Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1534
Ochsenburg (Zaberfeld, Landkreis Heilbronn)

Scheune mit Spolie

Der kleine Ort Ochsenburg gehört zur Gemeinde Zaberfeld im Landkreis Heilbronn. Der heutige Ort mit noch nicht einmal 700 Einwohnern läßt kaum noch erahnen, daß er einst von einer Wehrmauer umgeben war und bis 1807 sogar Stadtrecht hatte. Eigentümer des Ortes waren erst die Herren von Magenheim, dann nach deren Aussterben seit dem 14. Jh. die Herzöge von Württemberg, und von diesen hatten die Herren von Sternenfels den Ort zu Lehen. Einst stand hier sogar ein Renaissance-Schloß der Herren von Sternenfels, doch dieses fiel ebenso wie die Burg Ochsenburg im 19. Jh. der Spitzhacke zum Opfer. Nur die Schloßkellerei von 1569 (mit Wappenstein im Giebel) und der Fruchtkasten von 1771 überdauerten die Niederlegung. Dafür finden wir viele der Steine als Spolien in den Häusern des Dorfes verbaut. Direkt an der Hauptstraße (Eppinger Straße) finden wir ein solches Relikt aus der Zeit der Sternenfelser Ortsherrschaft, ein Wappenstein ist in eine Scheunenwand eingemauert.

Im von zwei reich verzierten Flächen gerahmten Allianzwappen befindet sich heraldisch rechts das Wappen der Herren von Sternenfels: In Silber über einem blauen Stufengiebel oder giebelförmig abgestuften Felsen (hier) bzw. fünfzackigem Felsen (Beschreibung im Siebmacher Band: Bad Seite: 78 Tafel: 46, Wü Seite: 12 Tafel: 15) ein siebenstrahliger roter Stern. Kleinod ist der blaue Stufengiebel, darüber der siebenstrahlige rote Stern, Helmdecken blau-silbern. Man beachte das heraldisch seltene Vorkommen einer Siebenzähligkeit. Der Stern ist so gestellt, daß eine Spitze senkrecht nach unten zeigt und oben in der Mitte ein Zwischenraum ist, daher kann man ganz korrekt auch von einem gestürzten, siebenstrahligen Stern sprechen. Das Wappen wird auch im Wappenbuch des Nikolaus Bertschi mit dem Stufengiebel abgebildet, dort ist der Stern aber abweichend nur sechsstrahlig, das Feld ist blau, Stufengiebel und Stern sind silbern. Hupp bildet in seinem Münchner Kalender den Stern auch nur sechsstrahlig ab, aber immerhin in den korrekten Farben. In einem Wappenbuch des Abtes Ulrich in St. Gallen wird als Helmzier abweichend ein wachsender Frauenrumpf abgebildet.

Dieses Wappen wird auch heute von einigen kommunalen Wappen aufgegriffen: Die Gemeinde Sternenfels (Enzkreis) führt in Silber auf einem dreistufigen blauen Felsen einen gestürzten, siebenstrahligen, roten Stern, ist also mit dem Wappen der einstigen Ortsherren identisch, und die Gemeinde Zaberfeld (Landkreis Heilbronn) führte bis 1970 in Rot auf einem dreistufigen, mauerartigen, goldenen Felsen einen gestürzten, siebenstrahligen, goldenen Stern, der 1970-1974 noch von zwei abgewendeten silbernen Mondsicheln begleitet wurde bei Reduzierung des Felsens um eine Stufe, und ab 1974 führt die Gemeinde in Blau einen aus dem unteren Schildrand hervorkommenden, beiderseits mit Flankenmauern versehenen, goldenen Zinnenturm, belegt mit einem gestürzten, siebenstrahligen, roten Stern auf zweistufigem blauem Fels.

Gegenüber ist das Wappen der von Helmstatt, in Silber ein schwarzer auffliegender Rabe. Die zugehörige Helmzier zeigt ein schwarzes und ein silbernes Büffelhorn zu schwarz-silbernen Helmdecken. Diese Kombination paßt zu Georg von Sternenfels und seiner Frau Ursula Margaretha von Helmstatt, eine gleiche Wappen-Kombination ist übrigens am Friedhofsportal von 1564 zu finden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Wappenbuch des Nikolaus Bertschi:
http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00001364/images/index.html?seite=345
Wappen Sternenfels: Otto Hupp, Münchener Kalender 1931, Verlagsanstalt, Buch u. Kunstdruckerei AG, München, Regensburg 1931.
Ort Ochsenburg:
http://www.zaberfeld.de/gemeinde/Ochsenburg.html
Genealogie der v. Helmstatt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmstatt_%28Adelsgeschlecht%29
Alberti, Württembergisches Wappenbuch, S. 767
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 601

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