Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1375
Bensheim (Kreis Bergstraße)

Der Wambolt-Hof in Bensheim

Der im Herzen der Innenstadt und Fußgängerzone von Bensheim gelegene Wambolt-Hof (Am Wambolterhof 8), ein zweiflügeliger Adelshof, mit einem verputzten und einem freigelegten Fachwerk-Flügel, ist im Jahre 1733 von Franz Philipp Caspar Freiherr Wambolt v. Umstadt (18.8.1693 - 13.6.1748) erbaut worden, damals in der Nähe der ehemaligen Stadtmauer. Der Bauherr, kurtrierischer und kurmainzischer Geheimer Rat, Generalfeldzeugmeister und Kommandant der Festung Ehrenbreitstein in Diensten der Trierer Fürstbischöfe, war der Sohn von Friedrich Heinrich Freiherr Wambolt v. Umstadt aus Groß-Umstadt (15.7.1628 - 14.12.1688) und Maria Eva Freiin v. Hoheneck (geb. 22.5.1655). Die Frau des Bauherren war die aus Trier stammende Maria Charlotta Freiin v. Kesselstatt (1693 - 3.3.1757), Tochter von Casimir Friedrich Freiherr v. Kesselstatt (4.6.1664 - 17.3.1729) und Anna Maria Klara Freiin v. Metternich-Burscheid (14.3.1662 - 21.11.1719). Das Hauptportal befindet sich asymmetrisch an der Ostseite, auf der Rückseite des im Bild links befindlichen Flügels, und es ist mit dem unten abgebildeten Allianzwappen geschmückt. Beide Eheleute hatten einen einzigen Sohn, Philipp Franz Carl Joseph Anton Freiherr Wambold v. Umstadt (27.7.1732 - 25.5.1806), vermählt mit Marie Charlotte (Caroline) Magdalena Freiin v. Hutten zum Stolzenberg (28.3.1739 - 10.4.1803). Das Anwesen wird heute als Wohn- und Geschäftshaus sowie als Café genutzt.

Der auf 1743 datierte Wappenstein führt zwei ovale Wappenschilde in im Stile des Rokoko verzierten Kartuschen unter einer goldenen Krone zusammen. Das Ehewappen wird flankiert von zwei Schildhaltern, heraldisch rechts der Hund entstammt dem Wambolt-Wappen und wird von diesen wachsend als Helmzier geführt, der Drache heraldisch links entstammt dem Kesselstatt-Wappen, auch dieser Drache wird als Helmzier und im Schild geführt.

Wappen der Wambolt (Wambold) von Umbstatt (Umstadt, Umstatt): Von Schwarz und Silber geteilt mit drei nebeneinanderstehenden Wecken (Rauten) in verwechselten Farben. Die zugehörige, hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein silberner Brackenkopf mit schwarzen Ohrlappen und goldenem Halsband. Helmdecken schwarz-silbern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: He Seite: 29 Tafel: 33, Band: Bad Seite: 25 Tafel: 17, Band: BraA Seite: 102 Tafel: 62, Band: Bay Seite: 62 Tafel: 66, sowie bei Zobel Tafel 343. Die Wambolt von Umbstatt sind rheinischer Uradel, ihr Freiherrenbrief datiert von 1664.

Wappen der von Kesselstatt: Ein Herzschild Kesselstatt liegt auf dem Wappen Orsbeck: Hauptschild: In Gold ein rotes Schragenkreuz, bewinkelt von vier grünen rund ausgeschnittenen Seeblättern (Orsbeck), Herzschild: in Silber ein roter Drache (Kesselstatt). Die zugehörige, hier nicht dargestellte Kesselstatt-Helmzier wäre der Drache wachsend. Helmdecken rot-silbern. Besitz und Wappen von Orsbeck kamen durch Erbschaft an das Haus Kesselstatt, nachdem das Geschlecht der Freiherren von Orsbeck mit dem Trierer Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck (gest. 1711, Onkel von Reichsfreiherr Kasimir Friedrich von Kesselstatt) ausgestorben war. Verwandt wurden diese beiden Adelsgeschlechter durch die Heirat zwischen Freiherr Johann Eberhard von Kesselstatt und Freiin Anna Antoinette von Orsbeck, der ältesten Schwester des Kurfürsten. Hugo von Orsbeck verfügte in seinem Testament, daß das Wappen seines Hauses Orsbeck mit dem des Hauses von Kesselstatt vereint werden sollte.

Einst waren noch mehr Wappen am Gebäude zu finden, an einem einst im Norden stehenden, im Krieg beschädigten und später abgerissenen Turm war sowohl ein Allianzwappen von 1659 Wambolt/Schönborn und und ein zweiter aus dem Jahr 1899 Wambolt/Eltz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Informationstafel am Gebäude
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Kulturdenkmäler in Hessen:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=525&event=Query.Details

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