Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1536
Zweibrücken (Pfalz)

Das Zweibrücker Schloß

Zweibrücker Herrschaftssitze - eine unübersichtliche Geschichte immer wieder neuer Zerstörungen und Besitzverhältnisse: Einst war hier an der Fernstraße von Lothringen zum Rhein eine ca. 1170 errichtete Burg der Grafen von Saarbrücken, später der Grafen von Zweibrücken, schließlich der Linie Zweibrücken-Zweibrücken, eine Burg, die im 16. und 17. Jh. durch ein Schloß ersetzt wurde, lange nachdem die Güter von Zweibrücken-Zweibrücken 1385 und 1394 ganz an die Kurpfalz gefallen waren (die Grafen von Zweibrücken starben1390 aus), 1410 die Kurpfalz geteilt wurde und Zweibrücken bereits 1477 Residenz einer Unterlinie geworden war. Pfalz-Zweibrücken ist eine Abspaltung von Pfalz-Simmern. Als Stefan Pfalzgraf bei Rhein zu Simmern u. Zweibrücken, Herzog v. Bayern (23.6.1385 - 1459) im Jahre 1453 abdankt, wird das Gebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt in Pfalz-Simmern für Friedrich mit Simmern und Sponheim einerseits und Pfalz-Zweibrücken für Ludwig mit Zweibrücken, Bergzabern und Veldenz. Immerhin besteht Pfalz-Zweibrücken zu zwei Dritteln aus Teilen der alten Grafschaft Veldenz. 1410 kam Zweibrücken also an Pfalz-Simmern, und nun wurde es Sitz einer eigenständigen Linie. Als Datum der Abzweigung gilt 1453/1459, ersteres ist das Jahr der Abdankung des Vaters, letzteres das seines Todes. Aus der Linie Pfalz-Zweibrücken spalten sich einige Nebenlinien ab, so Pfalz-Veldenz 1543 als eigenständige Linie und Pfalz-Birkenfeld 1569/1584. Auch die jüngere Linie Pfalz-Neuburg spaltet sich von Pfalz-Zweibrücken ab; die Basis wurde dafür 1556/1557 gelegt, als Pfalz-Zweibrücken das Gebiet von der älteren Linie erwarb, deren letzter Vertreter seit 1556 die Kurpfalz regierte. Durch Heirat erwirbt diese Linie Ansprüche auf Kleve-Jülich-Berg. Überhaupt ist das Jahr 1569 das Jahr der großen Teilung: Gleichzeitig entstehen die Linien Pfalz-Neuburg und Pfalz-Birkenfeld. So wird Pfalz-Zweibrücken insgesamt zur territorialpolitischen und personellen Drehscheibe des Pfälzer Zweiges der Wittelsbacher.

Eine weitere Teilung im Jahre 1611 erzeugt drei Unterlinien: Zweibrücken, Moschellandsburg (Landsberg) und Kleeburg. Die Linie Kleeburg regierte in Schweden. Das aus dem 16./17. Jh. stammende Schloß wurde wiederum 1677 im französisch-niederländischen Krieg (ein Reunionskrieg, zweiter Raubkrieg Ludwig XIV.) weitgehend zerstört. Von 1676/77-1697 war Zweibrücken von Frankreich besetzt. 1681/1697 kam Zweibrücken wieder an die Pfalzgrafen in der Zweibrücken-Kleeburger Linie (Frieden von Rijswijk 1697). Der spätbarocke Neubau des herzoglichen Schlosses stammte von 1720-1725 und wurde unter der Regierung von Herzog Gustav Samuel Leopold erbaut, etwa der heutigen Form entsprechend. Pfalz-Zweibrücken erlischt 1731 mit Gustav Samuel Leopold Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg.

