Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1684
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Landeszeughaus (Teil 2)

Die heute im Grazer Landeszeughaus gelagerten Objekte könnten mühelos eine 5000 Mann starke Truppe ausstatten. Da nach wie vor die Waffen nur wenig museal aufbereitet wurden und unverändert am Originallagerplatz präsentiert werden, bietet der Besuch einen authentischen Einblick in die Geschichte der Rüstkammer. Die Schutz- und Angriffswaffen stammen sowohl aus heimischer Produktion als auch aus berühmten Waffenschmieden in Augsburg, Nürnberg, Innsbruck etc., aus insgesamt 52 Orten kamen die Ausrüstungsgegenstände ins Zeughaus. Und vom einfachen, zusammengestückelten Noname-Schutz für den einfachen Fußsoldaten oder Reiter bis zum ziselierten Prunkharnisch für Anführer ist die ganze Spannweise der Rüstungstechnik vertreten, stumme Zeugen einer stürmischen Zeit, aber auch ein Denkmal der Opferbereitschaft und Tapferkeit der steirischen Landstände zur Grenzsicherung gegen die Türkengefahr. Auch heute haben die Experten des Landeszeughauses eine ehrenvolle Aufgabe neben der Bewahrung und Präsentation der eigenen Bestände: Seit 2007 übernehmen sie die Wartung und Restaurierung der Harnische und Waffen der Schweizergarde des Vatikans, wofür sie jedes Jahr 1 bis 2 Wochen nach Rom reisen.

In diesem Abschnitt werden die drei optisch linken Wappen der Verordneten der steirischen Landstände und damit der Verantwortlichen für die Landesverwaltung und die Durchführung der Landesverteidigung über dem Eingang zum Grazer Zeughaus besprochen.

Die Inschrift des zweiten Wappens von links nennt "HANNS CHRISTOPH FREYHERR VON MYNDORFF PRAESIDENT", Hans Christoph Freiherr von Mindorf. Dieser war landschaftlicher Einnehmer, steirischer Landesoberst, "Obrister des Aufgebotes zu Roß und zu Fuß" und Kriegszahlmeister. Er starb am 21.12.1648 und beschloß damit seine Familie im Mannesstamm.

Das Wappen der Freiherren von Mindorf (Mindorff) ist geviert; Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, dreiblättriges, gestieltes Kleeblatt, Feld 2: in rot-silbern schrägrechtsgeteiltem Feld zwei nach der Teilung gelegte Pfeile in verwechselten Farben, Feld 3: in silbern-rot schrägrechtsgeteiltem Feld zwei nach der Teilung gelegte Pfeile in verwechselten Farben. Den besonderen Reiz dieser Komposition macht die Vertauschung der Farbreihenfolge in den Feldern 2 und 3 aus, wodurch sich entlang aller Schildteilungen alternierende Farben ergeben.

Die Freiherren von Mindorf besaßen als wichtigsten Besitz die Herrschaft Feistritz bei Ilz; Truchseß Siegmund von Mindorf wurde von Kaiser Friedrich III damit 1493 belehnt. Ein anderer Besitz der Familie war seit 1461 Burg und Herrschaft Hohenbrugg im Raabtal, käuflich erworben von den Brüdern Andree und Christof von Mindorf, von Ungarn und dann 1532 von Türken zerstört und 1551-1594 wiederaufgebaut von Siegmund von Mindorf und dessen Sohn Bernhardin, 1605 erneut zerstört und unter den Brüdern Hans Wilhelm und Hans Christoph wiederaufgebaut. Die v. Mindorf hatten sich vor den Einfällen stets nach Feistritz zurückgezogen, wo auch ein Wappenstein für Hans von Mindorf und seine beiden Ehefrauen an der inneren Durchfahrt zum Renaissancehof zu sehen ist. Daneben besaßen die Herren von Mindorf noch die Herrschaft Schachenthurn und Gülten bei Kreuz bei Luttenberg und die Herrschaft Negau, einen Freihof in Radkersburg und ein Haus in Pinkafeld. Christoph von Mindorf wird um 1490 als Landesverweser in der Steiermark erwähnt. Ein anderer Christoph von Mindorf wurde am 22.10.1629 in den Freiherrenstand erhoben. Hans Christoph Freiherr von Mindorf, gest. am 21.12.1648 als letzter im Mannesstamme, vermählt mit Sidonia Magdalena von Eibiswald, baute Schloß Feistritz aus und gab ihm um 1630 das heutige Aussehen. Er hatte zwei Töchter, Maria Elisabeth erbte Hohenbrugg und den Lidlhof zu Graz und brachte sie über ihren Ehemann an die Grafen von Tattenbach, und Anna Theresia erbte Feistritz und brachte es an ihren Ehemann Franz Christoph Graf von Wildenstein. Genealogie:

