Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1238
Jüchen: Schloß Dyck

Schloß Dyck (3)

Das Wappen am halbrunden Vorbau des Südflügels
Wie wir oben bei der Besprechung der Baugeschichte gesehen haben, ist der Südflügel sehr oft verändert worden. Erstmalig erbaut im Zuge der Renaissance-Vierflügelanlage, dann um ein Stockwerk erniedrigt, dann mit einem zum Innenhof vorgebauten Vestibül versehen, zuletzt ausgebombt und wiederaufgebaut. An der Grenze zwischen Erdgeschoß und Obergeschoß befindet sich über dem Prunkportal mit gesprengtem, geschwungenem Gebälk ein auf 1898 datiertes neobarockes Allianzwappen von Alfred Georg Konstantin Leopold Prosper Joseph Maria Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck (23.6.1863 - 6.7.1924) und seiner Frau Marie-Dorothea Wilhelmine Julie Paula Gräfin v. Bellegarde (27.6.1873 - 1.2.1945), das an die Umgestaltung des Südflügels erinnern soll.

Der Bauherr, der das Wappen gemäß dem preußischen Fürstendiplom vom 28.4.1816 führen könnte, hat das vielfeldrige Prunkstück erheblich reduziert. Der Hauptschild ist weggelassen worden, desgleichen die Prunkstücke, die Aufteilung des Herzschildes ist geblieben, doch Ober-Salm ist durch Dyck ersetzt: Die ovale Kartusche ist zweimal gespalten

Abb.: Ausschnittsvergrößerungen der beiden ovalen, sich nach außen neigenden Kartuschen.

Das Wappen der Ehefrau ist das Wappen der Grafen von Bellegarde. Der Schild ist geteilt, oben in Gold ein schwarzer Doppeladler, unten in Blau ein abwärts gekehrter goldener Flammenbogen mit fünf gleichfalls abwärts schießenden goldenen Flammen. Das Kleinod wäre eine silberne Taube mit Ölzweig auf gekröntem Helm zu blau-goldenen Helmdecken.

Die Familie stammt aus Savoyen und zwar unter dem Namen "Noyel de Bellegarde-Damoiseau". In Frankreich gab es am Hofe der Valois einen Zweig dieses Geschlechts, der die herzogliche Würde erlangt hatte, jedoch schon im 14. Jh. ausstarb. François, Seigneur de Bellegarde, de Mons, des Marches d'Antremont le Vieux, Gesandter am Hofe Kaiser Karls V., wurde am 13.8.1540 zum Reichsritter ernannt, und bei dieser Gelegenheit wurde sein Wappen um den Reichsadler im oberen Teil des Schildes gebessert. Janus de Bellegarde, Seigneur de Mons (gest. 1712), Staatsminister und Großkanzler von Savoyen, wurde von Herzog Victor Amadeus von Savoyen am 14.6.1682 zum Marquis des Marches et Comte d'Antremont erhoben, und alle Glieder der Familie hatten das Recht, diesen Titel zu führen. Im Jahre 1741 wurden sie Reichsgrafen. Incolat im alten böhmischen Grafen- und Herrenstand am 3.6.1741 für Johann Franz Grafen Bellegarde, kurfürstlich sächsischer General und Kriegsminister, Stammvater der steirischen und österreichisch-schlesischen Linien. Das Wappen ist im Rietstap/Rolland und im Siebmacher Böhmen beschrieben.

Abb.: Das Wappen über dem Portal im baulichen Zusammenhang

Abb.: Position des besprochenen Wappens im Grundriß von Schloß Dyck

Das Wappen am Westflügel
Im Innenhof des Hauptschlosses befindet sich über einem Eingang in den Westflügel diese Wappentafel, den Ehepartnern Ernst Salentin Altgraf v. Salm-Reifferscheidt-Dyck (4.4.1621 - 1684), Begründer der jüngeren Linie zu Dyck und Erbauer des neuen Hochschlosses, und Clara Magdalena v. Manderscheid-Kayl (1636 - 9.2.1692) zuzuordnen. Unter einer in die Breite gezogenen Krone stehen die beiden Schilde der Ehepartner aufrecht nebeneinander, gehalten von zwei goldenen Löwen als Schildhaltern.

