Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1709
Darmstadt (Hessen)

Stadtkirche Darmstadt, Wolff v. Todenwarth-Grabmal

An der Außenseite der Stadtkirche Darmstadt ist ein Grabdenkmal mit umfangreicher Inschriftentafel und zwei Wappen angebracht, einer der wenigen Überreste des ehemaligen Friedhofes, eigentlich sogar der einzige vom äußeren Bereich erhaltene Grabstein. Es ist für die Familie Wolff von und zu Todenwarth. Die in Darmstadt verstorbene Schlüsselfigur für den Aufstieg der Familie war Antonius Wolff von Todenwarth, geb. 5.6.1592, gest. 7.4.1641. Dieser war promovierter Jurist (Studium in Jena und Gießen) und begann seine Karriere 1612 als Syndicus und Rat in kurpfälzischen Diensten. Ferner wurde er 1615 Syndicus der Reichsstadt Straßburg.

1623 wurde er zusammen mit seinen beiden Brüdern, Christian Marsilius Wolff von Todenwarth (11.11.1595-26.9.1641, kaiserlicher Obrist, in hessischen Diensten, 1632 Amtmann der Herrschaft Eppstein, 1637 Oberamtmann der Niedergrafschaft und Obrist zu Rheinfels) und Johann Jakob Wolff von Todenwarth (28.8.1585-25.3.1657, ebenfalls Jurist, seit 1628 Kaiserlicher Rat und später Gesandter mehrerer Auftraggeber bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden), mit Wappenbestätigung von Kaiser Ferdinand II in den erblichen Reichsritterstand erhoben (Adels- und Wappenbrief im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt).

Der erwähnten drei Brüder Vater Leonhard Wolff zur Todenwarth (16.7.1549-16.12.1606) war übrigens Advokat, Prokurator am Reichskammergericht und hennebergischer Rat gewesen. Seine erste Frau war Anna Bien, seine zweite Frau Katharina Buchner.

Dieses Leonhards Sohn, Antonius Wolff von Todenwarth, wurde 1624 von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt in seinen Geheimen Rat berufen. Er war erst Amtmann zu Otzberg und Habitzheim. Unter Ludwigs Sohn und Nachfolger Georg II. von Hessen-Darmstadt wurde er zum unverzichtbaren Verwalter, 1636 dessen Statthalter in Marburg und in Schmalkalden, dazu war er sein Kanzler, und über ein Jahrzehnt prägte er die Verwaltung des Landes, zudem galt es das Schiff in den schwierigen Zeiten des 30jährigen Krieges als Kriegsrat sicher zu steuern, keine leichte Aufgabe. Am 27.6.1637 wurde ihm dieses Engagement mit der Erhebung in den erblichen Reichsfreiherrenstand durch Kaiser Ferdinand III. zu Prag gedankt. Aus diesem Anlaß wurde das Wappen geviert (s. u.). Doch die Gunst des Fürsten währte nicht mehr lange, 1639 wurde Antonius Wolff von Todenwarth entmachtet und entlassen, gegen ihn wurde sogar ein Prozeß eröffnet. Dabei ging Vieles von dem Vermögen, das er durchaus unter Ausnutzung seiner Position aufgebaut hatte, verloren. Zwei Jahre nach seiner Entlassung starb er, noch nicht einmal 49 Jahre alt ist er geworden. Seine erste Ehefrau war Katharina von Beeck, seine zweite Frau Sophie von Baumbach.

Diese komplexe Familiengeschichte wird in der langen Inschrift ausgeführt: "INTRA ET EXTRA SACRAS AEDES HIC LOCVS SEPVLCHRALIS BEATIS MANIBVS WOLFFIORVM A TODENWART DICATVS EST - HIC RECVBAT PRAENOBILIS ET STRENVVS VIR D(OMI)N(VS) ANTHONIVS WOLFF A TODENWART QVONDAM DVM VIXIT S CAES MTIS CONSILIARIVS ET SERMORVM HASSIAE PRINCIPVM DOMINI LVDOVICI AC D(OMI)NI GEORGY CONSILIARIVS INTIMVS CANCELLARIVS ET LOCVM TENENS ATQ(VE) DIVERSARVM PRAEFECTVRARVM SATRAPA VIR DVM VIXIT VARIAS MODO BLANDIENTIS MODO ADVERSANTIS FOTVNAE VICES EXPERTVS NATVS SPIRAE (= Speyer) SVB IMMEDIATA IMPERIALIS CAMERAE IVRISDICTIONE 5 IYNY ANNO 1592 DENATVS FRANCOFVRTI (= Frankfurt am Main) DIE 7 APRILIS ANNO 1641 - OPTAVIT QVOQ SVAS HIC DEPONI MORTALES RELIQVIAS PRAENOBILIS D(OMI)NA CATHARIANA WOLFFIN A TODENWARTT NATA DE BEECK MODO DICTI DOMINI ANTHONY CONIVNX EBERHARDI GENETRIX NATA ANNO 1593 DENATA GIESSIAE (= verstorben zu Gießen) ET SVB PVLCHRO MARMORE HONORIFICE IBIDEM SEPVLTA ANNO 1635 AST OB TEMPORIS ISTI INJVRIAM ITINERA IN TVTA ET VARIAS CALAMITATES BELLICAS DOLENTE ET INVITO MARITO VOTI HVIVUS etc. ......."

