Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1600
Zeitz (Sachsen-Anhalt, Burgenlandkreis)

Schloß Moritzburg in Zeitz

Schloß Moritzburg überrascht durch die Kombination gänzlich unterschiedlicher Baugruppen: Eine mittelalterliche Ringmauer mit niedrigen Rund- und Schalentürmen wird von einem breiten Graben umgeben, der an drei Seiten noch Wasser in Form eines Baches führt, der in die Weiße Elster mündet. Zwei Zugangsbrücken führen über den Wallgraben in das Schloßareal, eine von Westen, an einem spätmittelalterlichen Turm mit barockem Aufbau endend, und eine altstadtseitig von Osten. Im Westen bilden drei trapezförmig angeordnete, dreigeschossige Flügel das eigentliche frühbarocke Schloß, dessen Westflügel mit Arkaden im Erdgeschoß von einem dreiachsigen Mittelturm mit weiteren zwei Geschossen überhöht wird. Das zeitgleich entstandene Pendant auf der Ostseite ist der massive und hohe Torturm mit sieben Fensterachsen zur Stadt hin in den beiden Obergeschossen und zwei Reihen Schießscharten im unteren Teil. Auch dieser wird von einem Mittelturm überhöht. Im Norden und im Süden enthalten die Anbauten die Kasematten, die die Hauptangriffsseite schützen. Im Norden werden diese beiden komplementären Baugruppen durch den niedrigen Marstall verbunden, und im Süden befindet sich, architektonisch wiederum eine ganz andere Welt, die weit in den Hof ragende Baugruppe aus dem 1433-1452 durch das Zeitzer Kollegialstift erbauten Dom St. Peter und Paul, der späteren Schloßkirche, und dem südlich angrenzenden Kreuzgang. Jenseits des Grabens und außerhalb des befestigten Schloßareales befindet sich noch im Südosten die 1708 erbaute Orangerie. Nach seiner Nutzung als Residenz mußte das Schloß einige Zweckentfremdungen überstehen, so war es 1820-1920 Landarmen- und Korrektionsanstalt, 1921-1928 Gefängnis, 1945-1947 Umsiedlerlager. Das dreiflügelige Schloß im Westen enthält heute in seinen drei Flügeln das 1946 entstandene Museum, das Schloßrestaurant, das Stadtarchiv und die Museumsbibliothek.

Zeitz war Sitz einer der 1657 entstandenen Nebenlinien und bestand als selbständiges Herzogtum bis 1718. Johann Georg I. Kurfürst v. Sachsen (5.3.1585 - 8.10.1656) verfügte testamentarisch die Aufteilung seiner Länder unter seine Söhne: Der Erstgeborene Johann Georg II. Kurfürst v. Sachsen (31.5.1613 - 22.8.1680) setzte die Kurlinie in Dresden fort. Die drei anderen Söhne bekamen Sekundogenituren, die territorial eigenständige Linien bildeten: August Herzog v. Sachsen-Weißenfels (13.8.1614 - 4.6.1680), Christian I. Herzog v. Sachsen-Merseburg (27.10.1615 - 18.10.1691) und Moritz Herzog v. Sachsen-Zeitz (28.3.1619 - 4.12.1681), der jüngste Sohn. Die anderen gleichzeitig entstandenen albertinischen Nebenlinien bestanden bis 1738 (Sachsen-Merseburg) bzw. 1746 (Sachsen-Weißenfels).

Moritz Herzog v. Sachsen-Zeitz erbaute sich gleich nach Regierungsübernahme 1657 als repräsentativen Regierungssitz 1657-1678 das nach ihm benannte Schloß Moritzburg nach Plänen des fürstlich-sächsischen Landbaumeisters Moritz Richter (noch ein Moritz!) auf dem Gelände der ehemaligen Bischofsburg, die ein Opfer des Dreißigjährigen Krieges geworden war. So kam es zu einem barocken Schloßneubau innerhalb einer mittelalterlichen Befestigungsanlage mit Graben und Ringmauer, die zugleich den ehemaligen Dom, eine gotische Hallenkirche, und barocke Kasematten zur Verteidigung enthält, eine bemerkenswerte Kombination von baulichen Funktionen und politischen Interessen.

Am gewaltigen, 1661-1672 erbauten und 1996-2005 restaurierten Torbau der Anlage, welcher heute das kunst- und museumspädagogische Zentrum "Johannes Lebek" im ersten Obergeschoß enthält, prangt ein herzoglich-sächsisches Wappen, vom Typus her eines der albertinischen Linie. Auch wenn die Basis des Wappens gleich mit dem der zeitgleich ab 1661 geführten kursächsischen Wappen ist, gibt es doch einige bemerkenswerte Unterschiede: So fehlen für die Nebenlinie natürlich die Kurschwerter, auch die Burggrafschaft Magdeburg fehlt. Dafür gibt es ein neues Feld an herausgehobener Stelle auf Platz 4: Das säkularisierte Stift Naumburg, das ursprünglich sogar als Bistum Zeitz gegründet worden war. 968-1029 war der Bischofssitz Zeitz, 1029-1615 war er in Naumburg; der Sitz wurde unter Bischof Hildeward verlegt.

