Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1588
Leisnig (Sachsen, Landkreis Mittelsachsen)

Burg Mildenstein in Leisnig

Die Burg Mildenstein, auf einem Bergsporn mit steil abfallenden Felsen über der Mulde gelegen und eine der ältesten sächsischen Burgen, besteht aus einem kompakten, mächtigen Vorderschloß im Süden und einer Randbebauung rings um den dahinter liegenden großen Burghof im Norden der Anlage, in dem auch der wuchtige Bergfried aus dem 12. Jh. zu finden ist. Das Vorderschloß erhebt sich jenseits des Wallgrabens; das äußere Burgtor (rechts im Bild) befindet sich an der Ostseite am Ende der den Wallgraben überspannenden Steinbrücke. Nach Passieren dieses Tores führt der Zugangsweg am Vorderschloß entlang bis zum inneren Torhaus, das aus romanischer Zeit stammt und 1416 und 1593 umgestaltet wurde. Durch dieses betritt man dann den großen Burghof, um den sich Herrenhaus, Pagenhaus, Kapelle aus dem 11. Jh., Aktengewölbe, Wehrmauern und Wohngebäude gruppieren. Früher bildete das Vorderschloß natürlich nicht den Abschluß nach Süden, sondern es schloß sich eine ovale, fast tropfenförmige Vorburg (Burglehn) an, deren Verlauf man noch im Straßenbild erkennen kann, deren Bebauung aber mit der städtischen Entwicklung verschmolzen ist. Hier steht inmitten des "Tropfens" noch ein Stumpf eines weiteren, mächtigen runden Wehrturmes aus der ersten Hälfte des 13. Jh.

Das Vorderschloß ist eine vierflügelige Anlage um einen winzigen Innenhof. Der Südflügel und der Westflügel sind die ältesten Bauteile, die um 1395 unter Markgraf Wilhelm I. von Meißen errichtet worden sind und eine baulich homogene Zweiflügeleinheit bilden. Der Nordflügel zum großen Burghof hin wurde um 1593 erbaut, wobei auch das innere Torhaus angepaßt wurde, und 1753 umgebaut. Der Ostflügel hingegen ist viel neueren Datums, er ist auf 1677 datiert und wurde ebenfalls um 1753 umgebaut. Zu Zeiten, als das Vorderschloß noch aus zwei Flügeln bestand, war der Zugang in den Südflügel ein gänzlich anderer als heute: Man trat aus dem Westflügel heraus auf eine entlang des Südflügels verlaufende Galerie, von der aus man das prächtige gotische Portal im zweiten Obergeschoß betrat, welches damals eine ganz andere Fernwirkung hatte als jetzt, wo diese Galerie fehlt und das Portal sich in luftiger Höhe wie ein übergroßes Fenster in den engen Innenhof öffnet.

Das war der ursprüngliche Prunkzugang in die repräsentativen Räume und Rittersäle, und entsprechend ist dieses Portal auch rechts und links mit einem Wappenstein verziert. Unter dem Portal sind die Ansätze der ehemals die nach rechts führende Galerie tragenden Kragsteine zu erkennen.

Wie kam die Burg Mildenstein an die Wettiner? Einst handelte es sich um eine wichtige Burg von strategischer Bedeutung zur Sicherung der östlichen Reichsgebiete und Integration derselben in die Reichsverwaltung. Dann gelangte die Burg als kaiserlicher Dank für erwiesene Dienste an Wiprechts von Groitzsch, der daneben noch die Burgen Colditz, Döben, Polkenberg etc. innehatte und auf dieser Grundlage eine territoriale Hausmacht aufbaute. Nach dessen Ableben wurde Burg Mildenstein ein Stützpunkt Kaiser Barbarossas, der sie zur Reichsburg erhob und sich auch in Leisnig aufhielt. Die Verwaltung der Burg wurde an Burggrafen gegeben, und das war der Anfang der Verselbständigung. Die Burggrafen wurden zu Vasallen der Wettiner. Kaiser Ludwig IV. belehnte schließlich Markgraf Friedrich II. mit der Burggrafschaft Leisnig, und damit war die Burg nicht mehr reichsunmittelbar. Noch saßen allerdings die Burggrafen auf Burg Mildenstein - und sie störten. Als Vorwand zur vollständigen Überführung in ihr Eigentum diente den Wettinern ein Überfall des Burggrafen 1365 auf das nahe gelegene Kloster Buch, in dessen Folge sie es brandschatzten. Der Abt reichte Klage beim Landesherrn ein, der sehr gerne eingriff und die Burggrafen mit militärischer Gewalt zum Verkauf von Burg, Stadt und Herrschaft zwang. Die einst reichsunmittelbare Burggrafschaft wurde damit zu einem Amt der Markgrafschaft Meißen.

