
Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 1221
Blankenheim (Kreis Euskirchen, Eifel)

Pfarrkirche
Blankenheim, Kirchturm
Die Pfarrkirche St. Mariä
Himmelfahrt prägt durch ihre Hanglage hoch über den
Fachwerkhäusern und unter der darüber liegenden Burg den alten
Stadtkern von Blankenheim. Die Kirche selbst wurde 1495-1505 von
Johann I. Graf v. Manderscheid-Blankenheim (1446 - 9.1.1524),
vermählt mit Margareta v. d. Mark (- 27.6.1542) in spätgotischem Stil erbaut, sie ist
dreijochig und innen mit zwei Emporen und einem Netzgewölbe
ausgestattet. Der Glockenturm wurde im Jahre 1616 erhöht, und an
diese Baumaßnahme erinnert ein in großer Höhe (im rechten Bild
etwa in Höhe des kleinen viereckigen Fensters an der linken
Seite, nicht sichtbar) angebrachter Wappenstein mit
Stifter-Inschrift.

Die Inschrift lautet:
"ANNO 1616 IST DIESER THVRN (TURM) ZV GOT(TE)S EHR(E)N DVRCH
DIE WO(H)LGEBOR(E)NE F(RAV) MARIA VRSVLA GR(AEFIN) ZV
MANDERSCHEIT V(ND) BLANKENHEIM WITTIB, GEBOR(E)NE GR(AEFIN) ZV
LEININGEN V(ND) DAGSPVRG ZV IVNKEROT, DAVN V(ND) APPERMVNT
(ASPREMONT). VON DIESEM MAHN AVS DEROSELBEN EIGENTVMB ERHOE(H)T
VND DAS VHRWERCK DARIN ZVR GEDECHTNVS VEREHRET". Ab dieser
Stelle wurde der Turm also erhöht und mit einem neuen Uhrwerk
versehen, und dies hat die verwitwete Gräfin von ihrem eigenen
Geld gestiftet. Die Herrschaftstitel Blankenheim, Jünkerode,
Daun und Manderscheid gehören zu ihrem Ehemann, Leiningen,
Dagsburg und Aspremont sind ihre eigenen. Sie führte die
Regierungsgeschäfte als Witwe, weil der Sohn noch minderjährig
war, denn ihr gemeinsamer Sohn Johann Arnold, späterer Graf zu
Manderscheid-Blankenheim (gest. 26.9.1644) war beim Tod des
Vaters erst neun Jahre alt.

Ihre eigene Abstammung:
- Emich VIII. Graf v. Leiningen (-
30.3.1495), vermählt mit Anna d'Autel
- Emich IX. Graf v. Leiningen (-
18.2.1535), vermählt mit Agnes v. Eppstein (-
28.7.1533)
- Emich X. Graf v.
Leiningen u. Dagsburg-Hartenburg (1498 -
1541), vermählt mit Katharina v.
Nassau-Saarbrücken (11.11.1517 - 1553)
- Emich XI. Graf
zu Leiningen u.
Dagsburg-Falkenburg (15.12.1540 -
13.3.1593), vermählt mit Ursula
v. Fleckenstein (1553 -
24.10.1595)
- Maria
Ursula zu Leiningen u.
Dagsburg-Falkenburg
(- 16.8.1649), vermählt
(7.7.1604 Heirathsbrief)
mit Arnold II. Graf zu
Manderscheid-Blankenheim
(12.7.1546 - 18.9.1614)
Zur Abstammung ihres Ehemannes:
- Dietrich III. Graf v. Manderscheid u.
Blankenheim Herr zu Schleiden u. Junkerath (- 20.2.1488),
vermählt mit Elisabeth (1) v. Schleiden-Blankenheim
- Johann I. Graf v.
Manderscheid-Blankenheim und Gerolstein (1446 -
9.1.1524), vermählt mit Margareta v. d. Marck (-
27.6.1542)
- Arnold I. Graf v.
Manderscheid-Blankenheim (14.11.1500 -
6.5.1548), vermählt mit Margarethe v.
Wied (- 5.8.1571)
- Arnold II.
Graf zu Manderscheid-Blankenheim
(12.7.1546 - 18.9.1614),
vermählt mit Maria
Ursula zu Leiningen u.
Dagsburg-Falkenburg (-
16.8.1649)