Optisch links sehen wir das vermehrte Wappen der Altgrafen von Salm-Reifferscheidt, speziell für Ernst Salentin Altgraf v. Salm-Reifferscheidt-Dyck (4.4.1621 - 1684):

Abb.: Das Wappen über dem Portal im baulichen Zusammenhang

Optisch rechts sehen wir das Wappen der Grafen von Manderscheid-Kayl, speziell für Clara Magdalena v. Manderscheid-Kayl (1636 - 9.2.1692):

Anmerkung zu Feld 3 und 4: Wir haben es hier mit einer Gruppe sehr eng verwandter Familien zu tun, die sich alle von den Herren von Bolanden ableiten. 1241 teilten sich die Herren von Bolanden in die Linien Bolanden (Hauptlinie), Bolanden-Hohenfels-Münzenberg (daraus wurden die Falkensteiner in der Wetterau), Bolanden-Falkenstein und Bolanden-Hohenfels, wobei sich letztere noch 1268/1276 in Hohenfels und Reipoltskirchen teilten. Die Familiengruppe, denen die gleichnamigen Burgen Altenbolanden (abgegangen, bei Kirchheimbolanden), Neubolanden (Ruine, dito), Hohenfels (Ruine, bei Imsbach), Falkenstein (Ruine am Donnersberg) und Reipoltskirchen (gut erhaltene Wasserburg im Landkreis Kusel) gehörten, führten als Vasallen der Erzbischöfe von Mainz ein an das Hochstiftswappen angelehntes Schildbild in abweichenden Tinkturen, wobei die Hauptlinie in Gold ein rotes Rad führte, die Nebenlinien Falkenstein, Hohenfels und Reipoltskirchen in Blau ein silbernes Rad, welches noch je nach Linie und Wappenträger durch Beizeichen differenziert wurde. Nur Hohenfels trug noch ein zusätzliches Motiv bei, den Anker in grünem Feld. Als Burg Hohenfels ca. 1351 zerstört wurde, verlegten die Hohenfelser ihren Sitz nach Reipoltskirchen, und so kam es zur Vereinigung der Motive als Hohenfels-Reipoltskirchen.

Clara Magdalenas Eltern waren Philipp Dietrich Graf zu Manderscheid, Blankenheim u. Kayl (30.3.1596-25.5.1653) und Elisabeth Amalia Löwenhaupt Gräfin v. Falkenstein u. Manderscheid Freifrau zu Reipoltskirchen (21.5.1607-13.7.1647), die wiederum von Steen Graf v. Löwenhaupt (14.1.1586-18.1.1645) und dessen Eltern Axel Stensson Löwenhaupt Graf v. Raseburg (11.2.1554-1619) und Sidonie v. Daun in Falkenstein (1549-1588) abstammt, wobei letztere die Tochter von Johann v. Daun Graf zu Falkenstein (-13.2.1579) war, und über ihn wird der Anschluß zu den obengenannten Geschlechtern hergestellt.

Abb.: Position des besprochenen Wappens im Grundriß von Schloß Dyck

Die Entwicklung des Wappens der Herren von Reifferscheidt, Grafen und Fürsten von Salm-Reifferscheidt
Stammwappen der Herren von Reifferscheidt:
(Siegel von Reinhard Herr zu Ryfferscheid aus dem Jahre 1375)

Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechtes silbernes und ein linkes rotes Eselsohr.

Vermehrtes Wappen ab 1455:
(Siegel von Johann von Salm-Reifferscheidt aus dem Jahre 1470)

Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechtes silbernes und ein linkes rotes Eselsohr.

Variante des vermehrten Wappen ab 1455:
(Siegel eines Johann von Salm-Reifferscheidt), Positionen im Hauptschild vertauscht

Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechtes silbernes und ein linkes rotes Eselsohr.

Vermehrtes Wappen der Altgrafen von Salm-Reifferscheidt:
Diese Variante ist noch um die Herrschaft Alfter erweitert, nach Siebmacher für Graf Werner (1573-1629)

Geviert:

Drei Helme:

Abb.: Spiegelung der Ostseite des Hochschlosses im Schloßteich

Vermehrtes Wappen der Altgrafen von Salm-Reifferscheidt:
Diese Variante ist noch um die Herrschaften Bedburg, Alfter und Hackenbroich erweitert:

Drei Helme:

Variante des vermehrten Wappen der Altgrafen von Salm-Reifferscheidt:
Diese Variante tauscht nur ein paar Plätze aus und wird für Franz Wilhelm Graf von Salm (gest. 1734) aus der Hauptlinie beschrieben:

Drei Helme:

Schildhalter zwei widersehende goldene Löwen.