Die Wappensteine führen uns in die Zeit von Markgraf Friedrich IV. Der Übergang der Reichsburg in einen Stützpunkt der Wettiner war bereits vollzogen, ebenso der Ausbau der Burg unter Wilhelm I. Markgraf v. Meißen, Landgraf v. Thüringen (19.12.1343 - 10.2.1407), dem Sohn von Friedrich I. Markgraf v. Meißen, Landgraf v. Thüringen, Pfalzgraf v. Sachsen (-16.11.1323) und Elisabeth v. Lobdeburg-Arnshaugk (1286 - 22.8.1359). Wilhelm I. ließ die wesentlichen Trakte des Vorderschlosses errichten, und auf seine rege Bautätigkeit geht auch das gotische Portal zurück. Nach Wilhelms Tod - er war zweimal vermählt, erst mit Elisabeth v. Mähren (20.11.1400) und dann mit Anna v. Braunschweig-Göttingen (1387 - 27.10.1426), doch kinderlos - erwarb dessen Neffe Markgraf Friedrich IV. von Wettin, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, der spätere Kurfürst Friedrich I. von Sachsen, die Burg Mildenstein im Jahre 1415 von Anna, der Witwe seines Onkels, als diese nach dem Ableben ihres ersten Gemahls, Wilhelms, erneut heiratete, diesmal Wilhelm II. Graf v. Henneberg-Schleusingen (31.7.1384 - 7.7.1426). Friedrich IV. war der Sohn von Wilhelms Bruder Friedrich III. Markgraf v. Meißen (14.10.1332 - 25.5.1381) und dessen Frau Katharina v. Henneberg-Schleusingen (- 15.7.1397). Die beiden Wappensteine sind damit in die Zeit kurz vor 1423 zu datieren, also in die Zeit zwischen Erwerb der Burg einerseits und Erlangung der Kurfürstenwürde andererseits und damit an der Schwelle zu einer folgenreichen reichspolitischen Umgewichtung. 1423 ging die Markgrafschaft im Herzogtum Sachsen-Wittenberg auf, als Kurland und Kurwürde von den ausgestorbenen Askaniern auf die Wettiner (Markgrafen von Meißen) übertragen wurden. Die Wettiner übernahmen die sächsische Kurwürde (und auch die Symbolik) von den Askaniern. Dieses Datum ist die Obergrenze für die Datierung, denn danach treten die Kurschwerter heraldisch in den Vordergrund.

Die beiden Wappensteine verweisen auf die beiden wettinischen Reichslehen und damit für die wettinischen Hauptlande, die trotz separater Verwaltung eine Einheit bilden. Der optisch rechte Wappenstein steht für die Markgrafschaft von Meißen, in Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt, auf dem Helm hier eine komplexe und ungewöhnliche Helmzier, die eine ziemliche relative Größe erreicht und mehr als doppelt so hoch wie der Schild ist, auf einem wachsenden Mannesrumpf ein hoher Hut, dessen konischer Schaft oben gekrönt ist, aus der Krone ein Pfauenstoß hervorkommend. Die Helmzier der Markgrafschaft Meißen wäre gemäß späteren Darstellungen eigentlich nur ein rot-silbern gestreifter Mannesrumpf mit bärtigem Haupte und mit rot-silbern gestreifter Mütze (Judenmütze, Heidenmütze), an der eine natürliche Pfauenquaste hängt, und so wird sie ansonsten auch immer dargestellt, mit nach hinten überhängendem Mützenzipfel. Helmdecken schwarz-golden oder auch rot-silbern. Hier ist bei diesem Mannesrumpf die Mütze über breiter Krempe wie ein konischer Schaft nach oben gezogen, wie er auch im sächsischen (eigentlich askanischen) Wappen auftritt (hat es an der Schwelle zu den Ereignissen von 1423 Pate gestanden?), mit Hutkrone und Pfauenstoß an der Spitze. Der optisch linke Wappenstein mit gewendetem Wappen steht für die Landgrafschaft von Thüringen, in Blau ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot siebenmal geteilt (hier nicht mehr zu erkennen). Die Helmzier zeigt zwei silberne Büffelhörner, die hier mit je vier vermutlich goldenen Lindenzweigen besteckt sind, der jeweils letzte in der Hornmündung. Helmdecken rot-silbern oder auch blau-silbern. Es sei auf die hier vorhandene Krone des thüringischen Löwen hingewiesen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Landesfürsten
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hinweistafeln am Gebäude und Erläuterungen sowie Modelle im Burgmuseum
Brigitte Riese: Burg Mildenstein, Edition Leipzig, 2001, ISBN: 3-361-00541-8
Burg Mildenstein:
http://www.burg-mildenstein.de/index.php4 - Geschichte: http://www.burg-mildenstein.de/de/burg_mildenstein/geschichte/ - Vorderschloß: http://www.burg-mildenstein.de/de/burg_mildenstein/torhaus_und_vorderschloss/
Susanne Baudisch: Wettiner als Bauherren auf Leisnig, in: Jahrbuch der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen, Bd. 5, 1997
Burgenforschung aus Sachsen Nr. 8, Sonderheft Burg Leisnig / Mildenstein, 1996
Burg Mildenstein:
http://www.schloesser-und-burgen-im-muldental.de/index.php?article_id=23
leisnig:
http://www.leisnig.de/leisnig/content/12/21112006095102.asp
Burg Mildenstein:
http://www.schloesserland-sachsen.de/de/schloesser_burgen_und_gaerten/burgen/burg_mildenstein/

Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie - Sächsische Wappen (2), Albertinische Linie

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2011
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de