Das Wappen der Grafen von
Leiningen-Dagsburg-Falkenburg ist geviert mit
Herzschild:
- Hauptschild:
- Feld 1 und 4: In Blau drei
(2:1) silberne Adler, begleitet von mehreren
silbernen Kreuzchen, darüber ein blauer,
dreilätziger Turnierkragen (modifiziertes
Stammwappen Leiningen)
- Feld 2 und 3: Innerhalb eines
eigentlich roten Bordes in Silber ein schwarzer
Löwe, überdeckt von einem goldenen Glevenrad
(Lilienhaspel, Karfunkel, Dagsburg,
im 13. Jh. erheiratet)
- Herzschild: ein Kreuz, hier in
Tatzenkreuzform (für Aspremont)
Drei Helme:
- Helm 1 (Mitte): Helmzier ein grüner
Baum, wird früher mit silbernen Blüten, später mit
goldenen Äpfeln dargestellt, hier einfach nur mit
Blättern ohne Blüten oder Früchte, Helmdecken
eigentlich blau-silbern, hier abweichend (Kleinod Leiningen)
- Helm 2 (rechts): Darstellung wie ein
gekrönter Adlerrumpf zwischen einem Paar Büffelhörner.
Es handelt sich hier um eine besondere und seltene
Variante des Leiningen-Wappens, weil diese Helmzier nicht
wie meistens ein rotes Schirmbrett mit silbernem Kreuz
ist.
- Helm 3 (links): Ein schwarzer
geschlossener Flug, mit silbernen gestürzten
Lindenblättern besät, Decken eigentlich
schwarz-silbern, hier abweichend (Kleinod Dagsburg)
Zur
Geschichte der Leininger Häuser und Linien:
- Grafen von Leiningen:
seit Ende des 11. Jh. im Wormsgau und im Nahegau
begütert, Hauptburg Altleiningen, starben 1220 im
Mannesstamm aus. Die Güter fielen über die Erbtochter
Lukardis (Liutgard) an Graf Friedrich von Saarbrücken.
- Graf Friedrich von
Saarbrücken, Erbe der Leininger Güter, nahm
Namen und Wappen der Leininger Grafen an. Hinzu
kam die Herrschaft Hardenburg (Hartenburg) aus
der Saarbrücker Erbmasse. Eine weitere
Vergrößerung erfuhr die Grafschaft durch die
Mitgift/Erbschaft der Reichsgrafschaft Dagsburg
1224/1234, ein Lehen des Straßburger Bischofs.
Die Grafen von Leiningen aus dem Hause
Saarbrücken teilten sich 1317/1318:
- Leiningen-Dagsburg,
friedrichsche Linie, ältere Linie,
landgräfliche Linie, 1444 Landgrafen im
Elsaß, 1467 erloschen. Die Erbschaft
gelangte über Margarethe, die Schwester
des letzten Grafen, an die Herren von
(Runkel-)Westerburg.
- Die Herren von
Westerburg, Erben des Großteils
der Güter, nahmen Namen und
Wappen zu den ihrigen hinzu und
nannten sich ab da Grafen
von Leiningen-Westerburg.
Spaltung 1695/1705:
- Leiningen-Westerburg-Altleiningen,
christophische Linie,
1801 Verlust aller
linksrheinischen Gebiete,
Entschädigung 1803 mit
der Abtei Ilbenstadt in
der Wetterau
- Leiningen-Westerburg-Neuleiningen,
georgische Linie, 1801
Verlust aller
linksrheinischen Gebiete,
Entschädigung 1803 mit
der Abtei Engelthal in
der Wetterau
- Leiningen-Hardenburg
(Hartenburg), gottfriedische Linie,
jüngere Linie. Als Leiningen-Dagsburg im
Mannesstamm erlosch, kam nur ein kleiner
Teil der Güter an Emich VII, und seitdem
nannte man sich ab 1467 Leiningen-Dagsburg-Hardenburg.
Aufteilung 1343:
- Leiningen-Rixingen,
fiel 1506 an Zweibrücken und
später an Leiningen-Westerburg
- Leiningen-Hardenburg,
jüngere Linie. 1466
Erwerb der Herrschaft Aspremont
in Lothringen, 1467 Ererbung von
Dagsburg, nennt sich ab da Leiningen-Dagsburg-Hardenburg.
Teilung 1560:
- Leiningen-Dagsburg-Hardenburg,
1725 Verlegung der
Residenz nach Dürkheim,
1779 Reichsfürsten, 1801
Verlust aller
linksrheinischen Gebiete,
Entschädigung 1803 u.a.
mit der Abtei Amorbach,
wo die Residenz bezogen
wurde, 1806 an Baden.
Diese Linie besteht heute
fort.
- Leiningen-Dagsburg-Falkenburg
(hier
gehört das Wappen am
Turm hin!), nach der
Falkenburg bei Bad
Bergzabern, Aufspaltung
1657 ff. Linie ist 1935
insgesamt erloschen.
- Linie
zu Heidesheim,
bis 1766, Aussterben,
Güter an Linie zu
Guntersblum
- Linie
zu Guntersblum,
bis 1774, Aussterben,
Güter an
Leiningen-Dagsburg-Hardenburg
- Linie
zu Dagsburg, bis
1706
- Nebenlinie
Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Guntersblum,
bekamen 1803 Billigheim,
wird so zur Linie Leiningen-Billigheim,
1935 erloschen
- Nebenlinie
Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Heidesheim,
bekamen 1803 Neudenau,
wird so zur Linie Leiningen-Neudenau,
1910 erloschen
Literatur,
Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des
mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl.
Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen
Jahrgängen der "landeskundlichen
Vierteljahresblätter".
Geschichte der Pfarrkirche: http://www.blankenheim-info.de/bilderbuch/pfarrkirche.htm
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler:
Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen
Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag
München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf
CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

Blankenheim
(Eifel): Pfarrkirche, Hirtentor, Ahrhütte:
Reitmeisterhaus
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