Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1391
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Sebald in Nürnberg, Glasfenster (5)
Bamberger Fenster

Das sog. Fenster der Bamberger Bischöfe ist Teil des polygonalen Chores von St. Sebald. Es mißt 15 m Höhe und 2 m Breite und befindet sich gleich anschließend an das Chorhaupt mit dem Kaiserfenster im Norden desselben und bildet gemeinsam mit diesem und dem auf der anderen Seite eingebauten Markgrafenfenster eine programmatische Einheit. Der Entwurf zu diesem 1501/02 angefertigten Fenster stammt von Albrecht Dürer, die Ausführung oblag Veit Hirsvogel d. Ä. und seiner Werkstatt. Eine so wichtige Stelle im Fensterprogramm, die praktisch direkt im Blickfeld der in der Kirche versammelten Gläubigen lag, hatte natürlich vorher schon einen bildlichen Inhalt, und an diese Stifter wird in der dritten Reihe von unten erinnert. Das neue Fenster besteht aus 4 x 4 = 16 Feldern. Die bildhafte Gestaltung setzt also auf der dritten Zeile an und reicht bis in die sechste Zeile hoch. In den oberen Zonen sind nachmittelalterliche Rundscheiben, die nach dem Zweiten Weltkrieg hierhin versetzt wurden; sie gehören nicht zur ursprünglichen Komposition.

Die oberste Reihe besteht nur aus filigranen spätgotischen Baldachinen, jeweils von zwei randständigen Fialen begrenzt, die beiden mittleren Baldachine sind golden, die beiden äußeren silbern. Beide Typen sind unterschiedlich gestaltet, die mittleren enden in je drei Fialen, wobei die mittlere tiefer sitzt, die äußeren in nur einer zentralen Fiale. Die mittleren Konstruktionen bauen auf einem geschweiften Eselsrückenbogen auf, die äußeren auf dem Spitzbogenmotiv. Florales Rankenwerk verdichtet die Abschlüsse zu einem ästhetisch geordneten Formendickicht.

In den drei Reihen darunter werden vier Bischöfe mit ihren Wappen dargestellt, zwei in der dritten Reihe von unten und zwei in der untersten Reihe. Hier sind die beiden Bischöfe aus der zweiten Reihe von oben abgebildet. Beide Bischofsdarstellungen sind unter Angabe des Beginns ihrer Regierung beschriftet. Stifter des Vorgängerfensters war Lambert von Brunn (auf dem Sockelstreifen steht in gotischen Minuskeln: "lamp(er)tus ep(iscopu)s ba(m)be(r)g(e)n(sis)"), Bischof von Bamberg 1374-1398, zuvor ab 1354 Abt des Klosters Gengenbach im Schwarzwald, Bischof von Brixen 1363-1364, Bischof von Speyer 1364-1371 und Bischof von Straßburg 1371-1374. Er war ratgeber des Kaisers Karl IV. und König Wenzels. Er war es, der die Chorweihe 1379 in St. Sebald durchführte und die erste Fensterstiftung vornahm. Und auch im neuen Fenster von 1501/02 erinnert in der dritten Reihe von unten ein Feld an ihn (Abb. oben links), in dem er betend in Bischofsornat mit seinem Wappenschild abgebildet ist, von einem Assistenten begleitet. Der Wappenschild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Feld 2 und 3: in Silber eine mit der Biegung nach oben gestellte, rote Fischangel.

Das Pendant auf der rechten Seite der dritte Reihe (Abb. oben rechts) ist das Wappen des Bischofs Philipp von Henneberg (amtierte 1475-1487), geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste (Hochstift Bamberg), Feld 2: in Rot eine goldgekrönte silberne Säule (Colonna), Feld 3: in Gold auf eigentlich grünem, hier schwarzem Dreiberg eine schwarze Henne, eigentlich mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, was hier aber nicht aufgelöst ist (Grafschaft Henneberg). Die Inschrift auf dem Sockelstreifen in gotischen Minuskeln lautet hier "Philippus ep(iscopu)s ba(m)be(r)g(e)n(sis) 1475". Auch dieser Bischof wird von einem Assistenten begleitet. Beide Bischöfe knien in Adorantenhaltung und sind dem Kaiserpaar zugewandt.

Diese beiden Bischöfe besetzen die beiden äußeren Plätze der zweiten Reihe von oben. Die beiden mittleren Plätze zeigen die Stifter des Bistums Bamberg, Kaiser Heinrich und seine Frau Kunigunde, ein über zwei Fenstereinheiten sich erstreckendes Modell des Bamberger Domes haltend. In der dritten Abbildung als Detailvergrößerung Heinrichs Gesicht, die herausragende künstlerische Qualität der Malereien zeigend.

