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Bernhard
Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 1390
Nürnberg (Mittelfranken)
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St.
Sebald in Nürnberg, Glasfenster (4)
Kaiser-Fenster
Das sog. Kaiser-Fenster bildet den östlichen Abschluß des polygonalen Chores von St. Sebald. Das Chorhaupt war der wichtigste Platz und deshalb im Bildprogramm der höchsten weltlichen Autorität im Heiligen Römischen Reich vorbehalten. Flankiert wird dieses Fenster von dem des Bamberger Bischofs im Norden und dem des Hauses Hohenzollern, dem die Nürnberger Burggrafen entstammen, im Süden, so daß die drei das politische Gerüst bilden, auf das der Blick aller Kirchenbesucher in gerader Linie fällt. Der Entwurf zu diesem 1514 angefertigten Fenster stammt von Albrecht Dürer und seinem Schüler Hans Süß von Kulmbach, die Ausführung oblag Veit Hirsvogel d. Ä. und seiner Werkstatt. Diese wichtige Fensterposition war vorher mitnichten leer, die kaiserliche Stiftung von Maximilian I. (22.3.1459 - 12.1.1519) ersetzte ein älteres Fenster, eine Stiftung von König Wenzel von Böhmen aus dem Jahre 1379, wovon sich nur minimale Reste erhalten haben. Die Ausführung folgt jedoch nicht genau dem in Teilen im Berliner Kupferstichkabinett erhaltenen Vorentwurf, der sich stilistisch an das Fenster des Bamberger Bischofs anlehnt.

Das ganze Fenster besteht aus vier Scheiben in einer Reihe und 9 Reihen übereinander, wobei in der obersten Zone ein tonnengewölbter Abschluß ist, der in den oberen Ecken und darüber farbloses Glas hat. In der untersten Zone befindet sich die MAXIMILIANVS CHRISTIANORVM IMPERATOR nennende Stifterinschrift mit der Datierung auf MCCCCCXIIII = 1514. Im folgenden werden die einzelnen Felder von unten nach oben, in jeder Zeile von links nach rechts besprochen. Insgesamt haben wir 16 Wappen, unten und oben jeweils eine volle Viererreihe bildend, in den vier Zonen dazwischen jeweils zwei Personendarstellungen flankierend.

1. Feld: Königreich León, in Silber ein purpurner, golden gekrönter Löwe. 2. Feld: Königreich Granada: in Silber ein grüner Granatapfel mit grünen Blättern und sichtbaren, roten Kernen. Feld 3: Königreich Neapel: hier neunmal silbern-rot gespalten, nicht ganz korrekt, das müßten in Gold vier rote Pfähle der Aragonesen sein.

Feld 4: Königreich Sizilien, schräggeviert, oben und unten in Gold vier rote Pfähle, rechts und links in Silber ein schwarzer Adler. Feld 5: Wappen Philipps des Schönen, geteilt und dreimal gespalten, Feld 1 und 8: in Rot ein goldenes Kastell, dreitürmig und mit Tor, Königreich Kastilien, Feld 2 und 7: in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, Feld 3: der gekrönte rote Löwe des Königreichs León in silbernem Feld, Feld 4: in Blau drei (2:1) goldene Lilien, das ist nicht ganz korrekt, richtig wäre innerhalb eines rot-silbernen Stückbordes in Blau drei (2:1) goldene Lilien, Touraine, Neu-Burgund, Feld 5: Königreich Granada: in Silber ein grüner Granatapfel mit grünen Blättern, Feld 6: innerhalb eines roten Schildbordes fünfmal von Gold und Blau schrägrechts geteilt, Herzogtum Burgund, Altburgund. Feld 6: Philipp von Habsburg gen. der Schöne (22.07.1478 - 25.09.1506), Herzog von Burgund, erster habsburgischer König von Spanien und Herrscher über Kastilien, León und Granada. Philipp war der Sohn des Stifters aus der Ehe mit Maria Herzogin von Burgund.

Feld 7: Johanna von Kastilien, genannt Johanna die Wahnsinnige (Juana Reyna de Castilla y de Aragón, 6.11.1479 - 1555). Sie war die Frau des in Feld 6 dargestellten Philipp. Ihrer beider Söhne waren die späteren Kaiser Karl V. (24.2.1500 - 21.9.1558) und Ferdinand I. (10.3.1503 - 1564). Feld 8: Wappen von Johanna von Kastilien. Sie war die Tochter von Fernando V. Rey de Castilla, de Leon, de Aragón, de Valencia, de Mallorca, de Navarra Re di Napoli (10.3.1452 - 23.1.1516) und von Isabel Reina de Castilla y Leon (22.4.1451 - 26.11.1504), den katholischen Königen Ferdinand und Isabella. Deshalb vereinigt sie die gesamten spanischen Königreiche in ihrem Wappen. Es ist geteilt und dreimal gespalten mit zwischen 6 und 7 eingepfropfter Spitze. Feld 1 und 8: in Rot ein goldener Zinnenturm mit Tor, Königreich Kastilien, Feld 2 und 7:der gekrönte rote Löwe des Königreichs León in silbernem Feld, Feld 3 und 6: Königreich Aragon, in Gold vier rote Pfähle (hier fehlt am Rand eine goldene Zone), Feld 4 und 5: Königreich Sizilien, schräggeviert, oben und unten in Gold vier rote Pfähle, rechts und links in Silber ein schwarzer Adler, eingepfropfte Spitze: Königreich Granada: in Silber ein grüner Granatapfel mit grünen Blättern. Feld 9: der doppelköpfige schwarze, golden nimbierte Adler des Heiligen Römischen Reiches in goldenem Feld, auf der Brust belegt mit dem österreichisch-burgundischen Schild.

