Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1602
Podelwitz / Zschadrass (Colditz, Landkreis Leipzig, Sachsen)

Schloß Podelwitz

Das in landschaftlich idyllischer Lage in Flußnähe an der Freiberger Mulde befindliche Schloß Podelwitz ist eine Schöpfung der Renaissance mit bemerkenswertem Grundriß. Es war einst ein Wasserschloß, eines der wenigen stilreinen aus der Renaissance, deutlich sind die von zwei Brücken überspannten, heute trockengelegten und bewachsenen Gräben noch zu erkennen. Senkrecht zum Fluß verläuft die Hauptrichtung des Mittelflügels, an den zwei Seitenflügel angesetzt sind, die seitlich schräg abknicken und so zwei gleich große stumpfe Winkel zum Mittelflügel bilden, jeweils einmal zu dessen Front und einmal in Bezug auf dessen Schmalseite. Der heutige Hauptzugang liegt auf der Ostseite (was nicht die ursprüngliche Lösung ist), wobei die beiden stumpfen Flügel eine Art trapezoiden Hof aufspannen. Auf der Westseite befindet sich mittig ein Treppenturm auf polygonalem Grundriß mit schräg geschnittenen Fenstern zwischen den beiden Zwerchgiebeln, die die Seitenflügel abschließen. Dieses Herrenhaus war einst in ein größeres Baugefüge aus Nebengebäuden integriert, von denen nicht alle die Zeiten überdauert haben. Heute wird das Schloß touristisch genutzt, als Begegnungsstätte (Erdgeschoß), Gaststätte (Heimatstube im ersten Obergeschoß des Schlosses, Restaurant Schloßgewölbe in den Wirtschaftsgebäuden), Pension (im zweiten Obergeschoß); auch für Feste können die Räumlichkeiten des Herrenhauses gemietet werden, und die Sammlungen des Hauses zur regionalen Geschichte sind zu besichtigen.

Die ältesten Besitzer des in der Renaissance erbauten Anwesens sind die von Schellenberg, 1487 auf Podelwitz belegt, doch weitaus länger in der Gegend heimisch. Hans Ernst von Schellenberg und Hans Rudolph von Schellenberg sind 1545 bzw. 1588 urkundlich als Rittergutsbesitzer belegt. Der an der Ostseite befindliche Wappenstein ist jedoch nicht dieser Familie zuzurechnen, auch stilistisch ist er eher Ende des 17. Jh. anzusetzen. Bis dahin war die Besitzgeschichte seit dem Ende des 16. Jh. eine Abfolge vieler Namen: von Heynitz (anteilig), von Schulenburg (anteilig), von Carlowitz (anteilig), Braun, Lichtenegger, von Ziegler und Klippshausen, alle innerhalb eines Jahrhunderts. Erst mit dem Erwerb des Rittergutes durch Ulrich Maximilian von Rechenberg im Jahre 1691 fanden wieder diverse Umbaumaßnahmen am Schloß statt, dabei kam auch eine während der Vernachlässigung in den 50er Jahren vernichtete Stuckausstattung mit Medaillons mythologischen Inhaltes in einige Innenräume, und dieser Besitzer krönte seine Umlegung des Hauptzuganges von der Westseite auf die Ostseite mit seinem Wappen über dem neuen Portal.

