Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1681
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Dompfarrhof

Der viergeschossige, rot gestrichene Dompfarrhof in der Burggasse 3 stammt aus der Renaissance und wurde 1583 für Hans Amon errichtet, den erzherzoglichen Leibhosenschneider. Bemerkenswert ist die plastisch betonte Doppelfenster-Portalachse mit antikisierendem Medaillonschmuck aus der Bauzeit. Ursprünglich war das Haus nicht so hoch, die Aufstockung erfolgte 1840. Bemerkenswert ist die Madonna von 1716 auf einer Konsole an der abgerundeten Hausecke, ein Werk von Marx Schokotnigg.

Das Wappen am Schlußstein des Portals ist das der Freiherren von Spiegelfeld bzw. Mätz von Spiegelfeld. Um 1780 bauten diese das Haus um und fügten auch den klassizistischen Balkon hinzu, in dessen Schatten das Wappen hängt. Stilistisch ist kritisch anzumerken, daß dieser Stein wohl das Gegenteil klaren, auf weite Entfernungen wahrnehmbaren heraldischen Designs ist. Das Durcheinander aus Inhalten, Rangkrone zu drei Helmen, Helmdecken, Lorbeergirlanden und Rollwerk läuft guter Heraldik zuwider.

Bei der Familie handelt es sich um eine ursprünglich bürgerliche Familie namens Mätz, Mäz oder Matz, die aus Augsburg im 15. Jh. nach Tirol und Kärnten kam. Niclas Mätz, kaiserlicher Hofkellerschreiber und später kaiserlicher Hofkellermeister, wurde der gesellschaftliche Aufsteiger: Am 10.5.1620 erhielt er zu Wien einen kaiserlichen Wappenbrief, bekam schon drei Jahre später am 5.2.1623 zu Regensburg den Reichsadelsstand mit entsprechender Wappenbesserung und am 2.11.1629 zu Wien den rittermäßigen Reichsadelsstand. Sein Sohn Johann Mätz, k.k. Hofkammerrat und Schloßhauptmann zu Laxenburg, bekam am 26.1.1689 das ungarische Indigenat mit dem Namenszusatz "von Spiegelfeld". Am 1.7.1765 erlangte Franz Xaver Matz von Spiegelfeld, innerösterreichischer Hofkammerrat, den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand, und ganz kurz vor dem Ende der Habsburgermonarchie, am 27.3.1917 mit Diplom vom 15.5.1917 erlangten mehrere Familienmitglieder noch den österreichischen Grafenstand, sozusagen kurz vor Toresschluß. Hier am Dompfarrhof haben wir es mit dem freiherrlichen Wappen in der Form von 1765 zu tun.

Der Schild zeigt lt. Siebmacher-Eintrag in Schwarz eine mit einer roten Lilie belegte, bis zur Mitte reichende, eingebogene, abgestutzte, silberne Spitze, auf welcher die kaiserliche Hauskrone (hier hingegen nur eine einfache Zackenkrone) gestellt erscheint, die mit einem silbernen Patriarchenkreuz besteckt ist, zwischen zwei einwärts gestellten, aufspringenden, goldenen Greifen, welche ersteres mit den Fängen halten.

Dazu werden drei gekrönte Helme geführt:

Über dem Schild eine Rangkrone mit fünf Perlen auf dem Reif. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Un Seite: 595 Tafel: 421-422. Dort sind die Greife der Kleinode ungekrönt im Gegensatz zur hiesigen bauplastischen Darstellung. Bei der Erhebung in den Grafenstand 1917 wurde das Wappen nur minimal verändert, ein Greif des Oberwappens schwang nun ein Schwert.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher Band Ungarn
Burggasse 3:
http://www.grazerbe.at/index.php?title=Burggasse_3
Hinweistafel am Objekt
Spiegelfeld:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/2360-lex-spiegelfeld.html
Spiegelfeld: GHdA-Adelslexikon, Bd. 13 (128), 2002, S. 461 f.
Spiegelfeld: Ernst H. Kneschke, Neues deutsches Adels-Lexicon, Bd. 6, S. 173.

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