Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1297
Pfedelbach (Hohenlohekreis)

Schloß Pfedelbach

Schloß Pfedelbach ist eines der schönsten und stilistisch einheitlichsten Hohenlohe-Schlösser. Es ist im Stile der Renaissance und des Barocks gehalten und steht frei in der Ortsmitte. Das Schloß ist ein sich in Nord-Süd-Richtung erstreckendes Rechteck (ca. 1:2) mit vier runden Ecktürmen, einem halbrund vorspringenden Turm in der Mitte der westlichen Längsseite und einem massiv wirkenden, alle anderen Bauten überragenden viereckigen Turm in der Mitte der Ostseite, aus der Mauerflucht vorspringend und die Zufahrt enthaltend. Das durch seine Symmetrie und Regelmäßigkeit beeindruckende Schloß ist eingesenkt in einen ringsum und beiderseits gemauerten Graben, dessen Umrißlinie der Futtermauer den Ausbuchtungen der Türme folgt, heute ist der Graben freilich trockengelegt.

Abb.: Schloß Pfedelbach im Morgenlicht von Südosten aus gesehen.

Das Geviert um den rechteckigen Innenhof wird gebildet aus zwei dreigeschossigen Wohnflügeln im Norden und im Süden, wiederum ca. 1:2 proportioniert, die durch schmale Galerieflügel verbunden werden. Auf der Ostseite sind es tatsächlich zum Hof hin offene steinerne Galerien, die Westseite ist innen Fachwerk. Hofseitig springt am Nordflügel in der Mitte desselben ein polygonaler Treppenturm vor, desgleichen war einst auch einer am Südflügel, der ist aber beim Umbau integriert worden. Beide Wohnflügel sind hinsichtlich des Daches unterschiedlich, der Nordflügel besitzt im Westen wie im Osten einen geschweiften Ziergiebel im Stile der Renaissance, genau wie die übrigen Trakte und Türme mit horizontalen Gesimsen sparsam gegliedert, der Südflügel aber besitzt ein Mansarddach. Dies ist nicht das einzige Indiz einer späteren Bauphase, denn statt der Zwillingsfenster finden sich hier größere einfache Rechteckfenster, und im Südteil ist nur das unterste Gesims als umlaufendes Profil fortgeführt. Die hohe Regelmäßigkeit der Anlage und die einheitliche Farbgestaltung kaschieren diese stilistischen Abweichungen. Sowohl im Norden als auch im Süden ist ein breiter Balkon angebaut.

Abb.: Innenhof von Schloß Pfedelbach, Blick auf den Nordflügel, rechts die inneren Galerien der Eingangsseite.

Das Renaissance-Schloß wurde anstelle einer mittelalterlichen Wasserburg der einstigen Herren von Pfedelbach 1568-1572 erbaut. Deren genauer Standort ist unbekannt. Möglicherweise wurden davon aber Steine für das massive, im trockenen Schloßgraben sichtbare Fundament verwendet, wo man Sandstein-Buckelquader mit Zangenlöchern finden kann. Herren von Pfedelbach werden bis 1419 erwähnt. Bis 1472 waren die Herren von Adelsheim Besitzer von Pfedelbach, 1419 brachte eine Reitza von Pfedelbach dieses als Erbe mit in die Ehe mit Zeisolf von Adelsheim. 1472 wurde die Herrschaft von den Grafen von Hohenlohe gekauft, von dem Sohn der oben Erwähnten, Götz von Adelsheim. Baumeister des neuen Schlosses war Sebastian Mayer aus Heilbronn.

Die beiden Steingalerien über den Arkaden im Hof (Ostseite) mit jeweils toskanischer und ionischer Säulenordnung sind eine spätere Ergänzung von 1608-1613 durch Georg Kern, sie ersetzten Fachwerkgänge. Zur Bauzeit residierten die Grafen zwar auf Schloß Waldenburg, bauten Pfedelbach aber als Nebenresidenz, vor allem für den Winter wegen des milderen Klimas in der Ebene. Das Schloß wurde auch als Witwensitz genutzt. Das wurde nur allzu schnell wahr, denn Graf Eberhard starb durch Verbrennungen, die er sich bei einer Karnevalsfeier am 17.2.1570 auf Waldenburg zugezogen hatte, als die Gewänder Feuer fingen. Er starb kurze Zeit später an den Folgen und erlebte die Fertigstellung seines Winterschlosses nicht mehr, dafür wohnte seine Witwe hier noch 30 Jahre. 1615-1728 war das Schloß eigenständige Residenz, bis zum Aussterben der Linie Hohenlohe-Pfedelbach.

Der große Wappenstein des Bauherrenpaares, Eberhard Graf v. Hohenlohe-Waldenburg-Langenburg und Agatha Pfalzgräfin v. Tübingen, befindet sich über dem Haupttor im östlichen Mittelturm, die schlichte Rechteckzone mit den beiden Vollwappen wird oben und unten von Zonen mit Ornamentik, Beschlagwerk und Masken eingefaßt.

Abb. links: Mittelturm der Ostseite von Schloß Pfedelbach im Morgenlicht von Südosten aus gesehen. Abb. rechts: Wappenstein über dem Eingangstor im Mittelturm.

