Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1422
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Lorenz in Nürnberg (8)
Fenster mit Patrizierwappen auf der Südseite, 3. Teil

Hier wird der dritte Teil der Rechteck-Scheiben des sechsten (von Westen gezählt) Fensters im südlichen Langhaus-Seitenschiff vorgestellt, mit Scheiben aus der vierten und der fünften Reihe. Im Bild sind die genannten Reihen des Fensters im Zusammenhang, wegen des Maßwerks nicht sechs, sondern nur vier resp. zwei Rechteckscheiben enthaltend, die im folgenden einzeln vorgestellt werden, umgeben von kleineren Schilden und Rundscheiben, die bis ins Maßwerk gehen. Je höher wir in diesem Fenster kommen, desto jünger werden die Scheiben, so daß sich der stilistische Wandel gut nachvollziehen läßt.

Abb. unten links: 4. Reihe des Fensters, 1. Scheibe von links: Gewendetes Wappen der Tucher (Tucher von Simmelsdorf), geteilt, oben von Silber und Schwarz fünfmal schräggeteilt, unten in Gold ein schwarzer Mohrenkopf, Motive gewendet. Auf dem Helm mit golden-schwarzen Decken ein wachsender, golden gekleideter Mohrenrumpf, anstelle der Arme zwei silbern-schwarz-golden zweimal geteilte Büffelhörner (Schöler Tafel 124, Siebmacher Band: Bay, Seite: 61, Tafel: 65). Diese 1591 in der Werkstatt von Hans Stain entstandene Scheibe befand sich einst im dritten (von Westen gezählten) Fenster des südlichen Seitenschiffs der Spitalkirche. Die Darstellungsweise ist bewußt historisierend. Das Wappen ist aus Courtoisie linksgewendet. In einer Illustration aus dem 18. Jh., die das Fenster im Originalkontext in der Spitalkirche abbildet, ist zu sehen, daß die Scheibe einst einen Beischild Valzner in der unteren rechten Ecke hatte, der bei einer Restaurierung verlorenging. Damit ließe sich die Scheibe Hans II. Tucher (gest. 1449) und Hedwig Valzner zuordnen, die 1409 geheiratet hatten. Aufgrund des Datums handelt es sich um eine Gedächtnisstiftung.

Abb. oben rechts: 4. Reihe des Fensters, 2. Scheibe von links: Wappen der Familie Paumgartner, von Silber und Schwarz geteilt, oben ein rot bewehrter grüner Sittich mit rotem Halsband, unten eine silberne Lilie. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine silberne Lilie, auf der der grüne Sittich sitzt. Der Beischild verweist auf die Familie Oertel, eigentlich silbern-rot mit einer Gegenschrägzinne schräggeteilt, hier spiegelbildlich im Vergleich zur üblichen Darstellung. Diese Kombination läßt sich namentlich zuordnen: Der Ratsherr Hieronymus II. Paumgartner (1538-1602) hatte 1564 Klara Oertel geheiratet. Hieronymus II. war übrigens 1590-1602 Vorderster Losunger. Die exquisit erhaltene Scheibe aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. enthält nur im rechten unteren Eck des Sockels neue Substanz.

Abb. links: 4. Reihe des Fensters, 2. Scheibe von rechts: Ein zweites Tucher-Wappen, Beschreibung wie oben. Ein Behaim-Beischild, von Rot und Silber gespalten, belegt mit einem schräglinken schwarzen Wellenbalken, könnte die Scheibe als Gedächtnisstiftung für die Stammeltern sowohl der älteren als auch der jüngeren Tucher-Linie, also aller zeitgenössischen Tucher, ausweisen, Hans I. Tucher (1368-1425) und seine 1385 geehelichte Frau Anna Behaim. Beide sind die Eltern des oben erwähnten Hans II. Tucher. Stilistisch ist die Scheibe freilich deutlich später anzusetzen. Diese 1591 in der Werkstatt von Hans Stain entstandene Scheibe befand sich einst im dritten (von Westen gezählten) Fenster des südlichen Seitenschiffs der Spitalkirche. Die Darstellungsweise ist bewußt historisierend. Aufgrund des Datums handelt es sich um eine Gedächtnisstiftung.

Abb. rechts: 4. Reihe des Fensters, Scheibe ganz rechts: Ein weiteres Tucher-Wappen, stilistisch ebenfalls spätes 16. Jh. wie die ganze vierte Reihe des Fensters 1591 in der Werkstatt von Hans Stain entstanden.

Abb. links: 5. Reihe des Fensters, Scheibe links: Gewendetes Wappen der Familie Oelhafen (Oelhafen von Schöllenbach), die in Blau einen goldenen Löwen führen, der ein ebensolches Henkelgefäß (Ölgefäß!) trägt. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der goldene Löwe mit dem Henkelgefäß wachsend. Die ursprüngliche Helmzier der Oelhafen war der Ölkessel zwischen einem Paar Büffelhörner, 1489 wurde das Wappen verbessert, und der den Kessel haltende Löwe kam auf den Helm (Siebmacher Band: Bay Seite: 100 Tafel: 121). 1501 und 1621 folgten weitere Wappenbesserungen. Das Fenster entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jh.

Abb. rechts: 5. Reihe des Fensters, Scheibe rechts: Wappen der Held gen. Hagelsheimer bzw. Held von Hagelsheim, in Schwarz ein silberner Schrägbalken, mit einem nach der Figur gelegten roten Pfeil belegt (Schöler S. 56, Tafel 148, Siebmacher Band: SchlA3 Seite: 85 Tafel: 53, vgl. auch Band: Pr Seite: 163 Tafel: 212). Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender, schwarzer, mit dem Schildbild belegter Brackenrumpf, hier so gestaltet, daß aus dem Schrägbalken ein Pfahl geworden ist, in dem auch der Pfeil aufrecht steht. Das Fenster entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jh. Auch wenn die beiden Scheiben stilistisch zusammen passen, gibt es keine nachweisbare Heiratsverbindung zwischen beiden Familien, die einen inhaltlichen Kontext beider Fenster entstehen lassen.

Die verbleibenden Flächen des Fensters enthalten viele kleine runde Wappendarstellungen, darunter die der Familien Tucher, Groland, Kreß, Waldstromer, Koler, Oertel, Held, Tetzel etc. Im einzelnen sehen wir folgende Kombinationen:

Literatur, Links und Quellen:
St. Lorenz, Nürnberg: http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/
Kunst in St. Lorenz:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/index.php.....=147
St. Lorenz, Nürnberg:
http://www.nuernberginfos.de/kirchen-nuernberg/lorenzkirche-nuernberg.html
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum von St. Lorenz in Nürnberg mit freundlicher Genehmigung von Herrn Marco Popp, Lorenzer Archiv,
wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Veit Funk, Glasfensterkunst in St. Lorenz, Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1995, ISBN 3-87191-200-X
Hartmut Scholz: Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. X, 2, die mittelalterlichen Glasmalereien in Nürnberg, St. Sebalder Stadtseite, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2013, 712 S., ISBN 978-3-87157-236-4, S. 460 ff.,
http://www.corpusvitrearum.de/projekt/publikationen/cvma-x-2.html, pdf: http://www.corpusvitrearum.de/fileadmin/user_upload/PDF/CVMA_X_2_Nuerrnberg_Sebalder_Stadtseite.pdf

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