Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1291
Öhringen (Hohenlohekreis)

Schloß Öhringen

Das hohenlohesche Residenzschloß an der Südseite des Öhringer Marktplatzes wurde ursprünglich als Witwensitz der Gräfin Magdalena von Hohenlohe 1611-1616 nach Plänen des Gräflich Hohenloheschen Baumeisters Georg Kern erbaut. Georg Kern lebte von 1583 bis ca.1639-43. Er stammt aus Forchtenberg und ist der Bruder der bekannten Bildhauer Michael II, Leonhard und Peter II Kern. Als Baumeister der Renaissance wurde er prägend für den Raum Hohenlohe, und sein Wirken fällt zusammen mit der großen Landesteilung 1553 und dem daraus folgenden Bedarf an eigenständigen Residenzen. Er hinterließ architektonische Spuren an den meisten Kirchen (Neuensteiner Stadtkirche, Künzelsauer Stadtkirche, Ruppertshofen, Kirchensall, Eschelbach, Adolzfurt, Michelbach) und Schlössern (Hermersberg, Pfedelbach, Öhringen, Neuenstein, Friedrichsruhe, Langenburg und Waldenburg) Hohenlohes. Gräfin Magdalene geb. v. Nassau (1547 - 16.5.1633) war die Witwe von Wolfgang Graf v. Hohenlohe-Weikersheim (14.6.1546 - 28.3.1610). Dieser älteste, einflügelige, dreigeschossige Teil im Renaissance-Stil ist der sog. "Lange Bau", der langen Fassade zum Marktplatz entsprechend, mit der rundbogigen Durchfahrt zum Schloßhof. Vorher standen dort alte Chorherrenhäuser. Typisch für die Renaissancebaukunst sind die Volutengiebel mit Roll- und Beschlagwerk und Obelisken sowie der achteckige Wendeltreppenturm auf der Hofseite. Nach dem 30jährigen Krieg wurde das Schloß wieder instandgesetzt.

Seit 1677 ist das Schloß die regelmäßige Residenz der Grafen und späteren Fürsten zu Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen. 1681-1683 wurde das Renaissance-Schloß durch Paul Platz aus Belfort im Westen des Langen Baus rechtwinklig um den neuen Marstallbau erweitert, der im Erdgeschoß Platz für 30 Pferde bot. Bauherr war Johann Friedrich Graf v. Hohenlohe-Öhringen (31.7.1617 - 17.10.1702), der erstmalig in Öhringen Residenz bezog. Zwei Giebel des Langen Baus wurden auf den Marstallbau versetzt. Auf dem Marstalltor befindet sich das unten beschriebene und abgebildete Allianzwappen des Bauherrn und seiner Frau, Luisa Amoena Herzogin v. Schleswig-Holstein-Norburg (15.1.1642 - 11.6.1685).

Die hofseitigen Arkaden sind ein Werk des Barocks von 1714-1715 und entsprechen zeitlich der Anlage des Hofgartens zwischen Stadtmauer und dem Fluß Ohrn. Diese Arkaden und die darüberliegenden Galerien wurden für den Sohn des eben Erwähnten, Johann Friedrich Fürst zu Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen (22.7.1683 - 24.8.1765) errichtet, der 1702 zu Öhringen regierte und sich mangels vollzogener Erbteilung die Regierung der hohenloheschen Länder mit den Brüdern teilte, 1708 zu Neuenstein und Öhringen, 1756 in Weikersheim und schließlich am 7.1.1764 der erste Fürst dieser Linie wurde. 1708 vollzog sich die Landesteilung zwischen den beiden Brüdern, Johann Friedrich Fürst zu Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen (22.7.1683 - 24.8.1765) einerseits und Carl Ludwig Graf v. Hohenlohe-Weikersheim u. Gleichen (23.9.1674 - 5.5.1756) andererseits. Das Öhringer Schloß war am 30.5.1708 Schauplatz des letzten Aktes einer merkwürdigen Teilung des 6 Jahre zuvor angefallenen väterlichen Erbes, die akribisch vorbereitet und letztlich durch das Ziehen von Spielkarten entschieden wurde. Carl Ludwig zog das Los namens Weikersheim, und der Bruder Johann Friedrich bekam Öhringen. Die beiden anderen Brüder schieden aus, Johann Ernst Graf v. Hohenlohe-Öhringen (24.3.1670 - 16.11.1702) starb im selben Jahr wie der Vater, und Friedrich Kraft Graf v. Hohenlohe-Öhringen (22.2.1667 - 23.8.1709) war wegen „Blödhäuptigkeit“ nicht regierungsfähig, man mußte jedoch auf Intervention der Verwandtschaft hin mit der tatsächlichen Teilung einige Jahre (1702-1708) warten, ob sich sein Zustand nicht doch noch besserte.

Um 1770-1775 wurde das Schloß um den Remisenbau im Westen mit Rokoko-Bibliothek erweitert, aus der Zeit stammt auch die doppelläufige Freitreppe im Schloßhof vor dem Marstallbau zum ersten Obergeschoß desselben. Bauherr war Ludwig Friedrich Carl Fürst zu Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen (23.5.1723 - 27.7.1805), der zweite Fürst, mit dem dann auch die Linie Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen erlosch. Öhringen wurde vererbt an Fürst Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen. Als letzte bauliche Erweiterung kam schließlich im Westen der klassizistische Prinzenbau 1813-1814 unter Fürst August II. zu Hohenlohe-Öhringen hinzu. Auch wenn sich die letzten Bauteile unterordnen, ist insgesamt ein eher unzusammenhängendes und konzeptlos wirkendes, künstlerisch eher disharmonisches Schloß in städtebaulich wirklich ungünstiger Lage entstanden, eingeengt zwischen Stiftskirche einerseits und starkem Höhenversatz andererseits. 1961 trennte sich das Haus Hohenlohe vom Residenzschloß und verkaufte es an die Stadt Öhringen, die es ab 1975 innen umbaute und seit 1977 als Sitz der Stadtverwaltung nutzt.

Das Ehewappen über dem Marstalltor (zeigt nach Norden, bestes Photolicht im Hochsommer frühmorgens oder abends) für Johann Friedrich Graf v. Hohenlohe-Öhringen (31.7.1617 - 17.10.1702) und Luisa Amoena Herzogin v. Schleswig-Holstein-Norburg (15.1.1642 - 11.6.1685) ist gespalten. Rechts ist das Wappen der Grafen von Hohenlohe, geviert:

Links ist das Wappen der Herzöge v. Schleswig-Holstein-Norburg, geviert mit eingebogener Spitze und Herzschild:

Genealogie zum Wappen (Bauherren rot hervorgehoben, alle im Text erwähnten Personen fett):

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher.
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Carlheinz Gräter, Jörg Lusin, Schlösser in Hohenlohe, Geschichte und Geschichten, Silberburg Verlag Tübingen, 1. Auflage 2005, ISBN 978-3-87407-685-2
Schloß Öhringen:
http://www.burgen-und-schloesser.net/553/home.htm
Hohenlohekreis:
http://www.hohenlohekreis.de/
Informationstafel am Schloß
Schloß Öhringen:
http://www.oehringen.de/freizeit-tourismus-kultur/sehenswuerdigkeiten/schloss.html
Baumeister Georg Kern:
http://www.forchtenberg.de/667.0.html
Hohenlohesche Landesteilung:
http://www.schloss-weikersheim.de/de/schloss-weikersheim/Hauptgewinn-ein-Schloss/257090.html
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 388

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