Bernhard Peter, Gernot Ramsauer und Alex Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1507
Nürnberg (Mittelfranken)

St. Elisabeth-Kirche Nürnberg

Die St. Elisabethkirche in der Lorenzer Altstadt, eine monumentale, kubische Kirche mit Tambour und Kuppel, ist eine ehemalige Deutschordenskirche, und auch heute noch ist es eine katholische Kirche. Die eigentliche Deutschordenskirche war zwar St. Jakob, doch diese war ein steter Zankapfel zwischen der evangelischen Stadt und dem katholischen Orden. So entzog die Stadt dem Orden das Nutzungsrecht an ihrer Kirche. 1528 wurde in St. Jakob evangelisch gepredigt. Die Komturei wurde eine katholische Enklave in der evangelischen Reichstadt („Nürnberger Vatikan“). Der Orden wich unter Protest auf die Kapelle St. Elisabeth aus, die in Folge ausgebaut und schließlich wegen Baufälligkeit der Vorgängerkapelle neugebaut wurde. Bis dahin war es ein langer Weg, 1683 wurden Schäden im Dachstuhl festgestellt, ab 1718 bemühte man sich um Möglichkeiten eines Neubaus, die Stadt war dagegen, der Orden klagte, und erst 1780 kam ein entsprechender Vertrag zwischen Orden und Reichsstadt zustande. Die alte Elisabethkapelle hatte jetzt ausgedient und wurde 1784 abgerissen, der Grundstein für den heutigen, klassizistischen Bau wurde am 19.5.1785 gelegt. Die ersten Pläne stammten von Franz Ignaz Michael Neumann, einem Sohn des Barockbaumeisters Balthasar Neumann. Er konnte die Kirche wegen vorzeitigen Todes nicht vollenden, sein Nachfolger bis 1789 wurde Peter Anton von Verschaffelt aus Mannheim, und er gab den Fassaden ihr klassizistisches Gesicht. Der Bau war ein steter Streit zwischen Architekten und Bauherren, die immer Besseres für immer weniger Geld haben wollten, und Verschaffelt gab auf. Die nächsten waren Maurizio Pedetti aus Eichstätt und Joseph Scholl aus Schwarzenberg, danach sollte Wilhelm Ferdinand Lipper aus Münster sein Heil versuchen, der aber vor Vollendung starb, und schließlich lehnte man sich doch wieder an Verschaffelts Plan an. Außen fertiggestellt wurde die Kirche 1803 unter Hofkammerrat Stahl aus Mergentheim. Der Orden hatte nicht viel von seiner Investition, denn 1806 war das Ende des Alten Reiches, Nürnberg kam an Bayern, die Kommende wurde ebenfalls in bayerischen Besitz überführt, das Ende des Deutschen Ordens ließ den Bau unfertig zurück. Der Torso wurde als Heulager, Baumagazin und Militärdepot genutzt, nachdem erste Abrißpläne verworfen worden waren. 1884 kaufte der Bamberger Erzbischof Friedrich von Schreiber die halbfertige Kirche vom bayerischen Staat und ließ sie für katholische Meßfeiern herrichten, und 1895 wurde eine eigenständige Pfarrei ins Leben gerufen. Immer noch waren Ausführungen am Bau nötig, und 1899-1903 wurde er zu Ende ausgeführt, geweiht wurde die Kirche 1905. Nach starken Beschädigungen 1945 erfolgte der Wiederaufbau 1947-1950.

Im Dreiecksgiebel über vier ionischen Säulen, einem vorspringenden, dreiachsigen Mittelrisalit vor dem eigentlichen Baukubus vorgeblendet, befindet sich das Wappen von Maximilian Franz Xaver von Habsburg-Lothringen, Hochmeister des Deutschen Ordens, Erzbischof von Köln, Bischof von Münster. Er wurde am 8.12.1756 geboren in Wien als jüngster Sohn von Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia von Habsburg und war ein Bruder des späteren Kaisers Joseph II. Am 3.10.1769 erfolgte im zarten Alter von nur 12 Jahren die Wahl zum Koadjutor des Hochmeisters, was deutlich zeigt, daß diese Positionen Versorgungsstellen und Pfründen waren und die Besetzung nichts mit Qualifikation zu tun hatte. Am 9.7.1770 wurde er in den Deutschen Orden aufgenommen, im Alter von 13 Jahren, eigentlich sollte die Reihenfolge umgekehrt sein. Er war erst für eine militärische Laufbahn vorgesehen, dann für eine geistliche und empfing am 9.7.1780 die Tonsur und am 1.8.1780 die niederen Weihen. Ein Dispens von höheren Weihen für 5 Jahre macht deutlich, daß eine solche Position zwar eine Versorgungspfründe war, man sich aber dennoch so lange wie möglich ein Hintertürchen offenließ, um jederzeit ins "normale Leben" zurückkehren zu können, wenn ausfallbedingt etwa die Familie fortgeführt und geheiratet werden müßte. Von Berufung oder Idealen ist da nichts mehr vorhanden, der Deutsche Orden diente nur noch der Versorgung "übriggebliebener" Habsburger. Maximilian Franz Xaver setzte seine kirchliche Laufbahn fort und akkumulierte weitere Titel und Pfründen: Am 7.8.1780 wurde er Koadjutor in Köln, wenig später am 16.8.1780 erfolgte die Wahl zum Koadjutor in Münster, und am 25.10.1780 die Inthronisation als Hochmeister des Deutschen Ordens in Mergentheim, als Nachfolger seines Onkels. Die Wartestellung in den beiden Bistümern hatte vier Jahre später ein Ende, er wurde am 21.4.1784 Erzbischof von Köln und Bischof von Münster, und jetzt endlich ließ er sich auch mal zum Priester weihen, am 21.12.1784, und auch am 8.5.1785 im Bonner Münster zum Bischof. 1794 floh er vor französischen Truppen über den Rhein und überließ seine linksrheinischen Gebiete der Annexion durch Frankreich. Nun kümmerte er sich um Mergentheim, wo er 1795 die 21 Stadtmauertürme abbrechen und den Schloßpark anlegen ließ. Er ist am 26.7.1801 verstorben auf Schloß Hetzendorf, und er ist begraben in der Wiener Kapuzinergruft. Er war der letzte Kurfürst von Köln und der letzte Fürstbischof von Münster, es folgte in Köln eine 23jährige Sedisvakanz, in Münster eine 19jährige, während der 1803 die geistlichen Fürstentümer aufgelöst wurden, die Säkularisierung stattfand, das Heilige Römische Reich 1806 endete und die Kurfürstentümer abgeschafft wurden.

