Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1443
Nürnberg (Mittelfranken)

Nürnberg, Mauthalle

Eines der größten und monumentalsten historischen Gebäude in der Lorenzer Altstadt ist die 84 (!) m lange, 29 m hohe und 20 m breite Mauthalle am Hallplatz, auf dem vorletzten Stadtgraben nach Abriß innerer Befestigungen erbaut von dem Architekten Hans Beheim (gest. 1538, Beheim mit "e", nicht "die" Behaim) an der Wende vom 15. zum 16. Jh. als reichsstädtischer Salz- und Kornspeicher zwecks Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln im Belagerungs- und Krisenfall, ein Kornspeicher von insgesamt 12, aber der größte davon. Auf einem dreigeschossigen, mit einer dreischiffigen Säulenhalle unterkellerten Sandsteinbau erhebt sich ein gigantisches Satteldach mit weiteren fünf Ebenen. Der Name "Mauthalle" kommt daher, daß hier ab 1572 auch die Waage und das Zollamt (Maut = Zoll) untergebracht waren. 1898 wurde das Lagerhaus in ein Geschäftshaus umgewandelt. Nach Kriegszerstörung wurde die Mauthalle 1951-1953 wiederaufgebaut, weitgehend historisch korrekt, bis auf eine Vereinfachung, nämlich die an jeder Längsseite mittig angeordneten Fachwerkerker von sechs Geschossen Höhe wurden jetzt in Mauerwerk ausgeführt. Diese und die vielen übereinander angeordneten, jetzt verglasten Ladeluken an den Giebelseiten deuten auf die ehemalige Verwendung als Speicherhalle, desgleichen die großen Öffnungen an den Giebelseiten, die eine Befahrung mit Fuhrwerken erlaubte. Die seitlichen großen Öffnungen wurden weitaus später eingebaut. Besonders dekorativ ist die Flächengestaltung des Ostgiebels mit einem fischblasenmusterartigen Netz von sich überschneidenden Kielbögen aus Backsteinsetzungen.

Zweimal begegnen uns an der Mauthalle die Nürnberger Stadtwappen, sowohl an der West- als auch an der Ostseite, im Westen als Sandsteinarbeit ohne Farbfassung (Abb. oben), im Osten in Farbe (Abb. unten). Der optisch linke Schild zeigt jeweils das Große Nürnberger Stadtwappen, in Blau ein goldener Königsadler. Hier ist der Rumpf, der auch oft in weiblicher Form als Jungfrauenadler abgebildet wird und im Laufe der Geschichte erst männlich, dann weiblich, dann wieder männlich und heute eher neutral dargestellt wird, jeweils eindeutig auf der Brust vollständig gefiedert dargestellt, was der Interpretation als Königsadler entspricht. Der rechte Schild zeigt das Kleine Nürnberger Stadtwappen, gespalten, vorne in Gold ein halber, rotbewehrter und oft auch golden nimbierter (Nimbus fehlt hier) schwarzer Adler am Spalt, hinten von Rot und Silber fünfmal schräggeteilt.

Kunsthistorisch wertvoller ist freilich die Steinmetzarbeit über dem Ostportal, sie stammt vom Bildhauer Adam Kraft. Die Inschrift am Ostende des Gebäudes lautet: "An(n)o d(o)m(ini) 1498 ia(h)r an dem 26 nove(m)ber ward dyser pau (dieser Bau) angefangen Anno d(o)m(ini) 15.. (02) ia(h)r an dem ...... ward di(e)ser pau vol(l)pracht". In dieser typischen Kombination Nürnberger Stadtwappen, die uns vielerort als Trias begegnet, am Rathaus, an der Burg, an den Stadttoren, am Zeughaus, am Melanchthon-Gymnasium, in den Fenstern von St. Lorenz usw., ist stets der dritte Schild im Bunde der Adlerschild. Hier ist es der Adler des Heiligen Römischen Reiches, in Gold ein schwarzer, rotbewehrter Doppeladler. Am Westende ist ebenfalls eine Inschrift, die die Jahreszahlen 1897 und 1898 nennt, das ist das Jahr der baulichen Umwandlung in ein Kaufhaus.

Detail: Nürnberger Königsadler.

Literatur, Links und Quellen:
Mauthalle: http://nuernberg.bayern-online.de/die-stadt/sehenswertes/mauthalle/
Mauthalle:
http://www.baukunst-nuernberg.de/epoche.php?epoche=Gotik&objekt=Mauthalle
Mauthalle:
http://www.franken-wiki.de/index.php/Mauthalle
Denkschrift zum Wiederaufbau der Mauthalle Nürnberg, Nürnberg 1951
Mauthalle: http://www.historische-meile.nuernberg.de/deutsch/4.htm

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