Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1439
Nürnberg (Mittelfranken)

Häuser in Nürnberg: Pilatushaus

In der Obere Schmiedgasse 66 in der Nähe des Tiergärtnertors befindet sich inmitten historischer Bürgerhäuser und vis-à-vis vom Dürerhaus das "Haus zum geharnischten Mann", besser als "Pilatushaus" bekannt. Auf einem Sandsteinsockelgeschoß erheben sich drei Fachwerkobergeschosse, und darüber ein steiles Dach mit hohem, dem Tiergärtnertorplatz zugewandtem Giebel mit einem achteckigen Spitzerker mit polygonalem Dach an der Spitze. Den ersten Namen trägt das Haus nach der Eckfigur, einem geharnischten St. Georg, welcher das Handwerker-Zeichen des hier wohnhaften und tätigen Plattners (Schmied von Harnischen und Rüstungen) Hans Grünewald war, der das Haus im Jahre 1489 errichten ließ. Den zweiten Namen trägt das Haus seit dem 17. Jh. nach der unrichtigen Annahme, das Gebäude sei Ausgangspunkt des vom Bildhauer Adam Kraft geschaffenen Kreuzweges zum Johannisfriedhof. Nach dem Plattnermeister kaufte der Bildhauer Veit Wirsberger 1507 das Haus. Der erwähnte Giebel mit Dachaufsatz stammt aus dem 16. Jh. Heute wird das historische Gebäude, das durch den Rhythmus seiner Ständerkonstruktion inmitten des malerischen Ensembles alter Bürgerhäuser besticht, für Wechselausstellungen genutzt, überwiegend moderner Kunst, Eigentümer ist seit 1931 die Stadt, und zeitweise hatte hier der Kunstverein Nürnberg seinen Sitz.

Über dem Haupteingang in die Erdgeschoßhalle befindet sich ein geneigter Wappenschild der von Aufseß: In Blau ein silberner Balken, belegt mit einer roten Rose. Die hier nicht dargestellte Helmzier bestünde aus einem Pfauenstoß oder Pfauenwedel zwischen zwei wie der Schild bez. Büffelhörnern zu blau-silbernen Helmdecken. Dieses Wappen stammt mitnichten aus der Erbauungszeit, sondern aus dem Jahre 1853. Und dennoch ist es das Wappen einer nicht nur lokalen Berühmtheit, denn von 1852 bis 1857 wohnte hier der Gründer und Ehrenpräsident des Germanischen Nationalmuseums, Hans Philipp Werner Christian Gottlob Franz Freiherr von und zu Aufseß, geb. 7.9.1801 in Aufseß in der Fränkischen Schweiz, gest. 6.5.1872 in Münsterlingen b. Konstanz, vermählt am 7.9.1824 in Obertürkheim mit Charlotte Freiin von Seckendorff (23.9.1804 - 5.8.1882). Ihre Söhne waren Hermann Rudolf Wilhelm Joseph Franz v. u. zu Aufseß (geb. 22.6.1837) und Friedrich Alexander Karl Valentin Joseph v. u. zu Aufseß (27.8.1843 - 23.12.1936). Hans von Aufseß war eigentlich aufgrund seines Erlanger Studiums Jurist und seit 1822 Doktor der Rechte, seine große Liebe gehörte aber den Altertümern. Wenige Jahre arbeitete er im Staatsdienst an den königlichen Landgerichten Bayreuth und Gräfenberg, zog sich dann aber aus dem öffentlichen Dienst zurück und widmete sich seiner Güterverwaltung und seinen historischen Studien. Er zog während des Revolutionsjahrs aus Sicherheitserwägungen 1848 nach Nürnberg, wo er wenige Jahre später eben dieses Haus erwarb. Die Idee eines Museums zur deutschen Geschichte war zwar schon älter, aber die Zeit war noch nicht reif, doch Hans von Aufseß bereitete die Eröffnung eines solchen Institutes seit 1846 unbeirrt vor. Am 17.8.1852 war der Tag der Stiftung dieses Museums durch eine Versammlung der deutschen Geschichts- und Altertumsforscher, und Hans von Aufseß war bis 1862 dessen erster Vorstand, und für dessen Erstausstattung stellte er sogar seine eigenen Sammlungen und seine Bibliothek zur Verfügung. Neben diesem Engagement war Hans von Aufseß korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Literatur, Links und Quellen:
Pilatushaus: http://www.historische-meile.nuernberg.de/deutsch/18.htm
Pilatushaus:
http://nuernberg.bayern-online.de/die-stadt/sehenswertes/pilatushaus/
Bach-Damaskinos: Pilatushaus. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8.
Hans von Aufseß: Artikel "Aufseß, Hans von" von Georg Wolfgang Karl Lochner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 655–658.
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Geschichte des Germanischen Nationalmuseums:
http://www.gnm.de/geschichte.html
Germanisches Nationalmuseum:
http://www.gnm.de/

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