1733/1734 fällt das Territorium als Erbe an Pfalz-Birkenfeld, das daraufhin seinen Namen in Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld änderte. Der spätbarocke Neubau wurde durch französische Revolutionstruppen 1793 zerstört, ein Opfer von Frankreichs Expansionsgelüsten. 1799 kam Zweibrücken als Anspruch zu Bayern, 1801 vertraglich an Frankreich, wiederum durch den Wiener Kongreß an Bayern. Der bayerische König Maximilian I., nun auch Herzog von Zweibrücken, kümmerte sich nach Napoleons Ende um den Wiederaufbau des Schlosses 1817, der bis zum Luftangriff vom 14.3.1945 hielt. Aus den Ruinen des ausgebombten Schlosses ließ man 1962-1964 das Schloß im Zustand von 1725 wiedererstehen, denn glücklicherweise hatte man in Nancy die Baupläne des damaligen schwedischen Baumeisters Jonas Erikson Sundahl gefunden, die eine Rekonstruktion des vornapoleonischen Zustandes im Äußeren erlaubten. Heute beherbergt der größte und prächtigste profane Barockbau der Pfalz Behörden, die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken und das Pfälzische Oberlandesgericht.

Das Schloß, hier vor der dramatischen Wolkenkulisse eines im März 2010 über die Stadt fegenden Orkans, liegt als Querriegel am nördlichen Ende eines dreieckigen Platzes, mit Park und Kirche im Norden. Ein Mittel- und zwei Eckrisalite strukturieren den Bau, ersterer mit einem großen Segmentbogengiebel, letztere mit Dreiecksgiebeln.

Das in den Segmentbogengiebel gesetzte Wappen in ovaler Kartusche, von einem Ranghut bekrönt und von zahlreichen militärischen Insignien, Kanonen, Trophäen, Feldzeichen, Fässern, Kanonenkugeln, Trommeln, Fahnen, Hellebarden und zwei Götterfiguren umgeben, gehört zu Gustav Samuel Leopold Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg, Herzog v. Bayern (12.4.1670 - 17.9.1731), dem Bauherrn des Schlosses von 1720-1725.

Das Wappen der Linie Zweibrücken ist gekennzeichnet durch die klassischen Elemente Wittelsbach und Pfalz, zusätzlich durch das typische Veldenz, und durch das Fehlen des Kurelementes. Von späteren Linien, die auch Veldenz zeigen, unterscheidet es sich durch das Fehlen von Sponheim. Ferner finden wir die ganze Gruppe der Elemente der vereinigten Herzogtümer von Kleve-Jülich-Berg, denn Pfalz-Zweibrücken gehörte zu denen, die im Kleve-Jülichschen-Erbfolgestreit Ansprüche stellten. Im Vergleich zu den anderen Parteien, Brandenburg-Hohenzollern, Pfalz-Neuburg und Sachsen waren die Ansprüche zwar ziemlich hoffnungslos, und im Dortmunder Vergleich schlossen sich auch Brandenburg und Pfalz-Neuburg gegen die "Mitläufer" zusammen, aber man glaubte seinen Anspruch daraus ableiten zu können, daß Wilhelms des Reichen dritte Tochter Magdalena den Bruder von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, den Pfalzgrafen Johann von Zweibrücken, geheiratet hatte. Das Wappen ist...

Von diesem Wappen gibt es noch eine andere, korrektere Form mit Veldenz als Herzschild der rechten Hälfte und Pfalz in den Feldern 1 und 4.

Abb.: Zierfriese mit dem Monogramm von Herzog Gustav Samuel Leopold Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg, Herzog v. Bayern (12.4.1670 - 17.9.1731), bestehend aus zwei spiegelbildlich verschränkten Buchstaben "G" unter einem Herzogshut.

Genealogie:

Abb. links: Herzoglich gekrönte Monogrammkartusche im Dreiecksgiebel des linken Eckrisalites der Südseite. Abb. rechts: Desgleichen auf einem Sockelfeld der Südfassade.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Geschichte des Schlosses:
http://www.justiz.rlp.de/icc/justiz/nav/915/91581..054.htm
Burg:
http://www.bipontinum.de/html/die_burg.html
Schloß:
http://www.bipontinum.de/html/__schloss.html

Zweibrücken: Karlskirche
Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz

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