Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1752
Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis)

Ladenburger Bischofshof, Nordwand des Schlosses

Am südwestlichen Eck der Ladenburger Altstadt befindet sich der sogenannte Bischofshof, ein noch weitestgehend von einer Mauer eingefaßtes Gelände mit Bauten aus ganz verschiedenen Epochen von der Römerzeit bis zur Moderne. Freilich haben nicht alle Gebäude dieses Ensembles die Zeiten überdauert, so daß heute ein Großteil der Freifläche innerhalb der Mauern von einer Parkanlage eingenommen wird. Das Prunkstück des Areals ist das Schloß am westlichen Ende desselben, der Kirchenfront gegenüber, rücklings bis auf einen schmalen Grünstreifen an die Stadtbefestigung stoßend. Dieses Schloß war die frühere Nebenresidenz der Wormser Bischöfe. Das einflügelige Hauptgebäude hat im Norden und im Süden einen kleinen Anbau, ersterer nach Osten, letzterer nach Osten und nach Westen vorstoßend, und auf der Ostseite einen polygonalen Treppenturm, so daß das Schloß, obwohl klein (ca. 40 m breit, ca. 10 m tief), eine äußerst reich gegliederte Struktur besitzt. Seit 1400 ist Ladenburg Bischofssitz, nachdem die Wormser Bürger ihrem Bischof den Gehorsam verweigerten und ihn vertrieben. Seit 1968 ist in dem ehemaligen Schloß der Wormser Bischöfe das Lobdengaumuseum untergebracht.

Einer der schönsten und ältesten Wappensteine des Ensembles ist an der Nordwand des ehem. Bischofshofes, an der Schmalseite des Schlosses, rechtwinklig zur mittelalterlichen Stadtmauer stehend. Hier befindet sich unterhalb des einzigen sich nach Norden öffnenden Fensters des ersten Obergeschosses unter einem neuzeitlichen Schutzdach ein spätgotischer Wappenstein von hervorragender Erhaltung und Qualität, der aber hier nicht an seinem ursprünglichen Ort eingemauert ist. Eigentlich stammt dieser Wappenstein nämlich vom gotischen Saalbau, der im Westen an die parallel verlaufende Sebastianskapelle stieß und mit einer offenen Empore mit dieser in baulicher Verbindung stand. Dieser alte Saalbau, dessen Wurzeln in der Karolingerzeit lagen, wurde unter Fürstbischof Friedrich von Domneck renoviert und neu ausgemalt. Später verlor er seine Funktion als Wohnsitz der Wormser Bischöfe und wurde dahingehend von dem Schloßbau abgelöst, der dem alten Bau ca. 15m im Westen gegenüber errichtet wurde. 1868 wurde der mittlerweile heruntergekommene und nur noch als Scheune genutzte Saalbau abgerissen.

Der Stein zeigt das Wappen des Wormser Fürstbischofs, in der Mitte einer Reihe von den vier Vollwappen seiner Ahnenprobe, zwei einwärtsgewendete rechts und zwei links. Dabei sind interessanterweise die Wappen der Großeltern mütterlicherseits heraldisch rechts und die Wappen der Großeltern väterlicherseits heraldisch links, im Gegensatz zu den üblichen Gepflogenheiten, nach denen den väterlichen Wappen stets der wichtigere, bevorzugtere Platz zugewiesen wird, also heraldisch rechts bzw. rechts oben bei mehrreihigen Kompositionen. Genaugenommen nimmt hier sogar das Wappen der Großmutter mütterlicherseits, das der Rangordnung nach letzte Wappen, den ersten Platz ein. Eine Zinnenreihe mit neun schräggestellten, motivlosen Zierschildchen, die vorderen fünf gewendet, schließt den Stein nach oben ab. Unter der Schildchenreihe sind die Ahnenwappen beschriftet: "Die SVtzel Von Mergetheim Berlichingen Dumneck Nypperg MCCCC....I". Die Datierung ist lt. Literatur 1436.

Im Zentrum steht das Wappen des Wormser Fürstbischofs Friedrich II. von Domeneck. Er regierte das Fürstbistum von 1427 bis 1445, als Nachfolger des nur kurz regierenden Eberhard III. von Sternberg und als Vorgänger von dem ebenfalls nur kurz regierenden Ludwig von Ast, der schon nach nur 6 Wochen resignierte und Platz machte für Reinhard I. von Sickingen, an dem das Fürstbistum erheblich länger hatte. Der von einer Inful überhöhte Wappenschild von Friedrich II. von Domeneck ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, der Bart nach rechts und außen gekehrt, begleitet von 3:4 bzw. 3:3 goldenen Schindeln (Hochstift Worms), Feld 2 und 3: in Rot eine silberne Meerkatze (Domeneck). Friedrich von Domeneck, der letzte der Familie, wurde 1423 Domdekan zu Worms und am 5.2.1427 (auf St. Agatha) zum Bischof gewählt. Er starb am 1.7.1445 in Heidelberg. Mit ihm starb die Familie aus, sein Bastard Georgius Domeneki ("acolitus Wormacensis", d. h. Altardiener) zählt nicht.

