Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1693
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Bezirksamt Innere Stadt

In der Schmiedgasse 26 befindet sich das Bezirksamt I für die Innere Stadt, ein großflächiger, vierstöckiger Bau mit zentraler Durchfahrt zur Raubergasse. Das Gebäude wurde als städtisches Amtshaus durch das Stadtbauamt in den Jahren 1902-1904 im Stile des späten Historismus unter dem Bürgermeister Dr. Franz Graf errichtet. Die Fassaden im sog. Altdeutschen Stil werden durch Giebelaufbauten akzentuiert und wurden von Leopold Theyer entworfen. An diesem Gebäude finden sich sehr viele Darstellungen des heraldischen Panthers, eine auf der Fassade zur Schmiedgasse unter dem Dreipaßbogen des Giebels, eine im Gewölbe der Eingangshalle, mehrere im Bereich des trapezförmig zugeschnittenen Innenhofes.

Innenhof: Ein heraldischer Panther ist mittig über dem Zwillingsfenster des ersten Obergeschosses zu sehen, zwei weitere auf Erdgeschoßniveau rechts und links am Anfang der Seitenflächen unmittelbar neben den Regenrohren.

Gekrönter Panther mit Mauerkrone über dem Schild als städtisches Wappen im Innenhof, von zwei schräggekreuzten Lorbeerzweigen unterlegt. Dieser Typus ist mehrfach vorhanden. Die Laubkrone des Panthers im Stadtwappen von Graz ist übrigens sehr alt, bereits der älteste Abdruck eines Stadtsiegels der Landeshauptstadt an einer Urkunde von 1261 trägt diese Krone. Sie war damals eher ein Zeichen von Huld als ein definierendes Unterscheidungsmerkmal, doch über die Jahrhunderte wurde sie zum hauptsächlichen Kennzeichen des städtischen Wappens im Gegensatz zum landesherrlichen. Beide, das landesherrliche wie das städtische Wappen, gehen zurück auf das persönliche Wappen Markgraf Otakars III. der Steiermark.

Bei dieser Darstellung des Stadtwappens hier im Innenhof schlagen die Flammen aus dem Rachen, den Nüstern und aus den Ohren. Das ist so eine Art "Mittellösung", denn es läßt sich beim Landeswappen eher der Trend zu verhaltener Gestaltung mit Flammen beobachten, während der Panther der Landstände, wie er am Zeughaus zu sehen ist, aus Rachen, Ohren, After und Unterleib Flammen verströmt. Aus allen Körperöffnungen Flammen ausstoßend erscheint der landständische Panther auch in der ersten gedruckten Landesordnung von 1523. Heute ist festgelegt, daß beim Landeswappen die Flammen nur aus dem Rachen hervorkommen (Blasonierung gemäß Landesverfassung von 1926, bestätigt 1979), beim Stadtwappen aus allen Körperöffnungen (Blasonierung gemäß Statut von 1958, mit Bestätigung 1967).

Gekrönter Panther auf einem Tartschenschild mit spiegelbildlicher Einbuchtung, farbig gefaßt im Gewölbe der Eingangshalle, hier wieder mit der goldenen Krone des städtischen Panthers. Weitere ganz ähnliche Wappenschlußsteine finden sich übrigens auch in den Gewölben der Eingänge und Vorhallen des Rathauskomplexes.

Die Farben Grün und Silber für den steirischen, landesherrlichen Panther begegnen uns übrigens erstmalig in einer bildlichen Festlegung im Jahr 1340 in der Züricher Wappenrolle. Einen textlichen Nachweis der Wappenfarben gibt es aber schon früher, in der 1315 geschriebenen Reimchronik des Ottokar aus der Gaal über die Schlacht von Kroissenbrunn im Jahr 1260. Möglich war ein Einfluß der Wildonier auf die Farbwahl, jedenfalls setzte man sich mit diesen Farben unterscheidend von dem schwarz-silbernen Panther der Spanheimer Herzöge in Kärnten ab.

Die Tingierung der Nebenteile, heute ein weiteres Kriterium zur Unterscheidung von Landeswappen und Stadtwappen, wechselt je nach Quelle, was aber in historischen Zeiten nicht signifikant war, damals wurde den Nebenteilen eben noch nicht die Bedeutung beigemessen wie heute, wo die Krallen beim Stadtwappen golden sind (siehe Abb.) und beim Landeswappen rot. Im Wappenbuch der österreichischen Herzöge um 1445/48 sind die Krallen golden, in der Züricher Wappenrolle sind sie rot, im Bruderschaftsbuch von St. Christoph am Arlberg ebenfalls rot.

Das landesherrliche Kleinod war erst ein Pfauenstoß, dann ein Schirmbrett, dieses mit dem Panther belegt, wie im Wappenbuch der Bruderschaft St. Christoph am Arlberg 1493 zu sehen, ferner im Wappenbuch der österreichischen Herzöge um 1445/48, mit Pfauenfederbüscheln an den freien Ecken des Schirmbrettes. In der Züricher Wappenrolle und bei Conrad Grünenberg 1483 ist nur der wachsende Panther zu sehen. Bei Z. Bartsch ist auf dem gekrönten Helm mit grün-silbernen Decken ein achteckiges grünes Schirmbrett mit einem silbernen Panther (Pantier) zu sehen, die Ecken mit Pfauenspiegeln besteckt.

Literatur, Quellen und Links:
Heinrich Purkartshofer, das Wappen der Steiermark, kulturgeschichtliche und rechtliche Aspekte, online: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs Nr. 30, http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/11...%20der%20Steiermark.pdf - Themenübersicht: http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/11138120/146242/ - Download: http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/10010384/146242/
Heraldik der Steiermark:
http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/3396667/DE/
Schmiedgasse 26:
http://www.grazerbe.at/index.php?title=Schmiedgasse_26
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 126 Tafel 2

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