Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1225
Paffendorf (zu Bergheim, Rhein-Erft-Kreis)

Schloß Paffendorf

Schloß Paffendorf mit seinem ausgedehnten Park liegt im Nordosten der Ortschaft Paffendorf, die zum nahen Bergheim eingemeindet wurde. Es besteht aus zwei Baugruppen, einem Hauptbau, der sich mit spitz zulaufendem Grundriß nach Südosten schiebt, und einer ausgedehnten Vorburg mit U-förmig angeordneten Wirtschaftsgebäuden, alles voneinander und vom umliegenden Park mit Wassergräben getrennt. Dieses Schloß in den Sümpfen der Erftniederung ist eng mit den von Bongart zu Paffendorf verbunden, Erbkämmerer der Herzöge von Jülich.

Abb.: Südwestseite der Vorburg

Die Herren von dem Bongart sind ein uradeliges Geschlecht aus dem Jülicher Raum, deren Nachweis bis in das 12. Jh. reicht. 1331 erhielt ein Gerart von dem Bongart von den damaligen Grafen von Jülich das Erbkämmereramt bestätigt, das in der Familie erblich war. Die Erhebung in den Reichsfreiherrenstand erfolgte 1629 für Werner von dem Bongart. Die Vogtei Paffendorf wird 1233 als pfalzgräfliches Lehen den Grafen von Jülich aufgetragen. Die Herren von Bongart haben sie nach den Herren von Gymnich, den Herzögen von Brabant und den Grafen von Neuenahr ab 1512 in ihrem Besitz, bis sie 1958 mit den ganzen Ländereien von Marietta Freifrau von dem Bongart an die Rheinische Braunkohlewerke AG verkauft wurde.

Eine erste Burg der Vögte von Paffendorf datiert in die erste Hälfte des 13. Jh., die wurde aber zerstört. Wilhelm von dem Bongart zu Bergerhausen, Ritter und Jerusalempilger, 1515 Ritter des Heiligen Grabes, Herr zu Herwinandsrode, Erbkämmerer des Herzogtums Jülich und Amtmann zu Nörvenich, er heiratete 1516 Maria, die Tochter des Winand Maschereil, Herr zu Herwinandsrode. Er baute auf den Ruinen der Burg in den Jahren 1531-1546 eine neue Wasserburg im Stil der frühen Renaissance, wohnlicher, eher mit Schloßcharakter. Von diesem Schloß haben nur wenige sichtbare Bauelemente überlebt, denn 1861-1865 wurde das Anwesen von dem Kölner Baumeister August Lange im Auftrag von Ludwig von dem Bongart im Stile der Neugotik komplett umgebaut, mit Türmchen Balustraden, Ziergiebeln und viel Phantasie. Ein Renaissanceschloß, welches nachträglich gotisiert wird - entsprechend ist das Ergebnis ein Spiegel des Zeitgeschmacks.

Der Zeitpunkt des Verkaufs war gekommen, als der Tagebau die Ländereien des Schloßparks erreichte. Paffendorf gehört heute zu Bergheim. In Paffendorf (Erftkreis) steht ein von der Familie erbautes Schloß, eigentlich aus der Renaissance, aber so stark neugotisch überformt, daß kaum noch ursprüngliche Gebäude vorhanden sind. Heute gehört das Schloß dem RWE und dient seit 1976 als Informations- und Veranstaltungszentrum mit einer Dauerausstellung zum Thema „Rheinische Braunkohle“.

Abb.: neugotischer Wappenstein im Giebel der parkseitigen Ostfassade. Der in der Inschrift genannte Ludwig von dem Bongart war derjenige, der die tiefgreifende neugotische Umgestaltung des Schlosses durchführen ließ. Auch die Zeit der Umgestaltung wird angegeben: 1861-1865. Das Stammwappen der Herren von Bongart zu Paffendorf zeigt in Rot einen silbernen Sparren. Die Helmzier ist ein bärtiger Mannsrumpf mit nach hinten abfliegender Haarbinde, rot gewandet, das Gewand mit einem silbernen Sparren belegt. Helmdecken rot-silbern.

