Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1481
Nürnberg (Mittelfranken)

Heraldische Denkmäler auf dem Johannisfriedhof (1)

Der Nürnberger Johannisfriedhof ist eine der berühmtesten Begräbnisstätten und eine kulturgeschichtliche Stätte von Weltrang, nicht nur wegen der vielen hier liegenden Größen aus der Nürnberger Kunst und Geschichte (von Albrecht Dürer über Willibald Pirckheimer, Adam Kraft und Veit Stoß bis zu Anselm Feuerbach und Hans Sachs), sondern vor allem wegen der kunsthistorisch wertvollen und heraldisch interessanten Bronzebeschläge der Grablegen aus vier Jahrhunderten, mit den schönsten Beispielen aus Renaissance und Barock. Diese sind der Funktion nach Epitaphien, häufig Stammeltern und ihren Erben gemeinsam zugeordnet, oft schon zu Lebzeiten in Auftrag gegeben und nachher durch zusätzliche Inschriftentafeln nach dem eigentlichen Ableben ergänzt. Weit entfernt von einer lückenlosen Dokumentation des großen Areals, will diese Sammlung einen Querschnitt durch die reiche heraldische Kunst in Metallguß auf den Gräbern bieten, wo sich viele bekannte und weniger bekannte Wappen finden lassen.

Metallplatte 1: Die kreisförmig umlaufende Inschrift lautet: "1605 Des Erbarn Caspar Beittmüllers Goldschmids und seiner dreyen Ehewirtin, Eheleibliche Kinder und Nachkom(m)en Begrebtnus". Das Wappen Beitmüller wird beschrieben im Schöler, S. 30, Tafel 130, es fehlt im Siebmacher. Es zeigt einen gespaltenen Schild, rechts in Rot drei balkenweise gelegte, zweiarmige, silberne Mühleisen übereinander, links in Gold ein halbes schwarzes Mühlrad am Spalt, auf dem Helm ein Paar geteilter Büffelhörner. Damit ist das Wappen in seinen beiden Spalthälften redend. Die Mühleisen wie hier dargestellt, können übrigens nicht funktionieren, weil die Löcher eckig sein müssen. Eine runde Welle kann kein Mühlrad antreiben. Im Schöler ist das Wappen spiegelbildlich abgebildet.

Die drei unter dem Rund angebrachten Separatschilde sind beschriftet mit "Apolonia Köpplin" - "Ursula Hullerin (?)" - "An(n)a Bretschneider". Das Wappen Köppel zeigt in Gold auf einem Felsen einen schwarzen Hahn (Schöler Tafel 68, dort ohne den Felsen), hier einwärts gewendet. Das zweite Wappen zeigt auf einem Dreiberg einen aufspringenden Fuchs (Hinweise willkommen), und das dritte Wappen, das der Bretschneider, ist eine Hausmarke (Farben mir nicht bekannt).

Metallplatte 2: Die kreisförmig umlaufende Inschrift lautet: "Anno Domini 1522 Der Erbarn Hanns und Lienhard Strolims Begrebtnus." Es handelt sich also um zwei Brüder, deren Strolin-Wappen jeweils in den Feldern 1 und 4 des gevierten Schildes zu liegen kommt, während die anderen verbleibenden Felder von den Wappenbildern der Ehefrauen eingenommen werden. Das Wappen Strolin wird beschrieben im Schöler, Tafel 149, und es zeigt in goldenem Feld einen blauen, mit drei nach der Figur gelegten goldenen Pfeilspitzen belegten Schrägbalken (Schrägrechtsbalken). Im Siebmacher wird das Wappenbild unter "Strolitz" in Band: Bg7 Seite: 37 Tafel: 38 geführt. Feld 2 des gewendeten heraldisch rechten Schildes zeigt einen schräggestellten Stamm mit drei gestümmelten Ästen (oben 1, unten 2) und drei Lindenblättern (oben 2, unten 1), vermutlich Praun, Feld 3 ein Saiteninstrument (Geige, Fiedel, evtl. Familie Geiger, Schöler Tafel 152), Feld 2 des heraldisch linken Schildes einen Mannesrumpf, Feld 3 ist gespalten, vorne ein Einhorn, hinten zwei Balken.