Anthonius' Sohn (neben 4 Töchtern) war Eberhard Freiherr Wolff von Todenwarth (20.7.1614-11.7.1663). Er war mit Elisabetha Dorothea Schenk von Schweinsberg (5.11.1619-2.1.1655) verheiratet; die Ehe wurde am 5.2.1636 in Gießen geschlossen. Auch Eberhard war wie sein Vater hessisch-darmstädtischer Geheimer Rat und ferner Mitglied im Reichshofrat. Eberhards Söhne waren Anton Volprecht (8.3.1641-3.2.1707) und Johann Jakob Wolff von Todenwarth (18.1.1644-7.3.1726). Auch Johann Jakob hatte in seiner ersten Ehe eine Frau aus der selben Familie genommen, aus der seine Mutter stammte, denn er hatte am 5.5.1666 Anna Elisabeth Schenk von Schweinsberg (1638-26.5.1691) geehelicht. Nachkommen der Familie sind in den Diensten von Hessen-Kassel und von Sachsen zu finden.

Das namengebende Stammgut der Familie ist das Hofgut Todenwarth bei Wernshausen, einst auf hennebergischem Gebiet und wurde von diesen zu Lehen vergeben. Das Hofgut wurde später zum Rittergut.

Das Wappen heraldisch rechts ist das der Wolff von und zu Todenwarth, in Gold ein aufspringender, natürlicher bzw. schwarzer Wolf, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken der schwarze bzw. natürliche Wolf wachsend. Dabei handelt es sich um das Stammwappen.

Für Dr. Johann Ulrich Wolff von Todenwarth (geb. 1.2.1595, Cousin des oben erwähnten Antonius) wurde am 26.9.1630 von Kaiser Ferdinand eine Bestätigung von Adel und Wappen ausgefertigt, wobei das Wappen anläßlich der Adelserneuerung vermehrt wurde. Es hat eine besondere Form, die nur in dieser kurz währenden Linie Gültigkeit hatte. Das vermehrte Wappen von 1630 war gespalten, rechts das Stammwappen, links in Rot auf grünem Dreiberg ein silberner Turm, unter dessen Tor ein silberner Totenkopf auf zwei schräggekreuzten Gebeinen ruht, ein redendes Wappen. Dazu wurden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Turm wie beschrieben, Helm 2 (links): Stammkleinod.

Das vermehrte Wappen von 1637 für den oben besprochenen Antonius und seine Nachkommen war hingegen geviert, Feld 1 und 4: Stammwappen, Feld 2 und 3: in Blau zwei silberne Pfähle, zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken drei Straußenfedern, eine silberne zwischen zwei blauen, Helm 2 (links): Stammhelm, vgl. Siebmacher Band: He Seite: 28 Tafel: 31, Band: Sa Seite: 18 Tafel: 18.

Das Wappen heraldisch links ist das der Schenk von Schweinsberg, den Erbschenken von Hessen, es ist geteilt, oben in Blau ein schreitender, goldener Löwe, unten silbern-rot geweckt bzw. in Silber 4 (3:1) rote Wecken, zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Wolfsrumpf, in dessen Ohren zwei Federn stecken, silbern und rot (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein beiderseits mit einem wie der Schild bez. Schildchen belegter, schwarzer Flug (hier nur ein Flügel des geschlossenen Fluges zu sehen; der Flug ohne Schildchen wurde 1568 nach dem Absterben der Vogt von Fronhausen angenommen, die Schildchen wurden später draufgelegt), vgl. Siebmacher Band: He Seite: 24 Tafel: 27, Band: MeA Seite: 91 Tafel: 51, Band: Bay Seite: 56 Tafel: 58, Band: Na Seite: 9 Tafel: 10, Band: Pr Seite: 62 Tafel: 81, Band: Pr Seite: 351 Tafel: 404, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 42 Seite 123, Siebmacher teilweise mit nicht verläßlichen Tinkturangaben.

Literatur, Quellen und Links:
Familie Wolff von Todenwarth: http://www.hadis.hessen.de/hadis-elink/HSTAD/B%2022/Findbuch.pdf und http://www.hadis.hessen.de/hadis-elink/HSTAD/O%204/Findbuch.pdf mit der Stammfolge der Familie
Familie Wolff von Todenwarth:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolff_von_Todenwarth
Herman Knodt, der hessische Kanzler Dr. Anthon Wolff von Todenwarth, seine Zeit und seine Familie, Darmstadt 1965/66
Todenwarth:
http://www.todenwarth.de/ - Geschichte: http://todenwarth.halbig.info/ueber-mich/
Biographie Anton Wolff von Todenwarth:
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/2158
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 42 Seite 123.
Grabsteine in Darmstadt:
http://www.darmstadt.cemeteries.de/?Geschichtliches:Stadtkirche

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