Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1327
Stadt Luxembourg (Großherzogtum Luxembourg)

Das Hôtel Saint Maximin in Luxembourg

Das heutige Außenministerium in der 5, Rue Notre-Dame ("Ennëschtgaass"), gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Kathedrale gelegen, besitzt an den beiden Schmalseiten im Westen und im Osten jeweils einen Wappenstein, etwas über Mannshöhe angebracht. Sie passen stilistisch nicht zum aus dem 18. Jh. stammenden Gebäude, sondern stammen von einem Vorgängerbau des 17. Jh. und wurden erst später hier eingefügt. Beide Wappensteine stehen stilistisch noch vor barocken Formen, das Gebäude, an dem sie angebracht sind, hat jedoch stilistisch schon eine Purifizierung des späten Barocks in Richtung schlichterer Formen hinter sich. In der Tat waren beide Steine lange Zeit nebeneinander als Denkmal im Garten des jetzigen Außenministeriums vereinigt zu sehen, und erst aus Anlaß einer Gebäuderenovierung wurden die Steine wieder getrennt und als historische Zeugen der Baugeschichte an dieser Stelle in die Giebelwände integriert. Dieses Gebäude war das "Refuge de St. Maximin", das Repräsentationsgebäude der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin.

Beide Steine weisen auf den Abt Maximin von Gülich (lebte 1610-1680) hin, den 74. Abt der einst bedeutenden und mächtigen Trierer Abtei St Maximin. Unter ihm wurde der heute nicht mehr existierende Vorgängerbau errichtet, von dessen Aussehen leider keinerlei Dokumente berichten. Der heutige Bau an gleicher Stelle ist ein Neubau aus der Amtszeit von Abt Willibrord Scheffer (1738-1762, 79. Abt) aus dem Jahre 1751.

Die Inschrift dieses Wappensteines lautet: "M.G.A.S.M.Ao 1663" und steht für "Maximinus ab Gulich Abbas Sancti Maximini Anno 1663". Heraldisch rechts befindet sich das persönliche Wappen des Abtes, ein aufspringendes Pferd. Die Feldfarbe wäre Blau, die Farbe des Pferdes Silber. Der Schild wird von einer Inful überhöht, schräg dahinter steht der Krummstab des Abtes. Heraldisch links sehen wir einen Doppeladler, von einer Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches überhöht, und dieser Hinweis auf den Status als Reichsabtei ist mit einem Brustschild belegt, der den Bären des Heiligen Maximin zeigt (Abteiwappen), der gemäß der Hagiographie das Lasttier des Heiligen während einer Reise nach Rom getötet hatte, und daraufhin selber das Gepäck aufgebürdet bekam.

Die Inschrift dieses vom Vorhof der Kathedrale aus zu sehenden Wappensteines lautet: "SVBIECTAM CAVEAM CVM SVPERSTANTE AEDIFICIO A FVNDAMENTIS EREXIT MAXIMINVS A GVLICH EX SANCTO VITO ABBAS STI MAXIMINI ANNO MDCLXIII" - Maximinus von Gulich aus Sankt Vith, Abt von Sankt Maximin, hat das tiefliegende Kellergeschoß mit dem darüberstehenden Gebäude im Jahre 1663 von den Fundamenten aufwärts errichten lassen. Diese Bauinschrift ist neben den Kellerfundamenten leider das einzige Zeugnis von der Bautätigkeit dieses Abtes und der Errichtung eines Vorgängerbaues, bevor der heutige Prachtbau entstand.

Während von der eigentlichen Abtei in Trier nur wenige Teile erhalten sind, das Eingangsportal des Klosters mit Scheffer-Wappen und eine Kirche aus dem 17. Jh, welche heute als Schulsporthalle der privaten Hauptschule St. Maximin und als Konzertraum genutzt wird, finden wir hier mit diesem Gebäude in Luxemburg ein bauliches Zeugnis des einstigen Glanzes und Reichtums der früher mächtigen Benediktinerabtei.

Liste der Äbte von St. Maximin vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben der hier mit Wappen vertretene Abt):

Literatur, Links und Quellen:
Luxemburger lateinische Inschriften: http://www.al.lu/latin/deutsch/dlcen.htm
Nicolas Ries, Cahiers luxembourgeois 1937 Nr 1 S. 65 u. 66
Refuge de St. Maximin à Luxembourg: http://www.mae.lu/fr/Site-MAE/Bienvenue-au-Ministere-des-Affaires-etrangeres/Apercu-historique
St. Maximin:
http://www.bbkl.de/m/maximinus.shtml
Jean Harpes, Vieilles demeures nobiliaires et bourgeoises de la ville de Luxembourg, 1959, S. 209 ff.
Herrn D. Erpelding ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
http://www.heraldik.be/2010/05/08/maximinus-von-gulich/
http://www.heraldik.be/2010/05/08/abte-von-sankt-maximinus-bertholet/
http://www.heraldik.be/2010/04/09/wappen-am-staatsministerium/
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.

Äbte der Abtei St. Maximin in Trier

ehem. Hôtel de Feller - Hospice Saint Jean - ehem. Maison de Raville - Großherzoglicher Palast - Eglise Saint Michel

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