Metallplatte 3: Die unter der heraldischen Zone befindliche und außerhalb des Photoausschnittes liegende Inschrift besagt: "Anno 1608 am 7. January verschid die Erbar und Tugentsam Fraw Magdalena des Erbarn und Führnemen Hans Schwaben Seelige hinderlaßene Wittib ein Geporne Schlumpfin Deren Gott genedig sey". Abgebildet ist hier ihr eigenes Familienwappen, das der Familie Schlümpfen oder Schlumpff, in Gold drei schwarze Jagdhörner (Hifthörner) mit roten Schall-Löchern und mit in eine Schleife gelegtem Band übereinander. Das Wappen wird abgebildet im Schöler auf Tafel 152, ferner wird es beschrieben im Siebmacher Band: Bg2 Seite: 9 Tafel: 16 und im Band: Bg7 Seite: 94 Tafel: 97. Die Helmzier zu schwarz-goldenen Decken ist ein golden-schwarz geviertes birnenförmiges Brett (Siebmacher: Birne) zwischen zwei schwarz-golden geteilten Büffelhörnern. Vom 13.1.1598 datiert eine kaiserliche Wappenbestätigung für Rupprecht Schlumpff, Bürger und des Größeren Rates zu Nürnberg.

Metallplatte 4: Die kreisförmig umlaufende Inschrift lautet: "Anno 1632 Johann Vollandts Apodeckers Veronica seiner Ehewirthin einer gebornen Speißerin unnd ihrer Erben Begrebnus". Das Wappen Vollandt zeigt in silbern-blau schräggeteiltem Schild einen linksaufspringenden Löwen in verwechselten Farben, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken der Löwe wachsend (Siebmacher Band: Bg1 Seite: 32 Tafel: 39). Zwei Beiwappen ergänzen die Komposition.

Metallplatte 5: Die umlaufende Inschrift lautet: "Des Erbarn Hanßen Schlaurspachs Maria seiner Ehewirtin ein Geborne Schwenderin und Irer erben begrebnis 1592". Darunter gibt es noch eine separat angebrachte Tafel mit den Worten: "Die gröste Weißheit die man weist, Inn disem Leben Sterben heist. Mensch, wiltu Leben Ewiglich, Bei Zeitlern Sterben, Das Rath Ich." Reichlich depressiv. Zur Heraldik: Das Wappen Schlauerspach zeigt einen geteilten Schild, oben in Blau ein aus der Teilung wachsender silberner Bock oder Widder, unten in Rot ein silberner Wellenbalken, belegt mit einem Pfeil, der in der Mitte von einer Marke überkreuzt wird, die aus einem oben balkenweise verbundenen Schragenkreuz besteht.

Auf dem bewulsteten Helm der Bock oder Widder wachsend. Das Wappen wird abgebildet bei Schöler auf Tafel 96 (etwas modifiziert), es ist nicht im Siebmacher. Unter der gemeinsam verwendeten Helmzier befindet sich noch der Schild der Ehefrau mit dem Wappenbild der Schwender oder Schwendter, in Silber auf rotem Dreiberg stehend ein in ein rotes Wams gekleideter Mann mit ebensolcher, silbern aufgeschlagener Mütze, in der Rechten einen blauen Fisch haltend, in der Linken eine Weintraube mit grünem Blatt haltend. Das Wappen der aus Regensburg stammenden Familie wird beschrieben bei Schöler auf Tafel 113 sowie im Siebmacher Band: Bg2 Seite: 9 Tafel: 16 und Band: Bg9 Seite: 47 Tafel: 57. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken der Mann aus dem Schild wachsend, nur mit dem Fisch, die Linke eingestemmt.