Hier sehen wir ein Wappen aus der Zeit 1784-1801. Es ist mit reichlich Prunkstücken ausgestattet: Ein aus einem Fürstenhut herabfallender, hermelingefütterter Wappenmantel umgibt den Schild. Hinter dem Wappenmantel sind Schwert und Krummstab für den Fürstbischof schräggekreuzt und zwei Kanonenrohre, dazu ragen auf jeder Seite mehrere Fahnen hinter dem Wappenmantel hervor, ergänzt durch weitere militärische Attribute und Trophäen.

Ab 1784 führte Maximilian Franz II Xaver von Österreich bzw. von Habsburg-Lothringen ein Wappen, wo das habsburgische Wappen auf einem weiteren Schild aufgelegt war, der zwischen Hochmeisterkreuz und Adler zu liegen kommt, und das Ganze einem Hauptschild aufgelegt wird, der sämtliche Komponenten von Köln und Münster enthielt. Der Aufbau ist also wie folgt: Ebene 1: Bistümer Köln und Münster, Ebene 2: Hochmeisterkreuz, Ebene 3: Mittelschild Ungarn-Böhmen-Burgund-Medici, Ebene 4: Adler, der aus seiner Schildform entlassen und direkt dem Hauswappen aufgelegt wird, Ebene 5: Herzschild Österreich-Lothringen, hier als Brustschild des Adlers umgesetzt. Im Detail:

Ein Vergleichswappen dieses Hochmeisters aus seinen frühen Jahren, noch ohne die bischöflichen Komponenten, findet man übrigens am Kirchturm der Deutschordenskirche von Sondernohe.

Direkt neben der Kirche rechts anschließend ist einer der wenigen baulichen Überreste der alten Deutschordenskomturei von 1783 zu sehen, dort befindet sich das Wappen des Landkomturs der Ballei Franken mit Sitz in Ellingen, dem die Nürnberger Niederlassung unterstand, und der hier der eigentliche Bauherr war: Franz Sigismund Adalbert Freiherr von Lehrbach (reg. 1765-1787), der letzte Landkomtur, ehe die Preußen als Nachfolger der Markgrafen von Ansbach Ellingen in Besitz nahmen. Die von Lehrbach sind eine hessische Adelsfamilie mit dem Stammsitz Lehrbach bei Kirtorf östlich von Marburg und führen einen rot-schwarz-silbern zweimal geteilten Schild. Das Rot ist hier verblichen. Der Lehrbach-Schild ist mit dem Deutschordenskreuz geviert und zusätzlich von einem zweiten Schild mit dem schwarzen Deutschordenskreuz in Silber unterlegt (Abb. links). Während der Deutschordensritter und einfache Komtur standardmäßig seinen Schild mit dem Ordenskreuz unterlegte, wurde es bei Inhabern höherer Ämter in den Schild aufgenommen. Landkomture, Leiter einer Landkommende und einer Ballei, sowie Deutschmeister trugen einen gevierten Schild, bei dem die höhere Position 1 und damit auch Position 4 von dem Deutschordenskreuz eingenommen wurde, die verbleibenden Positionen 2 und 3 von dem Familienwappen. Als Helmzier wird hier ein Pfauenstoß geführt, der nicht zum Lehrbach-Schild gehört, denn die Lehrbach führten einen wie der Schild bez. Flug, und auch die normale Deutschordens-Helmzier ist normalerweise ein mit dem Kreuz belegter Flug.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bistümer
800 Jahre Deutscher Orden, Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens, Ausstellungskatalog, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/Münschen 1990, ISBN 3-570-07434-x und 3-570-06676-2.
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
http://www.heraldique-europeenne.org/Armoriaux/Teutonique/index.html
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
St. Elisabethkirche:
http://nuernberg.bayern-online.de/die-stadt/sehenswertes/kirchen/st-elisabethkirche/
Pfarrei St. Elisabeth:
http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bi......rg/index.html
Baugeschichte:
http://www.erzbistum-bamberg.de/pfarreien/dekanat....erg/Elisabeth/index.html
St. Elisabeth:
http://www.baukunst-nuernberg.de/epoche.php?epoche=Klassizismus&objekt=Elisabethkirche
Hermann Hüffer, Maximilian Franz Xavier Josef, Erzherzog von Oesterreich, Kurfürst von Köln, in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 56–70.
Günter Christ, Maximilian Franz, Erzherzog von Österreich, Kurfürst und Erzbischof von Köln, in: Neue Deutsche Biographie, Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, S. 502–506.
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016334/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00016334&seite=516
Liste der Komture in Nürnberg:
http://www.kommende-nuernberg.de/Komture.html

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