Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1675
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Palais Stürgkh

Das viergeschossige Palais Stürgkh in Graz liegt direkt am zentralen Hauptplatz (Nr. 16) und beherbergt heute den "Ratskeller" und das "Café Muhr". In der Mitte der fünfachsigen Fassade befindet sich ein Durchgang mit Korbbogenportal, hinter dem ein langer, gewölbter Durchgang in den ersten Hof von insgesamt zweien führt. Die ältesten Teile des Anwesens sind um den zweiten, hinteren Hof gruppiert und stammen noch aus dem 15. Jh. Benannt ist das Anwesen nach der Familie der Freiherren und späteren Grafen von Stürgkh, die es 1521 bis 1798 besaßen.

Ursprünglich stammt das vordere Haus aus der Renaissance, wurde jedoch um 1800 unter Graf Auersperg hinsichtlich der Fassadengliederung mit Lisenen und Platten stark verändert. Dabei wurden auch die Fenster komplett umgestaltet. Das einst dreigeschossige Haus ist auch um ein weiteres Geschoß aufgestockt worden. Sigmund Graf Auersperg hatte das Anwesen 1798 von Karl Graf Stürgkh durch Tausch erworben. Im ersten Stock befindet sich zwischen dem dritten und dem vierten Fenster eine Madonnennische mit Figur aus dem 18. Jh. In den Zwickeln des Portales sind zwei farbig gefaßte Vollwappen zu sehen, die lange Zeit unter Verputz verborgen lagen und 1937 wiederentdeckt und freigelegt wurden.

Im heraldisch rechten, optisch linken Bogenzwickelfeld befindet sich das Vollwappen der Freiherren von Stürgkh: Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in schwarz-golden geteiltem Feld auf einem Dreiberg ein auffliegender Storch in verwechselten Farben, im Schnabel einen goldenen Ring mit abwärts gekehrtem Stein haltend (Stammwappen, hier in Feld 1 einwärts gewendet), Feld 2 und 3: in Kürsch (Pelzwerk) ein roter Pfahl (Planckenwerth, Planckenwarth). Zwei Helme gehören zum freiherrlichen Wappen, wie es seit 1638 geführt wurde: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein auffliegender, golden-schwarz geteilter Storch, im Schnabel einen goldenen Fingerring haltend (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken drei Straußenfedern, eine rote zwischen zwei silbernen (Plankenwarth). Die Decken sind hier abweichend einfarbig gehalten, eine Vereinfachung des Malers.

In den Familienbesitz wurde das Haus von Georg Stürgkh gebracht, Bürger und wohlhabender Geschäftsmann in Graz. Er bekam 1521 das zum Komplex gehörende Haus in der Herrengasse 17 von Thomas Oedenleich vererbt. Haus Georg Stürgkh war derjenige, der Burg und Herrschaft Plankenwarth erworben hatte und 1532 in den Adelsstand erhoben wurde. 1532-1536 war er Bürgermeister von Graz.

Das Wappen gehört jedoch zu seinem Nachfahren Hanns Christoph von Stürgkh, Reichsverweser von Steiermark, der 1638 die Freiherrenwürde mit dem Prädikat "von Planckenwarth" erhielt. Aus dieser Zeit 1638 ff. stammt die Verzierung der Portalumrahmung, während das Portal selbst Ende des 15. oder Anfang des 16. Jh. zu datieren ist. In dieser Form wurde das Wappen von der Familie bis zur Erlangung des Reichsgrafenstandes mit Wappenbesserung am 4.11.1721 geführt. Weitere Stürgkh-Wappen begegnen uns in der Steiermark an Schloß und Kirche Halbenrain, dort werden das Wappen und seine verschiedenen Entwicklungsstufen ausführlich diskutiert (siehe dort).

Das Wappen im heraldisch linken, optisch rechten Bogenzwickelfeld ist das Wappen der Freiherren von Kuenburg, Kärntner Uradel. Das Wappen gehört zu Sidonie Freiin von Kuenburg, Ehefrau des Freiherrn Hanns Christoph von Stürgkh. Es ist geviert, Feld 1 und 4: rot-silbern gespalten mit einer Kugel in verwechselten Farben (von Kuenburg), Feld 2 und 3: schwarz-silbern geteilt mit einem pfahlweise gestellten Türbeschlag (Türband, Türangel) in verwechselten Farben (von Steyerberg). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silbern-rot gespaltene Kugel, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt (von Kuenburg), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarz-silbern geteilter Flug, beiderseits belegt mit einem pfahlweise gestellten Türbeschlag (Türband, Türangel) in verwechselten Farben (von Steyerberg). Die Decken sind hier gleichfalls zur Vereinfachung unrichtig einfarbig gehalten.

Die Familie erhielt am 1.6.1600 in der älteren Linie zu Prunnsee den österreichischen und 1612/1.8.1613 den Reichsfreiherrenstand für die Linie zu Prunnsee und für die zu Ungersbach, am 2.9.1665 den Reichsgrafenstand für beide Linien. Die von Kuenburg waren Freiherren von Künegg. Seit 1669 sind sie Erbmundschenken des Hochstifts Salzburg. Die Linie zu Prunnsee blieb in der Steiermark und in Kärnten, während sich die jüngere Linie zu Ungersbach nach Böhmen und Mähren, Salzburg und Schlesien ausbreitete. Das Wappen der von Steyerberg entstammt einer ehelichen Verbindung mit dieser Familie (Friedrich von Kuenburg und Magdalena von Steyerberg) und wurde 1468 in das vermehrte Wappen aufgenommen. Das Wappen der von Kuenburg wird im Bartsch abgebildet, im Tyroff Bayern, im Tyroff österreichische Fürsten und Grafen, im Tyroff höherer Adel der deutschen Bundesstaaten, im Tyroff österreichische Monarchie, sowie im Siebmacher Band: Mä Seite: 65 Tafel: 50, Band: NÖ1 Seite: 250 Tafel: 129, Band: Bay Seite: 14 Tafel: 7, Band: Bö Seite: 138 Tafel: 66, Band: Gö Seite: 28, Band: Krai Seite: 11 Tafel: 10, Band: Kä Seite: 37 Tafel: 4, Band: Salz Seite: 30 Tafel: 12, Band: ÖSchl Seite: 38 Tafel: 20 beschrieben.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 134, Tafel 140, sowie Seite 62, Tafel 107
Planckenwarth:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Plankenwarth - http://www.schloss-plankenwarth.at/
Stürgkh:
http://www.coresno.com/aktuell/133-boehmen/2238-lex-stuergkh.html
Stürgkh:
http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%BCrgkh_%28Adelsfamilie%29
Palais Stürgkh:
http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_St%C3%BCrgkh
Palais Stürgkh:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Graz%20-%20Palais%20St%FCrgkh
Familie Kuenburg: http://de.wikipedia.org/wiki/Kuenburg
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Georg Stürgkh:
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_St%C3%BCrgkh

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