Zu diesem Wappen gehören zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen (hier ganz rot gestrichenen) Decken ein silbernes, dreiblättriges, gestieltes Kleeblatt aufrecht zwischen einem offenen roten Adlerflug, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen (hier ganz rot gestrichenen) Decken ein wachsender schwarzer, rot feuerspeiender Pantherrumpf, am Rücken mit Federn besteckt.

Literaturspiegel: Genauso wird das Wappen bei Z. Bartsch abgebildet, dort ist der Pantherrumpf am Rücken mit Pfauenspiegeln besteckt. Das Wappen wird nicht im Siebmacherschen Wappenwerk beschrieben. Im Rietstap/Rolland werden die Tinkturen ganz fehlerhaft wiedergegeben, so wird im Rolland ein schwarzes Kleeblatt in goldenem Feld abgebildet, und Feld 3 hat die gleiche Farbverteilung wie Feld 2, während im Rietstap wenigstens die Tinkturen für das Kleeblatt richtig angegeben werden, wenn auch Feld 3 immer noch abweichend vom hiesigen Befund und der Darstellung bei Z. Bartsch ist (écartélé, aux 1 et 4 de gu. à un tréfle d'arg., au 2 et 3 tranché de gu. sur arg., à deux flèches, posées en bande, de l'un à l'autre. Deux cq. cour. C.: 1. un trèfle d'arg., entre un vol de gu., 2. une tête et col de panthère de sable, vomissant des flammes, sommée d'une plume de paon, ornée le long du dos d'une crête d'arg., chaque angle orné d'une plume de paon au nat.). Man vermerke auch, daß hier die Helmzier als Pantherrumpf angesprochen wird.

Im Kraßler (S. 133, S. 188) findet sich der interessante Hinweis, daß es sich bei dem Wappenbild mit den Pfeilen ursprünglich um das der 1519 ausgestorbenen v. Aspach gehandelt hat, das 1532 an die verschwägerten von Mindorf kam, die 1509 noch drei Lindenblätter mit gemeinsamer Wurzel führten. Das Wappen v. Aspach mit Stammhaus in Aschbach findet sich im Rietstap/Rolland, dort wird als Helmzier von Kopf und Hals eines schwarzen Schwanes gesprochen (une tête et col d'un cygne de sa., ornée le long du dos d'une crête nébulée d'arg.), ferner im Siebmacher Band: Stei Seite: 99 Tafel: 22, dort spricht der Text von einer rot-silbernen Schrägteilung, während die Abb. eine silbern-rote zeigt, und auch dort ist es ein Schwanenhals als Kleinod, und die Pfauenfedern fehlen ebenso. Leopold von Aspach (1414/60), vermählt mit Margarete von Lamberg, taucht als Landschreiber und Verweser des Landes Steiermark auf.