Abb.: neugotischer Wappenstein am Torhaus mit Allianzwappen, rechts Bongart, links ein Löwenwappen mit zerstörter Helmzier, beide Schilde gehalten von Löwen. Unten die Inschrift: "Adel sei ohne Tadel". Diese Wappenkombination paßt zu Freiherr Ludwig von dem Bongart (24.4.1819-6.5.1878) und seiner Frau Melanie Reichsgräfin von Walderdorff zu Molsberg (3.3.1829-10.11.1888, Tochter des herzoglich Nassauischen Staatsministers und Staatsrats Karl Wilderich Graf v. Walderdorff und dessen Frau Mauritia Gräfin Beissel v. Gymnich), die er am 22.7.1852 geheiratet hatte. Das ist insofern eine interessante Verbindung, als später Melanies Neffe, Pius Wilderich Ludwig Dominik Valentin von Walderdorff (6.1.1871-31.1.1953), nach entsprechender testamentarischer Verfügung seines Onkels den Namen von Walderdorff ablegte und stattdessen Namen und Wappen der Freiherren von dem Bongart annahm, um die Linie der von dem Bongart auf Paffendorf fortzuführen, was in Wien am 23.5.1878 genehmigt wurde.

Das Wappen der von Walderdorff zeigt in Schwarz einen golden gekrönten und bewehrten, rot-silbern geteilten, doppelschwänzigen Löwen (auch als silberner Löwe mit roter Mähne und rotem Kopf dargestellt). Als Helmzier wird zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, offener Flug, beiderseits belegt mit dem Löwen geführt. Eine entsprechende Wappenkombination kann man auch in der benachbarten kath. Pfarrkirche St. Pankratius sehen. Ludwig Freiherr von dem Bongart, vollständig Ludwig Joseph Fortunat Felix Freiherr von Bongart, war Besitzer der Fideikommiss-Güter Paffendorf, Bohlendorf und Heyden und außerdem Herr zu Winandsrath. Er war Erbkämmerer des Herzogtums Jülich, und er war Ritter des kgl. bayerischen St. Georg-Ordens sowie des kgl. preussischen Kronen-Ordens der III. Klasse. Die Ehe der beiden war kinderlos.

Abb.: Einer der wenigen älteren Steine, ein wunderschön geschwungener Kielbogen-Türsturz mit zwei in einen Kreis gestellten Wappenschilden, heraldisch rechts Bongart mit dem silbernen Sparren in rotem Feld, links Mascherel mit einem blau-golden geschachten Schild.

Deren Wappen wird im Loutsch beschrieben: "de Mascherel, échiqueté d'or et d'azur, cimier un cardinal ou un buste d'homme habillé du champ, coiffé d'un chapeau d'or. Famille originaire du duché de Juliers, dont une branche aurait séjourné au comté de Laroche." Es findet sich ebenfalls im Rietstap/Rolland unter den Schreibweisen Mascherel und Maschereil, sowie im westfälischen Wappenbuch unter Maschere gen. Knopf, von Blau und Gold geschacht, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender Mannesrumpf in blau-golden geschachtem Gewand mit einer abflatternden Kopfbinde aus einem goldenen und einem blauen Band. Ursprünglich hieß die Familie im Mannesstamm Rode, nahm aber den Namen Mascherel aufgrund einer Heirat an. Wilhelm von dem Bongart hatte 1516 Maria Mascherel aus dieser aus dem Herzogtum Jülich stammenden Familie geheiratet, Tochter von Winand IV Maschereil, die zudem Erbin von Schloß Wijnandsrade war, an dem sich übrigens außen auch ein prächtiges Bongart-Wappen aus dem frühen 18. Jh. befindet. Winand hatte seinem Schwiegersohn im Jahre 1531 die Herrschaft Wijnandsrade (Herwinandsrode) übertragen.

Die Minuskel-Inschrift über dem gedrückten Kielbogen lautet: "O Herr erbarme dich unser".

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Schloß Paffendorf:
http://www.paffendorf-erft.de/schloss/ - Geschichte: http://www.paffendorf-erft.de/geschichte/schloss.html
Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern Bd. 10, Berlin 1857–1883.
Genalogie:
http://wiki-de.genealogy.net/Genealogie_der_Herren_und_Freiherren_von_Bongart/041
Schloß:
http://www.burgen-und-schloesser.net/438/geschichte.htm
Walderdorff:
http://www.walderdorff.de/
ein herzliches Dankeschön an Herrn Helmut Schrön aus Bergheim und an Herrn Marcus Schulte für wertvolle Hinweise
Genealogien:
http://wiki-de.genealogy.net/Genealogie_der_Herren_und_Freiherren_von_Bongart/068
Schloß Wijnandsrade
http://www.flickr.com/photos/davydutchy/5065485464/ und http://nl.wikipedia.org/wiki/Kasteel_Wijnandsrade
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Rietstap, Rolland

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