Julius von Pflugk war der letzte echte Naumburger Bischof, nach dessen Tod 1564 übernahmen albertinische Verweser die Verwaltung des säkularisierten Stiftes, zuerst 1564 Alexander von Sachsen (lebte 1554-1565), der aber jung verstarb, dann 1565 dessen Vater, Kurfürst August von Sachsen (lebte 1526-1586), dann1586 Christian von Sachsen (1560-1591), dann 1591 August von Sachsen (1589-1615), schließlich Johann Georg I. von Sachsen (lebte 1585–1656). Moritz Herzog v. Sachsen-Zeitz (28.3.1619 - 4.12.1681), nach des Vaters Tod 1656 erster Herzog der Zeitzer Sekundogenitur, 1647 Landkomtur der Deutschordensballei Thüringen, wurde 1653 Administrator des Bistums Naumburg. Sein Sohn Herzog Moritz Wilhelm, am 15.3.1682 Administrator von Naumburg geworden, steuerte religiös einen Schlingerkurs, er konvertierte 1715 heimlich zum Katholizismus, was 1717 öffentlich bekannt wurde, 1718 rekonvertierte er wieder wenige Wochen vor seinem Tod. Nicht nur dies brachte ihm den Ruf eines der schillerndsten und umstrittensten Wettiner ein. Jedenfalls führte seine erste Konversion zum Verlust von Naumburg, denn das Domkapitel deklarierte die Sedisvakanz, denn als Katholik konnte er nicht Administrator des evangelischen Stifts bleiben. Schließlich trat er das Stift und die Residenzen Naumburg und Zeitz gegen eine jährliche Rente von 35.000 Gulden für den Rest seines Lebens an die Kurlinie ab und zog nach Weida.

Der Hauptschild des Wappens von Moritz Herzog v. Sachsen-Zeitz (28.3.1619 - 4.12.1681) ist zweimal gespalten und fünfmal geteilt, wobei der Herzschild die Felder 5 und 8 überdeckt.

Dies ist ein Beispiel exzessiver Felder- und Helmvermehrung, wie sie zu Lasten der Ästhetik und vor lauter Details auch zu Lasten korrekter und schöner Wiedergabe geht.

Exkurs zum neuen Feld 4 mit Naumburg: Auch die Stadt Zeitz selbst enthält in ihrem Wappen einen Hinweis auf Naumburg. Es zeigt in Blau den silbern gerüsteten Erzengel Michael, auf einem Drachen stehend, mit der Rechten ein Schwert schwingend, mit der Linken einen silbernen Schild haltend, darin ein rotes Kreuz, rechts neben ihm schwebt ein Schild, darin in Rot schräggekreuzt ein gestürztes, schrägrechts gelegtes silbernes Schwert und ein mit dem Bart abwärts gekehrter, schräglinks gelegter silberner Schlüssel.

Das Wappen führt insgesamt acht Helme, genau wie die Kurlinie selbst, auch in der gleichen Art und Anordnung. Neu im Vergleich zu den "klassischen Helmen" sind die beiden äußeren Helme für die Oberlausitz und die Niederlausitz. Zur Kurlinie gibt es aber einen wichtigen Unterschied: Führt jene als Helm 1 (Mitte rechts) eine Kombinationshelmzier aus zwei Kleinoden, einen gekrönten Spitzhut, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß (Herzogtum Sachsen), zwischen zwei schwarz-silbern geteilten Büffelhörnern, die außen mit je fünf (hier vier) Fähnchen an Stangen besteckt sind (Kurwürde, Erzmarschallamt), so ist es hier das herzoglich-sächsische Kleinod alleine ohne die Büffelhörner und Fähnchen, um die Nebenlinie von der Kurlinie zu unterscheiden.

Genealogie der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz:
Das war eine sehr kurzlebige Dynastie, die kurzlebigste der drei Sekundogenituren. Genau genommen gab es nur zwei regierende Herzöge, Moritz und Moritz Wilhelm, der Nachwuchs verstarb im Kindesalter oder wurde geistlich. 1718 fiel das nur zwei Generationen lang selbständige Herzogtum wieder an die Kurlinie mit Sitz in Dresden.

Das Wappen des zweiten Herzogs, Moritz Wilhelm Herzog v. Sachsen-Zeitz (12.3.1664 - 15.11.1718), ist auf einem Stich von Pfeffel in einer abweichenden Form überliefert: Feld 4 ist nicht Naumburg, sondern die Markgrafschaft Oberlausitz, das dadurch freiwerdende Feld 11 bleibt leer, so daß der Herzschild über den Feldern 5, 8 und 11 liegt; alle anderen Felder sind gleich, nur im Bereich des Schildfußes geordneter. Wie Moritz Wilhelm Naumburg verlor, wurde oben beschrieben.

hofseitige Inschrift am Torhaus

Ein weiteres Wappen der Herzöge von Sachsen-Zeitz wie oben beschrieben ist übrigens innen im Dom zu Zeitz zu finden, sogar farbig gefaßt, ferner ist eines dieses Types in der Wenzelskirche zu Naumburg zu sehen.

Literatur, Links und Quellen
Siebmachers Wappenbücher
Hinweistafeln an den Gebäuden
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Stadtwappen Zeitz: Hauptsatzung:
http://www.zeitz.de/media/pdf/ortsrecht/1_allg_verwaltung/hauptsatzung_internet1.pdf
andere Wappendarstellungen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/5/54/Moritz%2C_Herzog_von_Sachsen-Zeitz_1.jpg - http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/3/3b/Moritz_Wilhelm_von_Sachsen-Zeitz.jpg
Jochen Vötsch, Moritz Wilhelm, Herzog von Sachsen-Zeitz, in: Sächsische Biographie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., online:
http://saebi.isgv.de/biografie/Moritz_Wilhelm,_Herzog_von_Sachsen-Zeitz_%281664-1718%29
Schloß Moritzburg:
http://www.zeitz.de/index.php?id=146018001386 - Geschichte: http://www.zeitz.de/index.php?id=146018001838
Schloß Moritzburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Moritzburg_%28Zeitz%29
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise an Herrn Johannes Weise

Sächsische Wappen (1), Ernestinische Linie - Sächsische Wappen (2), Albertinische Linie

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