Die Inschrift des mittleren Wappens am Grazer Zeughaus nennt "WILHALM FRYHERR VON RATTMANNSTORFF", Wilhelm Freiherr von Rattmansdorf (Rattmannsdorff, Rattmanstorff, Rattmannstorff, Radmannsdorf, Ratmannstorf, Ratmannsdorf, et al.). Exakt wie hier findet sich der Schild bei Z. Bartsch abgebildet. Der Schild ist geviert mit Herzschild, Feld 1: in Rot ein silberner, mit drei nach der Figur gelegten, schwarzen Hufeisen belegter Schrägbalken (Stammwappen), Feld 2: in Rot ein einen silbernen Felsen erklimmender, goldener, golden gekrönter Löwe, Feld 3: in rot-golden gespaltenem Feld drei (2:1) Ringe in verwechselten Farben, Feld 4: in Silber ein aufrecht gestellter roter Krebs, Herzschild: in Silber aus einer goldenen Krone wachsend ein abgewendeter, rot gekleideter, bärtiger Mannesrumpf (Greisenrumpf, hier ist das Stammkleinod im vermehrten Wappen nach unten gewandert). Lediglich einen Unterschied gibt es bei der Darstellung des Schildes bei Z. Bartsch: Die Tinkturen von Feld 3 sind vertauscht. Im Siebmacher wird das Wappen in Band: OÖ Seite: 290 Tafel: 77 beschrieben, mit dem selben Unterschied bzgl. Feld 3.

Fünf Helme gehören hier zum Wappen der Freiherren von Rattmansdorff, wobei drei auf dem oberen Schildrand ruhen und zwei aus Platzgründen seitlich neben dem Schild plaziert wurden: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Kardinalshut (geistlicher Hut) mit abhängender roter Schnur, die Krempe rechts und links besetzt mit je einem aus einer goldenen Krone hervorkommenden Pfauenstoß (hier schwebend dargestellt), Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen (hier abweichend ganz roten) Decken ein wachsender, rot gekleideter, bärtiger, barhäuptiger Mannesrumpf (Greisenrumpf, Stammhelm), Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen (hier abweichend ganz roten) Decken ein goldener, golden gekrönter Löwe auf einem silbernen Felsbrocken (Felsen), Helm 4 (rechts neben dem Schild): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein rot-golden gespaltener Busch aus fünf Straußenfedern, belegt mit drei (2:1) Ringen in verwechselten Farben, Helm 5 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Flügel, belegt mit einem silbernen, mit drei nach der Figur gelegten, schwarzen Hufeisen belegten Schräglinksbalken (hier ist im vermehrten Wappen das Motiv des Stammschildes nach oben gewandert). Bei Z. Bartsch und im Siebmacher werden nur die drei erstgenannten Helme abgebildet, die beiden seitlich neben dem Schild fehlen.

Der letzte Schild ganz links ist ein geistliches Wappen. Zwei ovale Schilde sind unter den Symbolen eines infulierten geistlichen Würdenträgers zusammengestellt, mittig eine silberne, golden verzierte Inful mit zwei seitlich abflatternden silbernen Bändern mit goldenem Fransenabschluß, pfahlweise ein Vortragekreuz, schräglinks gestellt ein Stab eines Klostervorstehers. Die Inschrift nennt "ANDREAS PROBST ZU ROTTENMANN", Andreas Pechinger Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Rottenmann.

