Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1222
Blankenheim (Kreis Euskirchen, Eifel)

Das Hirtentor in Blankenheim

Der Ort Blankenheim nennt noch zwei historische Stadttore sein eigen. Das ältere ist das sogenannte Hirtentor von 1404, das Zugang zum inneren Bering gewährte, der mit der Burg verbunden war, während das jüngere St. Georgstor von 1670 zum äußeren Bering gehörte. Auf der Außenseite besitzt das ansonsten schmucklose Tor mit spitzbogiger Durchfahrt einen prächtigen, schmalrechteckigen Wappenstein mit großem, zentralem Vollwappen und vier umgebenden einzelnen Wappenschilden, die oberen beiden in eselsrückenartig geformtem Geäst.

Das Wappen der Grafen von Manderscheid zu Blankenheim ist geviert: Feld 1 und 4: In Gold ein roter Zickzackbalken/Sparrenbalken. Feld 2 und 3: In Gold ein schwarzer Löwe, darüber ein roter Turnierkragen von 5 Lätzen. Helmzier: ein goldener Hut mit rotem Stulp, darin zwei Stöße von Pfauenfedern (Gruber), ein roter Hut mit goldenem Stulp, darin zwei Stöße von Pfauenfedern (Siebmacher). Helmdecke rot-golden.

Die Burg Blankenheim wurde erstmals 1115 erwähnt, und nach ihr nannten sich die Herren von Blankenheim. 1380 wurde die reichsunmittelbare Herrschaft rings um die Burg zur Grafschaft erhoben. Als die Grafen von Blankenheim 1406 im Mannesstamme ausstarben, fiel das Gebiet 1415 erst an die Familie von Loen. Dietrich III von Manderscheid erwarb 1468/1469 durch Erbschaft die Grafschaft Blankenheim und den Grafentitel. Die Herren von Manderscheid stammen von der gleichnamigen Burg in der Eifel (Kreis Wittlich). Urkundlich sind sie seit Anfang des 12. Jh. faßbar, sie waren Lehnsleute der Grafen von Luxemburg. Nach ihrem Erlöschen wurden sie von den Herren von Kerpen beerbt. Durch Erbschaft kamen im 15. Jh. Schleiden und Jünkerath als Gebietsgewinne hinzu. Die Grafen von Manderscheid-Blankenheim spalteten sich in die Linien 1.) zu Blankenheim (1488, ab 1524 Linie zu Blankenheim und Linie zu Gerolstein), 2.) zu Schleiden (später zu Virneburg, kam 1545 hinzu) und 3.) zu Keil (Kayl) und Falkenstein, erloschen 1742. 1780 erlosch die Linie Manderscheid-Blankenheim mit Franz Joseph und damit das ganze gräfliche Haus Manderscheid. Die Güter kamen erst an die böhmischen Grafen von Sternberg, dann wurden sie 1794 von Frankreich besetzt, gingen 1801 endgültig verlustig, während die Grafen von Sternberg 1803 mit den Abteien Schussenried und Weißenau entschädigt wurden. Die anderen Manderscheider Linien waren schon früher erloschen.

Die beiden oberen Einzelwappenschilde: In der optisch linken oberen Ecke befindet sich das Stammwappen der Grafen von Manderscheid: In Gold ein roter Zickzackbalken/Sparrenbalken. Helmzier wäre ein goldener Hut mit rotem Stulp, darin zwei Stöße von Pfauenfedern (Gruber), oder ein roter Hut mit goldenem Stulp, darin zwei Stöße von Pfauenfedern (Siebmacher). Die Helmdecken wären rot-golden. Optisch rechts oben der Wappenschild von Blankenheim: In Gold ein schwarzer Löwe, darüber ein fünflätziger roter Turnierkragen. Die Helmzier wäre ein goldener Turnierhut, auf dem zwischen zwei in den roten Stulp gesteckten Pfauenstößen ein mit Pfauenfedern bestecktes goldenes Schirmbrett steht mit einem schwarzen Löwen, darüber ein fünflätziger roter Turnierkragen. Helmdecken schwarz-golden. Anm.: Die Edlen Herren und späteren Grafen von Blankenheim verwendeten verschiedene Varianten der Helmzier. Weitere Varianten sind: wachsender gekrönter schwarzer Löwe zwischen einem offenen goldenen Flug, der Löwe ohne Krone, geflügelter goldener Brackenrumpf. Beide Abb. werden getrennt durch eine Detailaufnahme eines Konsolsteines des Wappensteines mit abwehrendem Fratzengesicht mit herausgestreckter Zunge.

Die beiden unterne Einzelwappenschilde: In der optisch linken unteren Ecke befindet sich das Stammwappen der Herren von Junkerath (Junkerode, Jünkerath): In blauem, mit goldenen Lilien bestreuten Feld ein silberner Löwe (kommt i.d.R. mit einem drei- oder vierlätzigen, roten Turnierkragen belegt vor, so auch im heutigen Ortswappen von Jünkerath). Die Herren von Junkerode (Jünkerath) führten als Helmzier einen silbernen wachsenden Löwenrumpf zwischen einem schwarzen Flug, Helmdecken blau-silbern. Optisch rechts unten ist der Wappenschild von Daun: In Gold ein rotes Schräggitter. Die Helmzier der Dauner ist je nach Linie sehr vielgestaltig. Beide Abb. werden getrennt durch eine Detailaufnahme des linken Konsolsteines der Wappentafel.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Geschichte des Ortes Blankenheim und des Hirtentores:
http://www.blankenheim-info.de/bilderbuch/hirtentor.htm
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

Blankenheim (Eifel): Pfarrkirche, Hirtentor, Ahrhütte: Reitmeisterhaus

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