Es ist das freiherrliche Wappen der von Rechenberg zu sehen (nach Siebmacher Band: Pr Seite: 59 Tafel: 75, Band: Pr Seite: 319 Tafel: 373, Band: Mä Seite: 109 Tafel: 85, Band: SchlA2 Seite: 99 Tafel: 62, Band: Anh Seite: 6 Tafel: 6, Band: ÖSchl Seite: 62 Tafel: 33-34, Band: ThüA Seite: 105 Tafel: 82): Geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt (eine Wappenverbesserung von 1612, hat nichts zu tun mit der Erhebung 1534), Feld 2 und 3: in Rot auswärts sehend ein golden bewehrter, schwarzer Widderkopf (Stammwappen) mit Hals, gekrönt und die Krone mit drei Straußenfedern in den Farben golden, schwarz und silbern besteckt. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken die Figur von Feld 2 und 3 wachsend, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken desgleichen. Hier wenden sich die beiden gleichen Kleinode voneinander ab, wie es auch im Diplom wiedergegeben ist. Diese auswärts wachsenden Widder entsprechen nicht dem Stammwappen und sind als Produkt der Kanzleiheraldik anzusehen, welche den tatsächlichen dreidimensionalen Objekten und dem Bezug zu echten Schutzwaffen mit Unverständnis begegnete. Die Erhebung von 1534 durch Kaiser Ferdinand kam dem Kriegsrat Hans Rechenberg zugute als Dank für das Engagement in den Ungarnkriegen, die von 1612 durch Kaiser Matthias kam Melchior von Rechenberg zugute zum Dank für 35jährige Dienste als Rat, böhmischer Kammerrat und Hauptmann von Glatz. Die Wappenvermehrung fand erst in diesem zweiten Diplom statt, wobei die Stammhelmzier verdoppelt wurde und die neuen Felder, aus dem Reichsadler entstanden, eine Art Gnadensymbol waren. Es gibt noch weitere Diplome, eines von 1656 für Johann Georg von Rechenberg auf Reichenau etc., ferner ein von 1703 datierendes Grafendiplom für Leopold Friedrich von Rechenberg; diese Linien sind aber erloschen. Das gräfliche Wappen wird mit vertauschten Feldern wiedergegeben (Siebmacher Band: SchlA2 Seite: 99 Tafel: 62, Band: PrGfN Seite: 18 Tafel: 13).

Die zum sächsischen und schlesischen Uradel gehörende Familie sind übrigens Stamm- und hinsichtlich des Stammwappens auch Wappengenossen der von Haugwitz (Siebmacher Band: Pr Seite: 12 Tafel: 12, Band: Bay Seite: 39 Tafel: 37, Band: NÖ1 Seite: 174 Tafel: 83, Band: SchlA1 Seite: 39 Tafel: 30, Band: ÖSchl Seite: 125 Tafel: 66, Band: OÖ Seite: 107 Tafel: 34, Band: AnhA Seite: 78 Tafel: 45, Band: BraA Seite: 37 Tafel: 21, Band: Gö Seite: 28, Band: Krai Seite: 10 Tafel: 9, Band: Me Seite: 10 Tafel: 7).

Weitere Darstellungen seines Wappens waren im Inneren an den Stuckdecken zu sehen. Da der Bauherr offensichtlich mehr für den Umbau ausgab als er verkraften konnte, veräußerte er notgedrungen Podelwitz bereits 1693 an Moritz von Ankelmann. Somit läßt sich der Wappenstein auf den engen Zeitrahmen 1691-1692 datieren. Die Odyssee des Besitzes durch die Familien setzte sich fort: 1723 Magdalene Elisabeth von Kötteritz, 1781 Johann Gottfried Lorenz, 1850 Auguste Freifrau von Reiswitz. Bis 1945 war das Schloß bewohnt und gepflegt, und während des 19. Jh. kam es zu Ergänzungsbauten. 1945 kam die Zäsur, die Bodenreform zerhackstückte den Besitz des Rittergutes nach der Enteignung, und in das Herrenhaus kamen Mietwohnungen. Etliche Nebengebäude wurden abgerissen, der Rest wurde zu einer LPG, und das Schloß verfiel durch Vernachlässigung bis 1990 bis hin zur Baufälligkeit. Erst 1991 wurde dieses architektonische Kleinod seinem bevorstehenden Zerfall entrissen und in den folgenden Jahrzehnten aufwendig saniert und rekonstruiert, so daß es heute wieder ein Schmuckstück des Muldentales ist. Die lange Vernachlässigung in einer Zeit, die der gewachsenen Kultur der Herrenhäuser mit Verachtung begegnete, hat jedoch das Mauerwerk so tief geschädigt, daß nur wenige Jahre nach der Restaurierung wieder großflächige Feuchtigkeitsschäden zu sehen sind.

Literatur, Links und Quellen
Schloß Podelwitz: http://www.schloss-podelwitz.de/ - Geschichte: http://www.schloss-podelwitz.de/geschichte/Die-Geschichte-des-Wasserschloss-Podelwitz.html
Historische Aufnahmen, Innenaufnahmen der Stuckdecken:
http://www.zweimuldenland.de/schlosspodelwitz/Schloss-Podelwitz-Wasserschloss-in-Sachsen.html
Zeittafel:
http://www.heykodehn.de/podelwitzb.htm - Beschreibung: http://www.heykodehn.de/podelwitz.htm
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