Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1362
Amönau (Stadtteil von Wetter, Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Wappenstein am Gartenhaus des Amönauer Schlosses

Unweit der Amönauer Kirche befindet sich das Schloß. Schloß ist fast zuviel gesagt, erfüllt doch der vom Tor aus sichtbare einfache Fachwerktrakt von 1805 nicht das Schloß-Klischee, sagen wir besser: Herrenhaus. Und doch ist es ein uralter Rittersitz, und der ältere, auf ca. 1500 zu datierende massive Bruchsteinflügel schließt rückwärtig T-förmig an den Fachwerktrakt an. Der Blickfang ist jedoch das Gartenhäuschen an der Ecke des Anwesens, ein entzückender, malerischer Eckbau mit massivem, polygonartig erweiterten Unterbau aus Quadern und Bruchsteinen von 1615 und einem Fachwerkobergeschoß mit unverputzter Ziegelsteinfüllung in Ziersetzung, der sich aus einem Oktogon und einem anschließenden Längsbau zusammensetzt. Es wurde von Hedwig von Bodenhausen errichtet. Gartenseitig befindet sich ein Steinportal mit der Jahreszahl 1616. Das Herrenhaus wird privat bewohnt und kann nicht besichtigt werden.

An der Ecke der polygonalen Erweiterung der Gartenmauer befindet sich ein Wappenstein, oben und unten von je einer lateinischen Inschrift begleitet. Der Wortlaut der oberen Inschrift ist: "HEDWIG JOHANIS CONIUX QVONDAM A BODENHAUSEN QVI VITA HEIC FUNCTUS VIVIT IN ARCE POLI RAV-HOLTZHVSANO PROGNATA EST ET MATE FECIT COMODA UT HAEC SEDES TUTA ET AMAENA". Der Wortlaut der oberen Inschrift ist: "HINC HAE STANT AEDES MURI VIRIDARIA PORTA HINC PLURA AUXILIO SUNT FABREFACTA DEI FAC DEUS UT PIETAS ET PAX HAC SEDE PERENNENT SINTO HABITATORES JUGITER INCOLUMES". Frei übersetzt: Hedwig, des ehemaligen Hans (Johannes) von Bodenhausen Ehefrau, der hier lebte und jetzt im Himmel weilt, eine geborene Rau von Holzhausen, hat diesen Platz angenehm gestaltet auf daß er sicher und angenehm ist. Die hier stehenden Gebäude und Mauern sowie das Riedtor wurden mit Gottes Hilfe erbaut, Gott gib, daß Frömmigkeit und Friede an diesem Sitz bleiben und seine Einwohner Wohlergehen genießen.

Das Wappen ist ein Ehewappen, es besteht aus zwei in gespaltenem Schild vereinigten Einzelwappen, wobei beide Einzelhelmzieren dem Schild aufgesetzt wurden. Das Wappen der von Bodenhausen zeigt in Silber drei (2:1) mit den Spitzen nach rechts gekehrte Mondsicheln. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne Säule oder ein silberner Schaft, beseitet von je einer mit den Spitzen nach außen gekehrten roten Mondsichel, oben besteckt mit fünf abwechselnd roten und silbernen Straußenfedern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher, Band: Anh Seite: 1 Tafel: 1, Band: AnhA Seite: 8 Tafel: 4, Band: Han Seite: 4 Tafel: 3, Band: He Seite: 4 Tafel: 2 (dort gewendet), Band: Pr Seite: 35 Tafel: 41, Band: Pr Seite: 91 Tafel: 118, Band: Sa Seite: 21 Tafel: 21, Band: SchlA1 Seite: 13 Tafel: 9, und im Band: SchwA Seite: 37 Tafel: 26. Interessant ist die inhaltliche Verwandtschaft von Schildinhalt und Helmzier mit dem Wappen der von Hanstein, diese sind stammesverwandt und führen die Farbe Schwarz statt Rot. Neben diesem Stammwappen gibt es noch ein freiherrliches Wappen (Freiherrenstand 1669): Schild geviert mit Herzschil, Feld 1: in Gold ein gekrönter, schwarzer, doppelköpfiger Reichsadler, Feld 2: in Blau drei rote Säulen nebeneinander, die mittlere gekrönt, die anderen oben je mit einer silbernen Kugel besetzt, Feld 3: unter einem goldenen, durch Spitzen abgeteilten Schildhaupt in Blau ein dürrer schwarzer Baum, Feld 4: in Gold ein aufgerichteter schwarzer Bär mit goldenem Halsband und ebensolcher Krone. Herzschild: Stammwappen. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): schwarzer, doppelköpfiger und gekrönter Reichsadler. Helm 2 (rechts): sieben Straußenfedern, abwechselnd rot und silbern. Helm 3 (links): ein wachsender schwarzer Bär mit goldenem Halsband und ebensolcher Krone. Helmdecken alle rot-silbern. Die Linie, die in den Freiherrenstand erhoben wurde, erlosch, eine andere Linie führte Titel und vermehrtes Wappen daraufhin fort. Das Wappen der Rau von Holzhausen zeigt in Silber einen roten Balken. Helmzier ein Paar Büffelhörner, ebenfalls silbern mit rotem Balken. Helmdecken rot-silbern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: He Seite: 22 Tafel: 24, sowie im Band: PrE Seite: 212 Tafel: 184.

Die von Bodenhausen folgten den von Rehen als Besitzer nach, denn 1607 hatte Johann von Bodenhausen den Besitz gekauft. Sie wurden wiederum durch die Familie Riedesel abgelöst, denn erst hatte Bodo von Bodenhausen 1684 Amönau seinem Vetter Moritz von Bodenhausen und dessen Sohn Johann Wolf abgekauft, davor hatte seine eigene Tochter Maria von Bodenhausen 1680 Georg Riedesel von Eisenbach geheiratet. Im Jahre 1687 verkaufte Bodo von Bodenhausen den Herrensitz an seinen Schwiegersohn. Nach den von Riedesel kamen die von Baumbach, und die jetzigen Besitzer sind Daniela von Baumbach und ihr Mann Joachim von Biedenfeld.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Ortsseite:
http://www.amoenau.de/ - Chronik von Amönau: http://www.amoenau.de/contents/chronik.htm
G. U. Großmann, Renaissance-Schlösser in Hessen -
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/002_Amoenau_Schloss.xml

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