Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1758
Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis)

Boppard, Karmeliterkirche unserer lieben Frau
Epitaph für Conrad Kolb von Boppard

In die Südwand des Chores der Karmeliterkirche ist ein 221 x 116 cm großes Epitaph aus dem 14. Jh. eingelassen, das älteste wappengeschmückte Epitaph in der Kirche, eine Platte aus rotem Buntsandstein. Die Inschrift in gotischen Minuskeln läuft auf drei Seiten um, auf den beiden seitlichen Leisten und oben quer, und sie ist von innen im Uhrzeigersinn zu lesen. Sie lautet: "anno d(omi)ni M ccc lxxxx tercio xxvii die mensis marcii Obiit Conradus kolbo de Bop(par)dia armiger cui(us) a(n)i(m)a requiescat in pace amen" - übersetzt: Im Jahre des Herrn 1393 am 27. Tag des Monats März ging von uns Conrad Kolb von Boppard, Bewaffneter (Edelknecht), dessen Seele in Frieden ruhen möge, Amen.

Der Verstorbene blickt den Betrachter frontal an. Sein Kopf ist mit einem zwecks besserem Abgleiten der Hiebe zugespitzten Helm bedeckt, an dem ein unten gerade abgeschlossenes Kettengeflecht zum Schutz von Wangen, Nacken und Schultern angebracht ist (sog. Helmbrünne), das Gesicht freilassend. Der Helm ist vom Typus her eine Beckenhaube, hier mit abgenommenem Visier. Die Mundpartie des Dargestellten ist beschädigt. Auf der Brust der Rüstung ist ein kleiner Wappenschild zu sehen, der das Motiv des Kampfschildes (s. u.) wiederholt. An Bewaffnung trägt Conrad Kolb von Boppard einen Dolch, den seine Rechte greift, sowie ein Schwert an der linken Seite, an einem relativ tief sitzenden Hüftgurt befestigt. Die Kolb von Boppard war ein Ministerialengeschlecht, welches kurtrierische Amtmänner und Vögte stellte. So wurde z. B. ein Konrad Kolb von Boppard 1412 zum ersten Amtmann auf Burg Reinhardseck eingesetzt, der kurtrierischen Grenzburg gegen Köln. In ihrer Heimatstadt Boppard zählen sie zu den ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechtern, und ihr Burglehen in Boppard hatten sie vom Trierer Erzbischof erhalten.

Der Dargestellte wird von einem Rahmen gotischer Architekturelemente umgeben, eine Kielbogenarkade, deren Kreuzblume in der Mitte beschädigt ist, ist zwischen zwei Eckpfeiler gespannt, die oben jeweils in eine Fiale auslaufen. Die Füße des Edelknechts ruhen auf einem kleinen Löwen, der mit rückgewandtem Kopf zu ersterem aufblickt. Helm und Helmzier des Wappens werden getrennt rechts und links der gerüsteten Beine dargestellt. Während die geharnischte Linke den Schild ergreift, ist der Helm über dem Löwenkopf angebracht. Interessant ist, daß der Betreffende zwar ausdrücklich als "armiger" bezeichnet wird, also eigentlich als Edelknecht, hier aber in voller ritterlicher Bewaffnung mit Schwertgurt etc. auftritt, was zeigt, daß die Unterscheidung zwischen Edelknecht und Ritter, die vor allem für den jeweiligen Träger einen finanziellen Unterschied machte, in der Praxis jedoch ohne Bedeutung war.

