Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1230
Aachen

Abtei Kornelimünster

Kornelimünster, heute ein Stadtteil von Aachen, beherbergt eine einst bedeutende Abtei mit sehenswertem Abteischloß und ebensolcher Kloster- und Wallfahrtskirche, deren Wurzeln immerhin in karolingische Zeit reichen. Das Schloß ist ein barocker Bau relativ übersichtlicher Konzeption und gleichmäßigen Stiles, ganz im Gegensatz zur Kirche, die ein Werk aus den unterschiedlichsten Epochen von der Romanik über Gotik und Barock bis zum Historismus ist.

Abb.: barockes Abteigebäude von Osten. Über dem Mezzaningeschoß befindet sich im Dreiecksgiebel das Wappen des Abtes. Bauherr der 1721 bis 1728 als Mitteltrakt einer dreiflügelig konzipierten Barockanlage neu erbauten Fürstabtswohnung war Hyacinth Alphonse de Suys, Abt 1713–1744. Insgesamt handelt es sich um eine mehrflügelige Anlage, deren Kernstück drei Flügel um einen sich nach Westen öffnenden Ehrenhof ist, wobei die beiden nördlichen und südlichen Flügel aber erst unter seinem Nachfolger Karl Ludwig von Sickingen-Ebernburg (Abt 1745–1764) errichtet wurden, auf den nur noch ein Abt vor der Säkularisierung folgte, Matthias Ludwig von Plettenberg-Engsfeld (Abt 1764–1803). Und die Erweiterung um den äusseren Südflügel fand erst 1876 durch die preussische Regierung statt, als Lehrerseminar mit Internat (bis 1925) eingerichtet wurde, wobei man allerdings dem Originalkonzept aus der Planungszeit von Fürstabt Hyacinth Alphonse de Suys folgte.

Abb.: Giebelwappen der Ostseite. Das Wappen des Abtes in ovalem Schild wird von einer Laubkrone überhöht, darüber eine Inful zwischen zwei goldenen Krummstäben und einem Schwert. Der Schild enthält ausschließlich das Familienwappen, in Blau drei (2:1) goldene Rammklötze. Rietstap gibt für die holländische Familie de Suys an: D'azur à trois moutons à piloter d'or. Casque couronné, cimier l'un de meubles de l'écu, entre en vol d'or (ou entre un vol à l'antique d'azur. Ein ganz ähnliches Wappen gibt Rietstap an für eine flandrische Familie de Suys, vgl. Berlo-Suys: D'or à trois moutons à piloter d'azur (also umgekehrte Farbgebung). Casque timbré de la couronne impériale. Es handelt sich um ein außergewöhnliches Schildbild, die Rammklötze haben an den Seiten je zwei Führungsstutzen, mit denen sie in einer vertikalen Vorrichtung auf und ab gleiten, und oben einen Ring, an dem das Seil zum Hochziehen befestigt wird.

Abb.: barockes Abteigebäude von Westen, Blick in den von drei Flügeln gebildeten Ehrenhof. Über dem Mezzaningeschoß mit Uhr befindet sich im Dreiecksgiebel das Wappen des Abtes, genau wie auf der Rückseite.

Abb.: Giebelwappen der Westseite. Das Wappen des Abtes ist analog zu dem auf der anderen Seite des Gebäudes aufgebaut und entspricht der obigen Beschreibung. Das Abteiwappen wäre in Rot zwei schräggekreuzte goldene Krummstäbe, und genau jene finden sich hinter dem Schild wieder. Einer der beiden Krummstäbe hat also eine Doppelfunktion, denn Krummstab und Schwert als Paar sind ja die Symbole der Reichsabtei.

Wappen der Vereinigten Herzogtümer (die Abtei war zwar Reichsabtei und unterstand damit einzig und allein dem Kaiser, aber die Grafen beziehungsweise späteren Herzöge von Jülich hatten die Schirmvogtei über das Kloster) an einer eine Statue tragenden Konsole am südlichen Zugang zum Abteigelände: Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Feld 1: in Rot mit silbernem Herzschild (hier nicht erkennbar) ein goldenes Glevenrad (Herzogtum Kleve). Feld 2: in Gold ein schwarzer Löwe (Herzogtum Jülich). Feld 3: in Silber ein roter Löwe, gold bewehrt, blau gekrönt, doppelschwänzig (Herzogtum Berg). Feld 4: in Gold ein in drei Reihen silbern-rot geschachter Balken (Grafschaft Mark). Herzschild: in Silber drei rote Sparren (hier fünfmal gesparrt, Grafschaft Ravensberg). Das Wappen wird hier ohne Oberwappen geführt.

Die Statue über diesem Wappenstein zeigt einen Papst mit Tiara, im linken Arm ein Trinkhorn haltend, also den Hl. Papst Cornelius, denn das sog. "Cornelius-Horn" ist eines der bekanntesten Reliquiare der Kirche. Cornelius hält in seiner Rechten den Papststab mit dem dreifachen Kreuz.

Die Konsole der rechten Statue am südlichen Eingang trägt ebenfalls ein Wappen. Das Abteiwappen zeigte (und zeigt wieder) in Rot zwei schräggekreuzte goldene Abtsstäbe. So führte es die Reichsabtei bis zu ihrer Aufhebung 1802, und so nahm man es bei der Neugründung 1906 wieder an. Eine solche Darstellung findet man auch außen am Aachener Rathaus. Zum personifizierten Abtswappen wird es durch Verwendung eines Herzschildes mit dem Familienwappen des jeweiligen Abtes. Die Statue über diesem Wappenstein zeigt einen Abt mit Krummstab und Schwert rechts und Büchern auf dem linken Arm. Zusammen mit dem Papst Cornelius auf der anderen Seite entsprechen beide Darstellungen einer Personifizierung des offiziellen Namens "Abtei der Heiligen Abt Benedikt von Aniane und Papst Kornelius“. Die beiden Bücher stehen für das Werk des Reformabtes, der 814 die Abtei Kornelimünster gründete, ihr erster Abt wurde und 817 alle Klöster des fränkischen Reiches der Benediktinerregel unterstellte, und für die von ihm verfasste Consuetudo, das Capitulare monasticum, eine verbesserte Benediktinerregel, insofern sind die Bücher angemessene Identifizierungssymbole für einen Ordensgründer, der der Nachwelt eine verbesserte Ordensregel hinterlassen hat. Damit wird aber der Herzschild zum programmatischen, zum symbolischen, nicht wirklichen Wappen, denn Benedikt von Aniane (gest. 821) stammte aus Südfrankreich und arbeitete eng mit Ludwig dem Frommen zusammen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Klöster
Abtei Kornelimünster:
http://www.abtei-kornelimuenster.de/
Abtei Kornelimünster:
http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Kornelim%C3%BCnster
Abtei Kornelimünster:
http://www.kunst-aus-nrw.nrw.de/abtei_de.html

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