Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1263
Lohr (Spessart)

Lohr, Grabplatten an der kath Pfarrkirche St. Michael

Die umlaufende Inschrift dieses Epitaphes ist vollständig erhalten und lautet: Anno d(o)m(ini) mcccclxxxxvii (1497) Ja(h)r auf Donnerstagk nest nach San(k)t Kilians des heiligen Bischofs Tag starb de(r) e(h)rbar(e) und veste Philip Tru(ch)ses(s) vo(n) Ri(e)neck de(m) Got(t) g(nad). Es handelt sich also um den 1497 verstorbenen Philipp Truchseß von Rieneck, und dessen Wappen zeigt in Silber das Bruchstück eines schwarzen Rades mit zwei Speichen. Die Helmzier ist auf einem schwarzen, silbern- oder hermelingestulpten Turnierhut ein Adlerflug, rechts schwarz, links silbern, manchmal auch schwarz-silbern schräggeteilt vorkommend (vgl. Siebmacher Band: BayA1 Seite: 57 Tafel: 57, dort Helmzier ohne den Hut). Die Truchseß von Rieneck sind Stamm- und Wappengenossen der Herren von Randersacker (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 53 Tafel: 53). Wie der von einem Amtsnamen abgeleitete Familiennamen andeutet, waren sie Lehnsleute der Grafen von Rieneck. Es gibt wenig verläßliche Angaben über die Familie, und selbst das Aussterben wird mal vor dem der Herren von Randersacker stattgefunden haben, mal erst im 17. Jh. Diese Platte zeigt eine der wenigen erhaltenen Wappendarstellungen der Familie der Truchsessen von Rieneck.

Das andere Wappen auf der heraldisch linken Seite ist das der Reichsritter von Grumbach, in Gold ein schwarz gewandeter oder je nach Darstellung unbekleideter Mohr, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Blumen hält. Die linke Hand ist in die Hüfte gestützt. Helmzier: Ein flacher roter Turnierhut, silbern oder mit Hermelin gestulpt, darin ein geschlossener Flug, meist schräg von schwarz und gold geteilt, aber auch ganz schwarz. Helmdecken schwarz-golden. Beim Wappen fällt die Ähnlichkeit zu dem der Wolfskeel auf, diese sind Stamm- und Wappengenossen derer von Grumbach. Die beiden unteren Wappenschilde der Platte sind bis zur Unkenntlichkeit verwittert.

Die umlaufende Inschrift dieser zweiten Platte ist nur oben und an der optisch rechten Seite erhalten, in der unteren Hälfte jedoch verwittert. Der lesbare Teil lautet: Anno 1595 den 6. Februar ... Kalenders zwisch(en) zwölf und ..... Uhr starb die........ Insgesamt zeigt die Platte fünf Wappenschilde. Heraldisch oben rechts sehen wir das Thüngen-Wappen (in Silber ein hier 5x im Wellenschnitt gold-rot gespaltener Balken) und oben links das Wappen der Steinau genannt Steinrück (in Silber 3 (2:1) schwarze Wagenräder). Drei weitere Wappenschilde befinden sich im unteren Bereich, davon liegt der mit dem gewendeten Esel mittig dem Gewand auf, während die beiden anderen in den unteren Ecken zu finden sind (Hinweise willkommen).

Eine dritte Platte zeigt nur einen einzigen Wappenschild mit einer Lilie und der nicht ganz umlaufenden Inschrift: Anno d(o)m(ini) mccc an san(k)t benedicti tag starb der e(h)rsam man(n) Eckart Swob dem got(t) gnedig sey amen. Besonders sehenswert ist die zur Seite fallende Gugel auf dem Kopf mit dem verwitterten, aber ausdruckstarken Gesicht.

Über dem Eingang der Kirche sehen wir das Wappen der Grafen von Rieneck, der Schild ist 7-9x von Gold und Rot geteilt, hier 8x. Die Helmzier ist auf gekröntem Helm ein silberner Schwan. Die Helmdecken werden rot-golden angegeben.

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