Abb.: Flagge über dem Hochschloß, eine Verschmelzung der Einzelwappen von Dyck und Niedersalm.

Vermehrtes Wappen der Fürsten von Salm-Reifferscheidt:
Diese Variante ist noch um die Herrschaften Bedburg, Alfter und Hackenbroich erweitert:

Drei Helme:

Schildhalter zwei widersehende goldene Löwen. Dazu Fürstenhut und Wappenmantel.

Abb.: Wassergraben mit Steinbrücke zwischen dritter Vorburg (rechts) und Hochschloß (links)

Variabilität:
Variationen unterworfen sind die Anzahl der Teilungen im Feld für Alfter, die Einfach-/Doppelschwänzigkeit und die Krone der Löwen. Weiterhin können die liegenden Schindeln für Bedburg durch schräge Schindeln ersetzt werden. Das ist alles innerhalb der Variationsbreite der Unterlagen. Die Salme der Helmzier können büffelhörnerähnlich gekrümmt sein.

Vermehrtes Wappen der Fürsten von Salm-Reifferscheidt-Krautheim
Gemäß dem Reichs-Fürstendiplom vom 7.1.1804: wie nachfolgend angegeben, nur die Teilung des Feldes 2 des Herzschildes unterbleibt und die Salme von Ober-Salm fehlen. Die Schilde zu Füßen der Schildhalter fehlen. Ansonsten genauso wie nachfolgend.

Vermehrtes Wappen der Fürsten von Salm-Reifferscheidt:
Gemäß dem preußischen Fürstendiplom vom 28.4.1816:

5 Helme:

Decken außen links rot-golden, alle anderen rot-silbern (nicht korrekt). Schildhalter zwei geharnischte Ritter mit geschlossenem Visier und roten Federbüschen auf den Helmen, mit über der Schulter hängenden Schwertriemen, am äußeren Bein jeweils einen Schild, jeder Geharnischte hält an goldener Lanze ein Banner, von denen das rechte goldene ein silbernes Schildchen mit den beiden roten Salmen von Niedersalm, darüber die Devise "Contra torrentem", das linke silberne das Reifferscheidtsche Schildchen und darüber den Turnierkragen, darüber die Devise "Quem abumbro defendo" trägt. Die Devisen sind in schwarzen lateinischen Lapidarbuchstaben geschrieben. Die Schildhalter stehen auf silbernem Bande mit der Devise "Pro Deo et Patria". Um alles ein aus einem Fürstenhut herabfallender, purpurner, hermelingefütterter und goldengefranster, seitlich jeweils abgebundener, fürstlicher Wappenmantel.

Abb.: Blick von Südwesten auf Hochschloß, dritte Vorburg und zweite Vorburg (von links)

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Schloß Dyck in der Sammlung Duncker:
http://www.zlb.de/digitalesammlungen/SammlungDuncker/06/309%20Dyck.pdf
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hans Kisky, Alexander v. Reitzenstein und Hermann Mattern, Schloß Dyck, Bauten, Waffensammlung und Park, Rheinische Kunststätten Heft 25, 6. Auflage 1986, ISBN 3-88094-555-1
Frank Maier-Solgk (Text), Sonja Geurts (Red.), Schloß Dyck, Historischer Park und Neue Gärten, herausgegeben von der Stiftung Schloß Dyck 2002, ISBN 3-9808216-1-7
Stiftung Schloß Dyck:
http://www.stiftung-schloss-dyck.de/
Geschichte des Schlosses:
http://www.stiftung-schloss-dyck.de/de/schloss-und-park/schlossgeschichte.html
Öffnungszeiten:
http://www.stiftung-schloss-dyck.de/de/besucherservice/oeffnungszeiten.html
Freunde und Förderer von Schloß Dyck:
http://www.schlossdyck.de/
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Herrn Zobel ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise
Winfried Dotzauer, Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2001, ISBN 3-515-07878-9, S. 178 ff.

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