 

Das Wappen der Kolb von Boppard ist bei Gruber und bei Zobel auf Tafel 43 verzeichnet und zeigt in Silber einen schwarzen Löwen, auf dem Helm mit silbern-schwarzen Decken ein Mohrenrumpf in silbernem Kleid mit Kopfbinde und beiderseits abfliegendem Schleier. Als Variante geben beide an: Mohr mit geistlichem Hut, durch dessen Krempe beiderseits ein Kolben gesteckt ist. Was jedoch in keiner Literaturstelle Erwähnung fand, ist das Objekt auf der Schulter des Löwen: Das ist ein Rinck, eine viereckige Gürtelschnalle mit nach oben gerichtetem Dorn, vermutlich ein Differenzierungszeichen (Hinweise willkommen). Dieses Zeichen ist ebenfalls auf der kleinen Wappendarstellung auf der Brust des Edelknechts zu sehen.

Interessant ist ferner die Unterscheidung zwischen dem vom Dargestellten getragenen Kopfschutz, der Beckenhaube, und dem heraldischen Helm mit der Helmzier daneben. Tatsächlich basiert die Beckenhaube in ihrer Entwicklung auf einem leichten Helm des 13. Jh., der unter dem Topf- oder später dem Kübelhelm zusammen mit einer Kopfpolsterung getragen wurde. Doch durch Befestigung des Kettengeflechtes, durch Verlängerung der festen Partien nach unten und durch Zuspitzung des Helmdaches entwickelte sich daraus die Beckenhaube als eigenständiger Typus, der ab dem 14. Jh. ohne Kübelhelm getragen wurde und dafür ein Nasal oder ein Klappvisier bekam und schließlich zur Hundsgugel wurde. Hier auf dem Epitaph hat die Beckenhaube bereits die zugespitzte Form, so daß sie eigentlich nicht mehr unter den Kübelhelm passen würde. Die Helmzier wird jedoch von dem bisherigen "Überziehhelm" getragen, der als heraldischer Helm erhalten blieb, auch wenn in der zukünftigen Praxis andere Helmmodelle als praktischer empfunden wurden.

Ein anderes Bopparder Geschlecht, die Beyer von Boppard, führte übrigens ebenfalls den schwarzen Löwen in silbernem Feld, meist gekrönt dargestellt und mit gänzlich anderer Helmzier. Die Ähnlichkeit der Wappenbilder läßt eine gemeinsame verwandtschaftliche Wurzel möglich erscheinen, was jedoch nicht belegt ist. Aus späterer Zeit gibt es einige wenige Spuren der Kolb von Boppard: Anna Barbara Kolb von Boppard, Äbtissin des Wormser Zisterzienserinnen-Klosters Marienmünster (auch "Nonnenmünster" genannt), stiftete 1699 einen Altar für ihre Klosterkirche, was inschriftlich auf diesem belegt ist. Dieser Altar kam 1761 in die Bechtolsheimer Simultankirche, wo er sich heute noch befindet. Eine zweite Erwähnung der gleichen Äbtissin stammt aus dem Jahre 1703: Im Wormser Stadtmuseum im ehem. Andreas-Stift wird ihre Grabplatte aufbewahrt, auf der ihr Todesdatum angegeben wird, der 25.4.1703, und auf der aber nicht ihr Familienwappen, sondern das Wappen des Klosters Marienmünster dargestellt wird. Das scheint die letzte Spur dieser Familie zu sein.

Literatur, Links und Quellen:
Publikation der Photos aus dem Innenraum der Karmeliterkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Hermann-Josef Ludwig vom 1.8.2007, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Siebmachers Wappenbücher
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Susanne Kern: Die Inschriften der ehemaligen Karmeliterkirche in Boppard, Mainz 2008:
http://www.regionalgeschichte.net/fileadmin/Superportal/Bibliothek/Autoren/Kern/Bopp_Karmeliter_Inhalt_Webversion.pdf
Die deutschen Inschriften:
http://www.inschriften.net/rhein-hunsrueck-kreis/inschrift/nr/di060-0055.html - Eberhard J. Nikitsch, DI 60, Nr. 55, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0005502.
Beckenhauben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Beckenhaube
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Gerald F. W. Müller aus Alzey für wertvolle Hinweise zu den Kolb von Boppard und der Äbtissin aus dieser Familie.

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