Metallplatte 6: Die umlaufende Inschrift lautet: "1596 Anthony von Brecht, Hester sein Ehewirtin, und ihrer Erben Begrebtnus". Die Initialen AV-B rechts und links der Helmzier passen zu Anton von Brecht. Das Wappen Brecht zeigt einen von einer in zwei Reihen geschachten Schrägrechtsleiste überdeckten Löwen, auf dem gekrönten Helm das Schildbild, Tinkturen mir unbekannt (nicht in der verfügbaren Literatur, Hinweise willkommen).

Metallplatte 7: Die unter der heraldischen Zone befindliche und außerhalb des Photoausschnittes liegende Inschrift besagt: "Des Edlen und Vesten Wilhelm Bartholome Pellers und seiner Erben Begräbtnis A. 1669." Das Peller-Wappen zeigt einen geteilten Schild, oben in Gold ein schwarzer Steinbock, unten in Rot ein silberner Sparren, auf dem Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ein wachsender schwarzer Steinbock zwischen zwei Büffelhörnern, das rechte schwarz-golden, das linke silbern-rot geteilt. Das Wappen wird beschrieben bei Schöler, S. 80, Tafel 94, sowie im Siebmacher Band: Bay Seite: 102 Tafel: 123, Band: BayA2 Seite: 173 Tafel: 107, Band: BayA1 Seite: 52.

Der optisch linke Beischild zeigt das Wappenbild der Volckamer, von Silber und Blau geteilt, oben ein oberhalbes rotes Rad mit drei Speichen, unten eine silberne Lilie. Das hier nicht dargestellte Oberwappen wäre zu rot-silbernen Decken ein unterhalbes rotes Rad mit drei Speichen, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt. Anna Regina Volckamer (1613-1641), Tochter von Georg Christoph Volckamer, war die erste Frau von Wilhelm Bartholomäus Peller (1611-1669). Der optisch rechte Beischild ist gespalten, rechts drei (2:1) hersehende Ochsenköpfe, links neun (3:3:3) Blumen. Das ist das Wappen der von Oyrl, denn Maria Magdalena von Oyrl (1619–1686) heiratete 1642 als dessen zweite Frau Wilhelm Bartholomäus Peller, den Sohn von Martin Peller (1559-1629). Tinkturen unbekannt, Hinweise willkommen.

Metallplatte 8: Die unter der heraldischen Zone befindliche und außerhalb des Photoausschnittes liegende Inschrift besagt: "VIRO NOB. TOBIAE PELLER EIVUSQVE CONIVGI DILECT. MAR. MAGD. SCHMIDMAYRIN CIRCA MEDIVM SECULI PRAETER LAPSI PIE DEFUNCTIS M. H. F. F. EORVM FILII SENIO CONFECTI CHRISTOPH. ET IOH. IOD. PELLERI VTERQVE ICt9 ET REIP. PATRIAE A CONSIL A. D. MDCCX." Das Peller-Wappen wurde bereits oben beschrieben. Das Schmidtmayer-Wappen zeigt in golden-rot schrägrechtsgeteiltem Schild drei auf die Teilungslinie schrägrechtsbalkenweise gelegte Rosen in verwechselten Farben. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender Rumpf einer nackten, natürlichen Mohrin, um den Kopf eine Tuchbinde mit abfliegenden roten und goldenen Enden. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 90 Tafel: 90 und bei Schöler Tafel 55. Ausführliche Diskussion bei St. Lorenz, Schmidtmayer-Fenster. Der gemäß Inschrift schon jung in der Jahrhundertmitte verstorbene Tobias Peller (1599–1650) hatte Maria Magdalena Schmidtmayer von Schwarzenbruck geheiratet. Der genannte Sohn Christoph (1630-1711) wurde ein berühmter Staatsrechtler und Assessor des Nürnberger Gerichts sowie Prokanzler der Universität Altdorf.

