeneindeutigkeit zuwiderläuft, andererseits zeigt, daß eine gewisse Variationsbreite gerade bei historischen Wappen immer gegeben ist.

Weitere Darstellungen sind bekannt. Es gibt sogar Balken mit nur zwei Reihen Schach. Die Diplome, das Panierherrnstands-Diplom von 1463 und das Grafenstands-Diplom vom 9.9.1665, enthalten keine Wappendefinitionen.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Dieter Großmann, Ehem. Prämonstratenserinnenstift St. Maria und Michael Altenberg a. d. Lahn, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, 2. Auflage 2007, ISBN 978-3-7954-5189-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hessische Kunstdenkmäler: Gesamtanlage:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=45098&session=913&event=Query.Details - Konventgebäude: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=45100&session=913&event=Query.Details - Herrenhaus: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=45101&session=913&event=Query.Details - Kirche: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=45099&session=913&event=Query.Details

Wappen der Grafen und Fürsten von Solms
Das Feld für Münzenberg und seine Verbreitung in deutschen Adelswappen

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