Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1466
Nürnberg (Mittelfranken)

Nürnberg, St. Sebald, außen: Pömer-Wappentafel

An der Südseite befindet sich außen an St. Sebald neben dem figürlichen, älteren Epitaph von 1393/95 am südlichen Treppenturm ein jüngerer, inschriftsloser Stein, der in zwei Spalten acht Wappenschilde hat, davon die linke Spalte mit vier gleichen und die rechte Spalte mit vier verschiedenen Inhalten. Es handelt sich um einen Wappenstein der Familie Pömer, deren Grablege sich auf dem Kirchhof in unmittelbarer Nähe befand und deren Stammschild wir in der optisch linken Spalte viermal übereinander sehen, schrägrechts geteilt, oben von Silber und Rot oder von Rot und Silber dreimal schräggeteilt, unten Schwarz. Hier sind die Schilde komplett gewendet, deswegen verlaufen alle Teilungen in die andere Richtung. Die vier anderen Schilde gehören zu den jeweiligen Ehefrauen, und zur Aufklärung der Zusammenhänge seien zwei Stammbaum-Ausschnitte gezeigt.

Mehrere Angehörige aus zwei verschiedenen Linien werden hier gemeinsam repräsentiert, wobei die jeweils weiter oben im Stammbaum stehenden Mitglieder die ehrenvolleren oberen Plätze erhalten und deren Kinder die unteren, so daß zwischen jeder Zeile des Wappensteines im Stammbaum hin- und hergesprungen wird. Aus der älteren Linie hatte Hans I. Pömer (- 1464) im Jahre 1443 Brigitte Rummel (- 1457) geheiratet. Zu ihr gehört der oberste Schild der optisch rechten Spalte. Ihrer beider Sohn war Hektor I. Pömer (- 1499), 1482 Genannter des Größeren Rates und Alter Genannter des Kleineren Rates, 1483 jüngerer Bürgermeister und bis 1495 im Rat vertreten, der zweimal geheiratet hatte, erst 1461 Ursula Imhoff (-1490), die Tochter von Paul Imhoff, dann in zweiter Ehe 1490 Anna Schmidtmaier (- 1527). Zu diesen beiden Frauen gehört der dritte Schild der rechten Spalte.

Sebald II. Pömer (- 1483) war der Sohn von Sebald I. Pömer aus der jüngeren Linie, der wiederum ein Großcousin des oben erwähnten Hans I. Pömer (- 1464) war (die beiden Ausgangspersonen der Stammbaumausschnitte, Konrad und Friedrich I., waren Brüder). Sebald II., Stadt-, Blut- und Bannrichter der Reichsstadt, hatte Barbara Haller (- 1482) geheiratet (zu ihr gehört der zweite Schild von oben), und aus dieser Ehe entsproß Wolf II. Pömer (-1523), 1499 und 1502 jüngerer Bürgermeister im Rat, 1503 Stadt-, Blut- und Bannrichter der Reichsstadt, zum Ritter geschlagen nach seinen Erfolgen 1504 im Bayerischen Erbfolgekrieg, seit 1517 wieder im Rat als Alter Genannter und 1522 als älterer Bürgermeister. Wolf II. hatte 1498 Agnes Zollner gen. mit der Lilie (- 1521) geheiratet, welcher der unterste Schild gewidmet ist.

Abb. links: Zu Brigitte Rummel (- 1457) gehört der Wappenschild der Rummel von Lichtenau oder auch Rummel von Zandt und Lonnerstadt, in Gold zwei voneinander abgekehrte schwarze Hähne mit goldenem Kamm und ebensolchem Kehllappen Rücken an Rücken, die Füße gegen den Schildrand stemmend (Schöler Tafel 68, S. 90, Siebmacher Band: BayA3 Seite: 52 Tafel: 32). Abb. rechts: Zu Barbara Haller (- 1482) gehört der Wappenschild der Haller, in Rot ein schwarz gefüllter, schräger, linker, silberner Sturzsparren.

Abb. links: Der Schild ist schräggeteilt, um beide Ehefrauen darin unterbringen zu können. Üblicher ist in solchen Fällen eine Teilung, Spaltung oder ein geviertes Wappen, hier ist einfach die Aufteilung genommen worden, die am besten zu den Inhalten paßt, und da das Schmidtmaier-Wappen eine Schrägteilung hat, war das Aufgreifen dieser Richtung naheliegend, vor allem, weil sich der Imhoffsche Löwe gut in das verbleibende Dreieck einfügen ließ. Die obere Hälfte gehört also zu Ursula Imhoff (-1490), in Rot ein goldener See-Löwe mit einem über dem Kopf schwingenden Fischschwanz, auf dem linken Vorderbein stehend, das rechte vorwärts streckend. Die untere Hälfte gehört zu Anna Schmidtmaier (- 1527), in golden-rot schrägrechtsgeteiltem Schild drei auf die Teilungslinie schrägrechtsbalkenweise gelegte Rosen in verwechselten Farben (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 90 Tafel: 90).

Abb. rechts: Zu Agnes Zollner gen. mit der Lilie (- 1521) gehört der Wappenschild der Zollner, über grünem Dreiberg blau-golden gespalten, in jede Spalthälfte eine gestielte Lilie in Gegenfarbe wachsend (Schöler Tafel 49). Nicht dargestellt ist ein Wappen für Wolfs zweite Ehefrau, Ursula Sauerzapf (1497-1559).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.

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