Metallplatte 9: Die umlaufende Inschrift lautet: "Des Erbarn Georgen Allthofers Eva ein geborne Khernin seiner Ehwirtin und Irer Beeder Erben Begrebtnis". Separat ist unter dieser runden Metallarbeit noch eine zweite Inschriftentafel darunter angebracht: "Anno 1606 den 2. Octobris Verschid der Erbar und Fürnem Georg Althofer, Anno 1629 den 3. Februari Verschid die Erbar und Tugentsam Fraw Eva ein geborne Kernin sein Ehwirtin Denen Gott ein fröliche Aufferstehung benediglich verleyhen wölle Amen." Das Wappen Althofer zeigt eine obere rechte Flanke, die zu einem Zickzackbalken abknickt, auf dem Helm ein beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug. Das Wappen Kern ist golden-schwarz (Schöler Tafel 117) oder schwarz-golden (Siebmacher Band: Bg7 Seite: 24 Tafel: 23) gespalten mit einem oberhalben Mann mit Kleidung in verwechselten Farben, Hut und Aufschläge ebenso (Schöler, nach Siebmacher eine Kopfbinde), in der Rechten einen grünen (Schöler) oder roten (Siebmacher) Granatapfel mit sichtbaren Kernen emporhaltend.

Metallplatte 10: Die umlaufende Inschrift lautet: "1594 Des Erbarn Georg Kuefuß des Eltern unnd Frawen Magdalena ein geborne Stoflin unnd ihrer Erben Begräbnus". Separat ist unter dieser runden Metallarbeit noch eine zweite Inschriftentafel darunter angebracht: "Anno Domini 1626 den 22. Jully Verschid in Gott der Erbar Georg Kuefuß Handelsmann der Elter. Anno Domini 1625 den 26. January verschid in Gott die Erbare und Tugentsame Magdalena des Erbarn Georg Kuefuß Eheliche Hausfraw ein geborne Stoflin welchen Gott allen eine fröliche Aufferstehung verleihen wolle. Niemand unsern Tod beweinen sol, Wir leben in Gott und uns ist wol."

Das Wappen der Kuefuß oder Kiefuß wird im Schöler auf Tafel 119 abgebildet. Es zeigt in golden-schwarz gespaltenem Schild über grünem Dreiberg einen wachsenden Mann mit Kleidung und Hut in verwechselten Farben, der in der Rechten (Schild hier gewendet!) eine Fackel emporhält, die Linke eingestemmt. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken der Mann mit Fackel wachsend. Man achte hier auf die detailgetreue und phantasievolle Bekleidung in dieser Ausführung. Der Wappenschild der Ehefrau wird hier mit dem des Ehemannes unter der alleinigen Helmzier des Letzteren zusammengestellt, es ist das Wappenbild der Stoffel oder Stoffl, mit dem redenden Wappenbild des Hl. Christophorus, auf einen knorrigen Ast gestützt, auf dem Arm das Jesuskind mit dem Reichsapfel (vgl. Siebmacher Band: Bg4 Seite: 40 Tafel: 47, dort in Gold in blauem Wellenschildfuß watend ein blaugekleideter Mann, mit nackten Beinen, mit der Rechten sich auf einen Stamm mit gestümmelten Ästen stützend, auf der linken Schulter das Christuskind mit Reichsapfel tragend).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern und die Bände Bürgerliche
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Otto Glossner, Der St.-Johannisfriedhof zu Nürnberg, bearbeitet von Illa Maron-Hahn. Deutscher Kunstverlag, 4. Auflage 1991, München, Berlin.
Kurt Pilz, St. Johannis und St. Rochus in Nürnberg, die Kirchhöfe mit den Vorstädten St. Johannis und Gostenhof. Nürnberg: Carl, 1984, ISBN 3-418-00488-1
Herbert Liedel, Helmut Dollhopf, Der Johannisfriedhof zu Nürnberg, Stürtz, 1984,Würzburg, ISBN 3-8003-0234-9

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