Feld 10: Kaiser Maximilian I als Stifter (22.3.1459 - 12.1.1519), mit glattem, halblangem Haar, Kaiserkrone, über die Schulter gelegtem Zepter und Schwert. Feld 11: Maria von Burgund, seine Frau (1457 - 27.3.1482), Tochter von Charles Duc de Bourgogne (10.11.1433 - 5.1.1477) und Isabelle de Bourbon (1436 - 25.9.1465). Zum Zeitpunkt der Fensterherstellung lebte sie schon lange nicht mehr. Feld 12: Habsburg-Burgund: Geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, Feld 2 und 3: innerhalb eines roten Schildbordes eigentlich fünfmal von Gold und Blau schrägrechts geteilt (in Feld 4 eine Teilung mehr, fängt zudem jeweils entgegen der üblichen Reihenfolge mit der Farbe Blau an), Herzogtum Burgund, Altburgund. Darüber ein roter, silbern gestulpter Hut. Hier wird auch deutlich, daß hinter den äußeren Wappen jeweils eine Säule ist, die das Gebälk der jeweiligen Reihe trägt, was dem ganzen Fenster den Charakter einer integrierten Scheinarchitektur gibt. Dies ist eine der hauptsächlichen Änderungen gegenüber dem noch spätgotischer Art verhafteten Erst-Konzept Dürers und seines Schülers mit Astwerkrahmen, was wohl als altertümlich in dieser Zeit des künstlerischen Aufbruchs empfunden wurde und vom Auftraggeber abgelehnt wurde.

Feld 13: siebenmal von Silber und Rot geteilt, üblicherweise Farbreihenfolge umgekehrt, Königreich Ungarn, Alt-Ungarn. Feld 14: Der Heilige Jakobus. Feld 15: Der Heilige Georg als Drachentöter.

Feld 16: Herzogtum Kärnten, gespalten, rechts in Gold drei schwarze, rot bewehrte, schreitende Löwen übereinander, links in Rot ein silberner Balken. Feld 17: in Blau drei (2:1) hersehende, gekrönte Löwenhäupter, Königreich Dalmatien. Feld 18: Der Heilige Andreas mit Buch und Andreaskreuz.

Feld 19: Der heilige Leopold, in Rüstung mit einer Kirche auf der linken Hand und einer Fahne mit goldenen Adlern auf blauem Grund (vgl. Wappen von Altösterreich, Niederösterreich, in Blau 5 (2:2:1) gestellte goldene Adler). Feld 20: in Silber ein golden gekrönter und ebenso bewehrter roter Adler mit goldenen Kleestengeln, gefürstete Grafschaft Tirol. Feld 21: silbern-rot geschacht, Königreich Kroatien.

Feld 22: in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich. Feld 23: in Grün ein silbernes Pantier (Panther), aus dessen Rachen und Ohren rote Flammen züngeln, Herzogtum Steiermark. Feld 24: in Gold ein schwarzer, rot bewehrter und ebenso gezungter Löwe, Details fehlen hier, Grafschaft Flandern.
Dieses Bildprogramm umfaßt also die Stifterfamilie und alle erworbenen Reiche und wird damit zur Demonstration von Herrschaft und Herrschaftsanspruch. Zur politischen Demonstration wird es durch die Aufnahme von Wappen aus ganz Europa, von Granada bis Ungarn, von Sizilien bis Flandern, ein gigantisches Ergebnis erfolgreicher Heiratspolitik der Habsburger. Durch die Aufnahme von Sohn und Schwiegertochter wird es zugleich zum Anspruch auf zukünftige Herrschaft. Und alles wird durch die Aufnahme der vier Heiligen zur gottgewollten Ordnung, insgesamt ist dieses Fenster eine gigantische Regierungserklärung des Kaisers.
Literatur,
Links und Quellen:
Veröffentlichung der
Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von
Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr
vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich
gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher
Hartmut Scholz, St. Sebald in Nürnberg, Meisterwerke der
Glasmalerei, Band 3, Verlag Schnell Steiner GmbH Regensburg 2007,
ISBN 978-3-7954-1846-5
St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/
3D-Panorama St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/fileadmin/Bildmaterial/Atuelles/Sebalduskirche_02c.mov
Baugeschichte St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=17 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=68 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=69 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=70 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=71 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=72 etc.
Virtueller Rundgang St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=16
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf
CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
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St. Sebald: Rundscheiben im Muffel-Fenster - St. Sebald: Rundscheiben in den südlichen Fenstern - St. Sebald: Eisvogel-Fürer-Fenster - St. Sebald: Kaiser-Fenster - St. Sebald: Bamberger Fenster - St. Sebald: Haller-Fenster im Chor - St. Sebald: Haller-Fenster im Langhaus - St. Sebald: Markgrafen-Fenster - St. Sebald: Holzschuher-Fenster - St. Sebald: Behaim-Fenster - St. Sebald: Behaim-Stammbaum - St. Sebald: Grabner-/Paumgärtner-Fenster - St. Sebald: Stromer-Fenster - St. Sebald: Volckamer-Fenster - St. Sebald: Konsol-Wappen - St. Sebald: Totenschilde - St. Sebald: Pömer-Fenster - St. Sebald: Wappenscheiben in der Südturmhalle - St. Sebald: einzelne Wappenscheiben - St. Sebald: Schürstab-Fenster - St. Sebald: Grundherr-Fenster - St. Sebald: Pfinzing-Fenster
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