Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1215
Herrenberg

Das Rathaus in Herrenberg

Herrenberg wurde als Stadt im 13. Jh. gegründet. Es war Sitz einer Nebenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen und kam nach deren Erlöschen an Württemberg, während der zeitweiligen Teilung 1442-1482 an die Uracher Linie von Graf Ludwig. Das Stadtbild ist eine geschlossen erhaltene Altstadt aus dem 17. Jh. Die meisten Bauwerke datieren in die Zeit des Wiederaufbaus nach der Brandzerstörung 1635. Das Herrenberger Rathaus mit dem zierlichen Glocken- und Uhrentürmchen vor der mächtigen Kulisse der Stiftskirche wurde 1806 erbaut, nachdem der Vorgängerbau von 1649 abgebrochen worden war. 1953 wurde es neu ausgebaut. In seinem Sockel zum Marktplatz hin rechts des Haupteinganges ist ein Relief mit einem Wappen eingelassen, das sich nicht am ursprünglichen Ort befindet. Es befand sich einst am früheren Nufringer Tor und stammt von 1750. Die alten Stadtmauern und Stadttore waren nach 1820 abgerissen worden.

Das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen zeigt in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei ebensolchen Ringen. Alle Linien der Pfalzgrafen von Tübingen, zu Tübingen, zu Herrenberg, zu Böblingen, Lichteneck und Horb führten das pfalzgräfliche Wappen wie beschrieben. Im Siebmacher ist die Helmzier der Pfalzgrafen von Tübingen eine rote Bischofsmütze (Inful) mit goldenen Verzierungen (Borten) an den Kanten, Helmdecken rot-golden. Referenzen: Siebmacher, Band NÖ2, S. 542, T. 267, Band St, S. 24, T. 46, Band WüA, S. 15, T. 8, vgl. auch Band WüA, S. 263, T. 151.

Das Wappen der Stadt Herrenberg dagegen besitzt invertierte Farben: Es hat in Rot eine dreilätzige goldene Kirchenfahne an drei goldenen Trageringen. Dieses Motiv, eine Variation des pfalzgräflichen Wappens, ist bereits auf einem Stadtsiegel aus dem 13. Jh. nachzuweisen, die invertierten Farben erst später. Ungewöhnlich ist hier die Darstellung des Stadtwappens als Vollwappen mit der alten pfalzgräflichen Helmzier, die noch um eine weitere Kirchenfahne ergänzt wurde. Die Kartusche selbst ist üppigster Barock.

Abb. links: Kirchenfahne des Schildbildes, Abb. rechts: Kirchenfahne der Helmzier.

Die Pfalzgrafen von Tübingen hatten als Gebiete neben Tübingen Herrenberg, Böblingen, Sindelfingen, die Vogtei über Blaubeuren und den Reichsforst Schönbuch. Nach 1219 teilten sich die Pfalzgrafen von Tübingen in mehrere Linien auf: Horb, Herrenberg, Böblingen, Asperg. Rudolf I (ca. 1160 - 17.3.1219), Erbe der Tübinger Pfalzgrafschaft, hatte aus der Ehe mit Mathilde v. Gleiberg (gest. 1206) drei Söhne, Hugo V. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 26.7.1216) und Rudolf II. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 1.11.1247) sowie Wilhelm Graf v. Asperg-Giessen (ca. 1190 - ca. 1252/1256). Hugo V. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 26.7.1216) hatte nur einen Sohn, Konrad I. Rudolf II. Pfalzgraf v. Tübingen (ca. 1185 - 1.11.1247) hatte als Söhne die Begründer der Linien zu Horb und zu Herrenberg, Hugo III. Pfalzgraf v. Tübingen-Horb (- ca. 1267) und Rudolf III. Graf v. Tübingen-Herrenberg (-12.5.1277). Wilhelm Graf v. Asperg-Giessen (ca. 1190 - ca. 1252/1256) hatte Söhne, die zu den Begründern weiterer Linien wurden: Rudolf IV. Graf v. Tübingen-Böblingen (- 12.5.1277) und Ulrich I. Graf v. Tübingen-Asperg (- 5.8.1283). Innerhalb kürzester Zeit waren die Pfalzgrafen somit in viele verschiedene Linien aufgespalten. Lange konnten sich die Pfalzgrafen jedoch nicht halten, sie verloren nach und nach all ihre Gebiete vor allem durch Verkauf an die Grafen von Württemberg. Als letzte der alten Herrschaften wurde 1381 Herrenberg verkauft. Der letzte Herrenberger Graf war Konrad II. Pfalzgraf v. Tübingen-Herrenberg (- 1391), er hatte zwar einen Sohn namens Heinrich III. v. Tübingen-Herrenberg, der aber vor dem Vater starb. Die letzte Linie der Pfalzgrafen von Tübingen starb 1634 mit Georg Eberhard Graf v. Tübingen-Lichteneck (1604 - 16.9.1634) im Mannesstamme und mit seiner Nichte Elisabeth Bernhardine v. Tübingen Herrin zu Lichteneck (11.10.1624 - 4.11.1666) endgültig aus. Der Entstehungszeitpunkt dieses städtischen Wappensteines liegt also jenseits des Erlöschens aller pfalzgräflichen Linien.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
weitere Literatur siehe Monographie Pfalzgrafen.

Herrenberg: Handelshäuser

Die Pfalzgrafen von Tübingen, Grafen von Montfort, Grafen von Werdenberg

Kirchenfahne, Gonfalon

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