Genealogie zum Wappenstein:

Wir haben es hier mit einem der beiden Brüder zu tun, die die beiden Hauptlinien des Hauses Hohenlohe begründeten. Graf Eberhard herrschte ab 1558 in Waldenburg, Pfedelbach, Schillingsfürst und Bartenstein, Kupferzell, Mainhardt, Sindringen, er war Mitherr zu Öhringen, und außerdem der Erbauer des Schlosses Pfedelbach. Er ist der Begründer der separaten Linie zu Waldenburg, auf ihn geht eine ganze Gruppe von Linien zurück, die Linien zu Waldenburg, Schillingsfürst und Pfedelbach, später auch die zu Bartenstein und Jagstberg. Sein Bruder Ludwig Kasimir Graf v. Hohenlohe-Waldenburg-Neuenstein (12.1.1517 - 24.8.1568) hingegen saß in Neuenstein, Weikersheim, Künzelsau, Langenburg, Kirchberg und Ingelfingen, und er war Mitherr zu Öhringen. Auf Ludwig Kasimir geht die zweite Hauptlinie des Hauses Hohenlohe zurück, mit den einzelnen Linien zu Neuenstein, Weikersheim und Langenburg, desgleichen zu Öhringen, Ingelfingen und Kirchberg.

Abb.: Wappenstein über dem Haupteingang, bestes Photolicht am frühen Vormittag.

Der Schild der Grafen von Hohenlohe ist geviert: Felder 1 und 4: Stammwappen Hohenlohe: In Silber zwei schwarze Leoparden (schreitende, hersehende Löwen), rotgezungt, einwärts schreitend, Felder 2 und 3: Wappen Langenburg: Geteilt, oben in Schwarz ein einwärts schreitender goldener Löwe, rot gezungt, golden gekrönt, unten gold-schwarz gerautet. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): ein silberner Phönix mit roten Schwungfedern, sich erhebend. Helmdecken rot-silbern (Stammkleinod Hohenlohe). Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm ein goldener Löwe, golden gekrönt, rot gezungt, zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern. Helmdecken schwarz-golden (Langenburg).

Der Schild der Pfalzgrafen v. Tübingen-Lichteneck zeigt in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei roten Ringen. Die Helmzier der Pfalzgrafen von Tübingen ist eine rote Bischofsmütze (Inful) mit goldenen Verzierungen (Borten) an den Kanten, Helmdecken rot-golden (lt. Siebmacher).

Abb.: Schloß Pfedelbach im Nachmittagslicht von Südwesten aus gesehen. Die Wege und Rasenflächen im Burggraben zeichnen die Umrisse nach.

Eine eigenständige Linie zu Pfedelbach gab es erst unter den Enkeln des Erbauers dieses Schlosses. Von drei Enkelsöhnen führte Philipp Heinrich Graf v. Hohenlohe-Waldenburg u. Gleichen (3.6.1591 - 1644) die alte Linie zu Waldenburg fort, Georg Friedrich II. Graf zu Hohenlohe-Schillingsfürst u. Gleichen (16.6.1595 - 20.9.1635) die Linie zu Schillingsfürst, und Ludwig Eberhard Graf v. Hohenlohe-Waldenburg-Pfedelbach u. Gleichen (19.1.1590 - 1.11.1650) wurde zum Begründer der Linie zu Pfedelbach, die aber schon 1728 erlosch und an die Linie zu Bartenstein fiel.

Abb.: Schlußsteine der flachen Fensterbögen im unteren Geschoß mit Fratzen, von der Westseite des Schlosses.

An der folgenden Abbildung wird der stilistische Unterschied zwischen Nordtrakt und Südtrakt am deutlichsten mit der jeweils unterschiedlichen Gestaltung der Dächer, Gesimse, Fenster, Turmkappen. Das ist das Ergebnis einen unvollständigen barocken Umbaus in der Zeit 1752-1756 durch Fürst Josef Anton von Hohenlohe-Bartenstein. Der Baumeister war Heinrich Wölfling. Aber eigentlich steckte man die Energie in den Ausbau von Schloß Bartenstein, und so blieb der geplante Umbau zur Dreiflügelanlage mit Ehrenhof in den Anfängen stecken. Den hervorragenden Zustand des Schlosses verdanken wir einer von der Gemeinde Pfedelbach durchgeführten Renovierung in den Jahren 1962-1985, die das reichlich heruntergekommene Schloß, das zuvor u. a. 1806-1840 als württembergisches Amtsgericht, im 20. Jh. als Vertriebenenunterkunft und danach als Armenhaus genutzt worden war, 1962 von Fürstin Clara zu Hohenlohe-Bartenstein erworben hatte. Heute wird das Schloß von der Gemeinde genutzt, so der 2005 renovierte Bürgersaal als Sitzungssaal und Veranstaltungsraum, ferner werden im Schloß Privatwohnungen und Geschäftsräume vermietet.

Abb.: Schloß Pfedelbach im Nachmittagslicht von Nordwesten aus gesehen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher.
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Carlheinz Gräter, Jörg Lusin, Schlösser in Hohenlohe, Geschichte und Geschichten, Silberburg Verlag Tübingen, 1. Auflage 2005, ISBN 978-3-87407-685-2
Wilhelm Gradmann, Burgen und Schlösser in Hohenlohe, Stuttgart 1982
Schloß Pfedelbach:
http://www.burgeninventar.de/specials/394pf.html und http://www.burgen-web.de/pfedelbach.pdf
Das Schloß Pfedelbach 1572–1988. Sonderdruck aus: Württembergisch Franken, Band 77. Hrsg. vom Historischen Verein für Württembergisch Franken, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen, 1993.
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 398-399

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