Der heraldisch rechte Schild enthält das Wappen des Augustiner-Chorherrenstiftes Rottenmann, in Blau drei (2:1) goldene Kugeln. Das Wappen wird im Siebmacher Band: Klö Seite: 105 Tafel: 128 beschrieben und ferner bei Z. Bartsch abgebildet, wobei dort die Kugeln allerdings abweichend 1:2 gestellt sind. Später führte das auf einer finanziellen Stiftung von 1453 durch den Rottenmanner Bürger Wolfgang Dietz beruhende und 1455 von Kaiser Friedrich III. gegründete Stift, das 1785 aufgehoben wurde, einen geteilten Schild, oben in Gold den schwarzen Doppeladler des Reiches, unten in Blau die drei goldenen Kugeln. Diese drei Kugeln verweisen ikonographisch auf den Hl. Nikolaus von Myra, der Kirchenpatron von Rottenmann ist. Das bezieht sich auf eine Legende, nach der der Hl. Nikolaus drei Töchtern aus verarmter Familie, die von Prostitution bedroht waren, zu einer Mitgift zur standesgemäßen Heirat verholfen hatte, indem er in drei aufeinander folgenden Nächten einen großen Goldklumpen bzw. einen Geldbeutel mit Münzen durch das Zimmerfenster geworfen hatte; Geld, das ihm selbst durch eine Erbschaft zugefallen war.

Bei der heraldisch linken Kartusche handelt es sich um das persönliche Wappen des zur Bauzeit des Zeughauses amtierenden Rottenmanner Propstes, Andreas Pechinger, 1623-1645 im Amt, Nachfolger von Martin August Stammer und Vorgänger von Bartholomäus Ferdinand Richter. Er war einer der bedeutenderen Pröpste und bischöflich-bambergischer Rat. Sein mit einer eingebogenen Spitze gespaltenes Wappen ist aus heraldischer Sicht kein Ruhmesblatt, weil drei Farbflächen aneinanderstoßen, Feld 1: in Rot ein wilder Mann mit Keule, Feld 2: in Blau ein goldener Greif, Feld 3: in Grün eine silberne Lilie (ohne Literaturnachweis).

Literatur, Quellen und Links:
Peter Krenn, Das Landeszeughaus in Graz, Casa Editrice Bonechi Florenz, Verlag Styria Graz 2001, ISBN 88-7009-756-0
Landeszeughaus:
http://www.museum-joanneum.at/de/landeszeughaus/dauerausstellung-4/zur-geschichte-des-landeszeughauses
Landeszeughaus:
http://www.museum-joanneum.at/upload/file/Landeszeughaus.pdf
Landeszeughaus:
http://www.museum-joanneum.at/de/landeszeughaus/news-4/schweizer-garde
Landeszeughaus:
http://www.zeughaus.at/#landeszeughaus_graz
Landeszeughaus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Landeszeughaus
Gertrude Celedin, Wiltraud Resch, Kulturführer Graz: Kunst, Architektur, Wissenschaft, Literatur.
Heinz Held, Kärnten und Steiermark, DuMont Kunstreiseführer, ISBN 3-7701-1097-8, 3. Auflage 1985
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Graz, von Horst Schweigert, Verlag Schroll, Wien 1979
Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz, die Profanbauten des 1. Bezirkes (Altstadt), 1997, 712 Seiten, Verlag: F. Berger, ISBN-10: 3850284379, ISBN-13: 978-3850284370
Wappen Mindorff: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 74 Tafel 67
Wappen Rattmansdorff: Siebmacher Band: OÖ Seite: 290 Tafel: 77
Wappen Rattmansdorff: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Seite 95 Tafel 41
Wappen Rottenmann: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Seite 108 Tafel 17
Wappen Mindorf: Josef Kraßler: Steirischer Wappenschlüssel, Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives Graz Nr. 6, 1968, 349 S.
Mindorf: Karl Schmutz, Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark: H - M, Band 2, online:
http://books.google.de/books?id=mbUAAAAAcAAJ...&f=false
Besitz der v. Mindorf: Burg Hohenbrugg:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Hohenbrugg
Besitz der v. Mindorf: Burg Feistritz:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Feistritz
Mindorf, Besitz und Genealogie: Reiner Puschnig, Das gräflich Lamberg'sche Archiv aus Schloß Feistritz bei Ilz, S. 55 ff., online:
http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/......%9F%20Feistritz.pdf
Ernst Hausner, Geschichte der Pfarre Rottenmann:
http://www.pfarre-rottenmann.org/geschpdf.pdf

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