Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1232
Bonn

Das Koblenzer Tor in Bonn

Das sogenannte Koblenzer Tor ist Teil des östlichen Galerieflügels des Bonner Kurfürstlichen Schlosses und trägt seinen Namen daher, daß es die Ausfallstraße nach Süden überspannt. Drei Durchgänge hat das Tor, und in den beiden seitlichen befanden sich früher die Wach- und Zollstuben. Der üppig geschmückte und an den beiden unteren Geschossen mit je vier dorischen und ionischen Säulenpaaren strukturierte und oben mit einer abschließenden Balustrade versehene Bau wurde 1751-1757 von M. Leveilly, Bonner Stadtbaumeister, in Auftrag des Kurfürsten Clemens August nach Plänen François Cuvilliés d. Ä. (1695-1768) errichtet. Der Aufbau mit einem großen Durchgang in der Mitte und zwei seitlichen Durchgängen, die vor die Fassade gestellten Säulen, der niedrigere oberste Teil - all das deutet auf römische Triumphbögen als Vorbilder des Konzeptes, eine Idee, die zur Autapotheose des Barockfürsten paßt. Das Koblenzer Tor (auch Michaelstor genannt) wurde 2005-2006 restauriert.

Das zweieinhalbgeschossige Gebäude war Sitz des Ritterordens vom Heiligen Michael, und eine vergoldete Michaelsstatue mit zum Schlag erhobenem Schwert in der Rechten und einem Drachen unter seinen Füßen ist als Bekrönung der Fassade vor der Dachlaterne zu sehen, ein Bleiguß von Hendrik Rottermondt (Sohn des Wilhelm Rottermondt), dessen Original in den Innenräumen der Universität zu sehen ist. Vier (ebenfalls reproduzierte) Figurengruppen bevölkern die oberen Abschlüsse und personifizieren die vier vom Michaelsorden besonders gepflegten Tugenden: Frömmigkeit, Ausdauer, Stärke und Treue. Das Ordenszeichen ist übrigens ein goldenes, blau emailliertes Kreuz, auf dessen vier gleichlangen Enden üblicherweise in goldener Schrift die Buchstaben: P. F. P. F. stehen, für die Tugenden Pietas, Fidelitas, Fortitudo und Perseverantia - genau diese vier Tugenden, die hier auch am Gebäude dargestellt sind. Der Orden wurde von Herzog Joseph Clemens von Bayern, Fürsterzbischof von Köln, im Jahre 1693 gestiftet. Üblicherweise ist ein Prinz einer Nebenlinie Ordens-Großmeister des Ordens. Die Mitgliedschaft im Orden war ausschließlich Adeligen vorbehalten. Die Zahl der Mitglieder ist auf 18 Kommandeure oder Großkreuze sowie 36 Ritter festgelegt.

An der Nordseite des Koblenzer Tores finden wir eine üppig von befransten Tüchern bemantelte, von Putten flankierte und mit einem Kurfürstenhut bekrönte (1960 erneuerte) Inschriftenkartusche: DOMINUS POTENS IN PRAELIO - vgl. Psalm 24 8: Wer ist der König der Herrlichkeit?....Dominus fortis, et potens: Dominus potens in proelio - der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf. Diese Worte begegnen uns wieder auf dem Revers des Ordensmedaillons, dort steht der Spruch mit goldenen Lettern ebenfalls: Dominus potens in proelio.

Auf der gegenüberliegenden Südseite befindet sich das Wappen von Clemens August Herzog von Bayern (geb. 16.8.1700 in Brüssel, gest. 6.2.1761 in Koblenz-Ehrenbreitstein), es ist auf die konvexe Kartuschenfläche aufgemalt. Clemens August akkumulierte in beispielloser Weise kirchliche Ämter:

So schaffte er es zeitweise (ab 1728), Bischof von fünf Bistümern zugleich zu sein und noch Hochmeister dazu (ab 1732). Diese selbst für einen barocken Kirchenfürsten außerordentliche Kumulierung kirchlicher Würden und Herrschaften über fünf geistliche Territorien, die ihn zum Herrn praktisch des gesamten katholischen Nordwestdeutschlands machte, war Anlaß für seinen Spitznamen "Herr von Fünfkirchen".

Der gevierte Hauptschild enthält seine fünf geistlichen Ämter wie folgt:

Dieser Hauptschild wird geviert durch das Hochmeisterkreuz des Deutschen Ordens, auf einem durchgehenden schwarzen Kreuz ein goldenes Glevenkreuz (Lilienkreuz), in der Mitte belegt mit einem Herzschild, der in Gold den schwarzen Reichsadler zeigt.

Darauf wiederum liegt als Herzschild das Stammwappen der Herzöge von Bayern, das aus den blau-silbernen Wittelsbacher Rauten und dem goldenen, rot gekrönten Pfälzer Löwen in Schwarz geviert ist.

Abb.: Der Galerieflügel, der barocke Ostflügel des Schlosses mit integriertem Torbau, reicht von der Residenz im Westen bis zum Alten Zoll am Rhein. Heute nutzen Universitätsinstitute die Räume.

Clemens August war nicht nur wegen seiner Ämter-Akkumulierung ein bemerkenswerter Kirchenfürst. Er herrschte praktisch über das gesamte katholische Nordwestdeutschland. Territorial und machtpolitisch hat er wohl das Maximale erreicht, was ein Kirchenfürst erreichen kann. Und dennoch nutzte er diese Möglichkeiten politisch nur, um seine Bauvorhaben und Kunstinvestitionen zu fördern und zu finanzieren. Er war ein beispielloser Bauherr und luxusliebender Mäzen der Kunst und der Kunstschaffenden. In die Geschichte geht er als großer Mäzen, Sammler und Bauherr ein und damit auch als einer der größten Arbeitgeber in und um Bonn sowie an anderen Orten seiner Fürstentümer: Schloß Augustusburg in Brühl, Schloß Herzogsfreude, Schloß Falkenlust in Brühl, Heilige Stiege auf dem Kreuzberg, Schloß Clemenswerth, Jagdschloß Entenfang, Poppelsdorfer Schloß im Botanischen Garten Bonn, Ausbau der Bonner Residenz, Umbau von Schloß Arnsberg etc. In seiner Freude an gebauten Sinneseindrücken und an Luxus war er ein typischer Fürst seiner Zeit. Und noch etwas ist interessant: Clemens August war bis 1738 als Freimaurer aktiv, und unter seiner Regierung entstand die erste Freimaurerloge in Bonn. Dem bereitete jedoch 1738 eine päpstliche Bulle ein Ende.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Frank Günter Zehnder, Werner Schäfer (Hrsg.), Der Riss im Himmel - Clemens August und seine Epoche, Ausstellungskatalog. Bonn-Brühl-Köln-Jülich-Miel 2000. ISBN 3-7701-5001-5
Kurfürst Clemens August, Landesherr und Mäzen des 18. Jahrhunderts, Ausstellung in Schloß Augustusburg zu Brühl 1961, 527 S. mit 168 Abb., Köln, DuMont 1961
Clemens August, Biographie:
http://www.bbkl.de/k/Klemens_a.shtml

Bonn: Altes Rathaus - kurfürstliches Schloß, Arkadenhof

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2009
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de