   
Gewendetes Wappen der Familie Sützel von Mergentheim: Lt. Literatur schwarz-silbern schräggeteilt (hier umgekehrt), auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender, schwarz gekleideter Mohrenrumpf. Das Wappen wird beschrieben im Band: WüA Seite: 112 Tafel: 62, vgl. auch Band: WüA Seite: 99 Tafel: 57, Band: WüA Seite: 104 Tafel: 59, auch unter den Namen der stammesverwandten und wappengleichen Familien Lesch, Reich oder Martin (Mertin) von Mergentheim, sowie im Aschaffenburger Wappenbuch und im Alberti S. 501. Anna (?) Sützel von Mergentheim war die Großmutter mütterlicherseits des Fürstbischofs. Sie war die erste Ehefrau von Conz von Berlichingen (gest. 22.6.1398), und ihrer beider Tochter war Margaretha von Berlichingen.
Wappen der Familie von Berlichingen: In Schwarz ein silbernes fünfspeichiges Rad, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein sitzender Wolf von natürlicher, hier silberner Farbe, der ein hier schwarzes Lamm in seinem Maul hält (häufiger Wolf schwarz und Lamm silbern). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 5 Tafel: 4, Band: Bay Seite: 27 Tafel: 22, Band: ThüA Seite: 50 Tafel: 39, Band: Wü Seite: 5 Tafel: 6, im Alberti S. 48, ferner findet es sich im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 312. Die Mutter des Fürstbischofs war Margaretha von Berlichingen, die Tochter von Conz von Berlichingen (gest. 22.6.1398). Die Familien v. Domeneck und v. Berlichingen waren durch mehrere Heiraten eng verbunden. Als Margarethas Ehemann Bopp (Poppo) von Domeneck d. Ä. ca. 1420 verstarb, kam die Burg Domeneck 1420 an den verschwägerten Engelhard von Berlichingen (er hatte eine Schwester Poppos geheiratet). Und 1423 verkauft die Witwe Margaretha mit Zustimmung ihres geistlichen Sohnes das "Zugehör" von Domeneck an Berengar von Berlichingen. Die v. Berlichingen verkauften die Burg Domeneck aber schon 1424 an die Stumpf von Schweinsberg, unter denen die alte Burg 1525 im Bauernkrieg zerstört und danach wiederaufgebaut wurde.
   
Wappen der Familie von Neipperg: In Rot 3 (2:1) silberne Ringe, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein beiderseits mit dem Schildbild belegter Adlerflug. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 2 Tafel: 2-3, NÖ1 Seite: 312 Tafel: 165 , Erg Seite: 38, Gf Seite: 25 Tafel: 54, Wü Seite: 3 Tafel: 3, im Aschaffenburger Wappenbuch und im Alberti S. 542, weiterhin ist es im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 310 zu finden. Die Mutter von Bopp (Poppo) von Domeneck d. Ä. muß eine geb. von Neipperg gewesen sein, des Fürstbischofs Großmutter.
Wappen der Domeneck bzw. Tumminge von Domeneck (oder Duminge von Domeneck): In Rot eine aufspringende silberne Meerkatze, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken die silberne Meerkatze sitzend. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: WüA Seite: 40 Tafel: 31. Im Alberti ist auf S. 136 abweichend ein Wappenschild mit einem stehenden Tier abgebildet. Die Familie, die 1270 erstmals urkundlich auftaucht, deren Mitglieder Lehensleute der Herren von Weinsberg waren und deren Stammsitz die Burg Domeneck bei Züttlingen war, starb 1445 mit besagtem Wormser Fürstbischof aus. Der Vater des Fürstbischofs war Bopp (Poppo) von Domeneck d. Ä., der ca. 1420 verstarb.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Bischöfe von Worms: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_Worms und http://books.google.de/books?id=A5JEAAAAcAAJ&pg=PA1112&lpg=PA1112&dq=friedrich+von+domneck...........k&f=false
Liste Bischöfe:
http://www.priessdesign.de/dom/Geschichte/bischof1.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Tumminge_von_Domeneck
http://www.drkraft-d.de/Zuettlingen_Kurzgeschichte.pdf
Siebmachers Wappenbücher
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Bischofshof:
http://books.google.de/books?id=qZUnJ3uA-iEC&pg.......domneck&f=false
unehelicher Sohn:
http://books.google.de/books?id=vM8SmJyaP....ck&f=false
Verkauf von Domeneck:
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=16980&klassi=001&anzeigeKlassi=001.003
Genealogie:
http://www.geneall.net/D/per_page.php?id=1879271
Bistum und Hochstift Worms:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Worms
Datierung:
http://www.bildindex.de/obj20730213.html#|home

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