Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1267
Nördlingen (Ries)

Stadttore und städtische Gebäude - Adler überall in Nördlingen

Das Stadtwappen von Nördlingen zeigt in Gold einen schwarzen, golden gekrönten, rotgezungten, golden bewehrten Adler wie so manche andere Reichsstadt auch. Das Adlerwappen ist seit dem 13. Jh. auf Stadtsiegeln belegt, deren ältestes von 1247 stammt. Es handelt sich um den Adler der Reichsstädte, der anfangs ungekrönt geführt wurde (Ausnahme: ein Siegel von 1256) und erst ab 1445 regelmäßig gekrönt erscheint. Zeitweise war der Adler Veränderungen ausgesetzt, so wurde er auf der Brust mit dem Buchstaben "N" zur Unterscheidung von anderen Reichsstädten belegt, und 1811-1863 wurden andere städtische Symbole verwendet (geteilt, oben in Silber balkenweise fünf blaue Rauten, unten in Schwarz ein achtstrahliger goldener Stern). 1863 wurde das alte Wappen wieder verwendet, und so wird es bis heute geführt. Die Farben sind seit dem 15. Jh. überliefert (Ausnahmen mit invertierten Farben im 16. Jh. bekannt). Dieses Adlerwappen ist im historischen Stadtbild Nördlingens allgegenwärtig, an den Stadttoren und an den städtischen Gebäuden finden wir es überall.

Auf 1553 datierter Wappenschild mit Adler am Löpsinger Tor. Er ist auf der Landseite angebracht, während die linke Abb. die Stadtseite zeigt. Das Löpsinger Tor wurde vor 1388 erbaut. Es wurde 1592 abgetragen und 1593/94 unter Wolfgang Walberger vollständig neu erbaut. Heute ist das Stadtmauermuseum darin untergebracht. Der Stil des sechs Stockwerke hohen Löpsinger Tores ist dem des Deininger Tores sehr ähnlich, das Löpsinger Tor ist aber im unteren Teil breiter. Durch das Löpsinger Tor verlief die wichtige Handelsstraße nach Nürnberg.

Wappenschild mit Adler am Reimlinger Tor. Das Reimlinger Tor ist das älteste Tor Nördlingens, der Unterbau stammt aus dem späten 14. Jh. 1480/83 wurden die Obergeschosse verändert, und der Bau der Geschützbrüstung erfolgte durch Wolfgang Walberger in den Jahren 1602/1603, desgleichen entstand der Vorbau mit der vorderen Geschützbrüstung um diese Zeit. Durch das Reimlinger Tor verlief die wichtige Handelsstraße nach Augsburg.

Ein weiterer prachtvoller Adler befindet sich übrigens am Berger Tor (ohne Abb., da zum Zeitpunkt des Besuches gerade in Restaurierung befindlich).

Dieser von zwei widersehenden Löwen und einer Person gehaltene Adlerschild befindet sich über der Rathaustreppe. Das Rathaus selbst wurde als Steinhaus Ende des 13. Jh. erbaut, aber erst seit 1382 als Rathaus genutzt. Im 16. Jh. wurde es umgebaut und erweitert. Im Jahre 1618 wurde von Wolfgang Walberger die Renaissance-Treppe seitlich angebaut, deren Portalbekrönung im Bild zu sehen ist.

Ein prächtiges Adlerwappen findet sich am sog. Klösterle. Ursprünglich handelt es sich um das Kloster der Franziskaner oder Barfüßer, das schon vor 1243 bestand. Während der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, und das Gebäude kam für 50 Gulden Leibgedinggeld für die letzten 3 Mönche in städtischen Besitz. Man beachte oben im Bild das kleine Baumeister-Schildchen mit seinen Initialen und seiner Marke (WW und Baumeisterzeichen).

Seit 1536 ist das Klösterle im Besitz der Stadt, die es durch C. Walberger und L. Straubinger für ihre Zwecke 1584-1587 als Kornhaus umbauen ließ. Seit 1976 ist hier der Stadtsaal eingerichtet und ein Restaurant untergebracht. Man beachte den äußerst plastisch, frontal den Betrachter anblickenden Adler, ferner die künstlerische Gestaltung des Schwanzes, um mit der Tatsache zurechtzukommen, daß durch die seitlichen Einbuchtungen der zur Verfügung stehende Platz sehr schmal und hoch ist.

Das Besondere an Nördlingens mittelalterlicher Altstadt ist die hervorragend erhaltene, kreisrunde historische Stadtmauer mit umlaufendem, fast vollständig begehbarem und rundum überdachtem Wehrgang. Insgesamt hat die Stadtmauer eine Länge von 2.6 km. Insgesamt fünf Tore mit Tortürmen kontrollieren den Zugang, elf weitere Türme und eine Bastion verteidigen die Mauerzüge.

Spital zum Hl. Geist. Der Wappenstein am Erker des Eckgebäudes mit dem Engel als Schildhalter und den Initialen CW ist datiert auf 1564, und in den Schriftfeldern wird der Spitalmeister genannt.

Auch an der Spitalkirche befindet sich in großer Höhe ein Relief mit dem Adlerschild von 1563, ebenfalls mit den Initialen CW versehen, mit zwei Löwen als Schildhaltern.

Das Hallgebäude am Weinmarkt hat ebenfalls ein wunderschönes, auf 1542 datiertes Adlerwappen am Erker im Vordergrund. Insgesamt hat das freistehende Gebäude vier Erker, wovon zwei ein Stadtwappen tragen. Das Gebäude wurde 1541-1543 als Wein- und Salzstadel und als Kornspeicher erbaut, daneben erfüllte es noch die Funktion einer Börse und war Raum diverser Verwaltungsinstitutionen. Ab 1837 wurde es als Schulgebäude genutzt, seit 1965 ist hier das Stadtarchiv untergebracht.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafeln der Stadt an den historischen Objekten.
Stadt Nördlingen:
http://www.noerdlingen.de/ISY/ mit Stadtplan http://www.noerdlingen.de/ISY/index.php?call=stadt-plan und Liste der Sehenswürdigkeiten http://www.noerdlingen.de/ISY/index.php?get=100
Stadtmuseum und Stadtgeschichte:
http://www.stadtmuseum-noerdlingen.de/start.php
Wappengeschichte:
http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9779194

ehem. Deutschordenshaus

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2010
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de