In der untersten Reihe werden wiederum zwei Bischöfe mit ihren Wappen dargestellt, die beiden Wappenscheiben werden innen, die beiden Bischöfe als Person in den äußeren Feldern dieser Reihe abgebildet. Beide Bischofsdarstellungen sind unter Angabe des Beginns ihrer Regierung beschriftet. Das optisch linke Wappen ist geviert und gehört zu Heinrich III. (auf dem Sockelstreifel steht in stark abgekürzten gotischen Minuskeln "Heinric(us) ep(iscopu)s Ba(m)berg(e)n(sis) 1487") Groß von Trockau (amtierte 15.7.1487-30.3.1501). Der in ein großflächig damasziertes Pluviale gehüllte Bischof wird von seinem Zeremoniar begleitet. Im einzelnen ist das Wappen wie folgt aufgebaut: Feld 1: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste (Hochstift Bamberg, gewendet), Feld 2: silbern-blau gespalten, darüber ein roter Balken (Groß von Trockau), Feld 3: in Blau ein silberner Löwe über einem silbernen Adler (einwärts gewendet). Das ist eine hochinteressante Komponente, denn das ist das alte Motiv der Andechs-Meranier. Ein Vergleichswappen der Andechs-Meranier ist z. B. im Wappenbuch des churbayrischen Adels, Bayerische Staatsbibliothek, BSB Cgm 1508, in anderer Tinktur abgebildet: In Blau ein goldener, schreitender Löwe über einem goldenen Adler. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein sitzender goldener, golden gekrönter Löwe zwischen einem blauen Flug. Die Grafen von Andechs, seit 1180 Herzöge von Meranien, die 1248 ausstarben, waren einst das mächtigste Geschlecht des Bistums Bamberg. Die Herzöge von Meran übten bis zu ihrem Erlöschen im Jahre 1248 das kaiserliche Landrecht und die Grafengewalt im geistlichen Fürstentum aus. Mit Bamberg war die Familie der Andechs-Meranier eng verbunden, drei Familienmitglieder der Andechser gelangten auf den Bamberger Bischofsstuhl: Otto II., Eckbert, Poppo. Feld 4: gespalten, rechts in Gold drei schwarze, rot bewehrte, schreitende Löwen übereinander, links in Rot ein silberner Balken (Kärnten). Die bambergischen Herrschaftsgebiete in Kärnten wurden erst 1759 verkauft. Das Auftauchen der Felder 3 und 4 gehört nicht zum regulären Programm bambergischer Bischofswappen. Das Wappen besitzt zwei Helme: Helm 1 (rechts): ein rundes, goldenes, ringsum pfauenfederbestecktes Schirmbrett, auf dem sich der schwarze Löwe mit der silbernen Schrägrechtsleiste vom Schildbild wiederholt (Hochstift Bamberg). Helmdecken schwarz-golden. Helm 2 (links): zwei Büffelhörner, eigentlich in den Schildfarben, hier beide rot, außen besteckt mit silbernen Federn. Helmdecken rot-silbern (Groß von Trockau).

Das optisch rechte Wappen ist identisch aufgebaut und gehört zu Veit I. (Inschrift: "Vitus ep(iscopu)s bambe(r)g(e)n(sis) 1501") Truchseß von Pommersfelden (regierte 18.7.1501-7.9.1503). Lediglich Feld 2 ist ausgetauscht und zeigt in Silber einen blauen Löwen, golden gekrönt, belegt mit zwei roten (hier abweichend schwarzen) Balken (Truchseß von Pommersfelden), und natürlich der zugehörige Helm 2 (links): ein blauer Löwe wachsend, golden gekrönt, belegt mit zwei (hier nur einer sichtbar) roten Balken. Helmdecken blau-silbern. Dieser nur ganz kurz regierende Fürstbischof war es, der die Neustiftung vornahm und die ältere Fensterstiftung ersetzte. Auch dieser Bischof wird von einem Zeremoniar begleitet, der mit einem Folianten unter dem Arm hinter dem knienden Bischof steht.

In der zweituntersten Reihe werden die Heiligen des Bamberger Domes, Kilian (ganz links, mit Bischofsmütze, Krummstab und Schwert, Franken-Patron), Georg (ganz rechts, als Gerüsteter, der Drache sich zu seinen Füßen krümmend), Petrus (zweiter von links, mit Tiara, Schlüssel und Vortragekreuz, Patron des Bamberger Doms) und Paulus (zweiter von rechts, sich auf ein Schwert stützend, Kennzeichen des Märtyrertodes durch Enthauptung) abgebildet.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus St. Sebald mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Dr. Axel Töllner und Herrn Pfarrer Gerhard Schorr vom 12.7.2010, wofür ihnen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Hartmut Scholz, St. Sebald in Nürnberg, Meisterwerke der Glasmalerei, Band 3, Verlag Schnell Steiner GmbH Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1846-5
St. Sebald: http://www.sebalduskirche.de/
3D-Panorama St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/fileadmin/Bildmaterial/Atuelles/Sebalduskirche_02c.mov
Baugeschichte St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=17 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=68 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=69 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=70 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=71 - http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=72 etc.
Virtueller Rundgang St. Sebald:
http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=16
Hartmut Scholz: Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. X, 2, die mittelalterlichen Glasmalereien in Nürnberg, St. Sebalder Stadtseite, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2013, 712 S., ISBN 978-3-87157-236-4, S. 213 ff,
http://www.corpusvitrearum.de/projekt/publikationen/cvma-x-2.html, pdf: http://www.corpusvitrearum.de/fileadmin/user_upload/PDF/CVMA_X_2_Nuerrnberg_Sebalder_Stadtseite.pdf

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