Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1782
Bad Bertrich (Landkreis Cochem-Zell)

Kurfürstliches Schloß in Bad Bertrich

Bad Bertrich, der Ort mit der heißen Glaubersalzquelle, entfachte wegen seiner Heilwirkung das Interesse der Trierer Fürstbischöfe. Seit 1476 war der Ort kurtrierisches Staatsbad. Im Barock wurde durch die Kurfürsten planmäßig der Ort angelegt: Johann Philipp Reichsgraf von Walderdorff (24.5.1701-12.1.1768, Trierer Fürstbischof 1756-1768) erwarb im Jahre 1762 das Gelände und den Ort für einen jährlichen Zins von 20 Gulden zurück, nachdem Kurfürst Carl Caspar von der Leyen 1657 das Bad an die Gemeinden Bertrich und Kennfus für 320 Gulden verkauft hatte. Der kurtrierische Hofbaumeister Johannes Seiz (10.7.1717-23.11.1779) machte die Vorplanungen. Georg Heinrich Klein, örtlicher Brunnenmeister, entwarf 1727 den neuen Ortsplan. Und Johann Andreas Gärtner (6.8.1744-5.11.1826) erbaute schließlich das einem Schlößchen ähnelnde Badehaus in den Jahren 1786-1787 (heutige Adresse: Kurfürstenstraße 34). Der Architekt war erst in Dresden tätig, dann in Paris und Rom, und er wechselte 1783 an den Koblenzer kurfürstlichen Hof, in dessen Diensten war er auch für das Koblenzer Stadtschloß verantwortlich. Der Auftrag in Bad Bertrich war vergleichsweise bescheidener, denn der Kurfürst nutzte es bei seinen Aufenthalten im Bad als Sommer- und Jagdschloß. Dennoch kostete das Schlößchen damals stolze 11700 Taler. 1794 floh der Architekt vor den französischen Truppen, die nach Einfall in das kurfürstliche Territorium nun auch über Bad Bertrich herrschten, nach Würzburg, und nach der Säkularisierung ging er nach München.

Das kleine Schlößchen besitzt im Erdgeschoß, durch das in West-Ost-Richtung eine Durchfahrt verläuft, von der aus man die beiden zu den heute vom Kurbetrieb genutzten Prunkräumen (Festsaal und seitlich gelegene Gesellschaftsräume) führenden Treppen erreicht, außen rustiziertes Mauerwerk. Im Erdgeschoß befanden sich einst 14 Badekabinen. Die Fassade wird auf der West- wie auf der Ostseite durch einen Giebelrisalit in der Mitte mit Pilastergliederung akzentuiert, Elemente der zeitgenössischen französischen Architektur, frühklassizistische Ideen, die Gärtner von seiner Zeit in Frankreich mitgebracht hatte und hier mit eher heimatverbundenen Bauelementen verschmolz. Die rund geschlossene Tordurchfahrt wird seitlich von zwei ebensolchen Fenstern flankiert. Das Dach ist seitlich tief heruntergezogen, bis unter das Mezzaningeschoß des Mittelrisalites, und oben auf dem Mittelrisalitdach sitzt ein sechsseitiger, geschieferter Uhrturm.

Bauherr war der letzte Kurfürst auf dem Trierer Bischofsstuhl, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (28.9.1739-27.7.1812), Enkel Augusts des Starken. Er war 1763-1768 Fürstbischof von Freising, 1763-1769 Fürstbischof von Regensburg, 1768-1801 Kurfürst und Erzbischof von Trier, und 1768-1803/1812 Fürstbischof von Augsburg. Ferner war er 1768-1794 Fürstabt von Prüm (in Personalunion bis zur Säkularisierung mit Trier verbunden, 1794 Auflösung der Abtei und Vertreibung der Mönche) und 1787-1803 Fürstpropst von Ellwangen. Aus seiner Trierer Zeit gibt es folglich zwei Wappen-Varianten: 1768-1787 ohne Ellwangen und 1787-1803 mit Ellwangen.

Da das Schloß in Bad Bertrich 1786-1787 erbaut wurde, ist hier gerade schon die zweite, spätere Variante im Dreiecksgiebel des Mittelrisalites der östlichen Gebäudeseite zu sehen:

Interessant ist, daß hier Prüm in Feld 3 liegt und Ellwangen in Feld 4. Normalerweise würde man eine umgekehrte Anordnung erwarten, nämlich Ellwangen in Feld 3 und Prüm in Feld 4, weil die Rangfolge im Reichsfürstenrat entsprechend war: Prüm war Platz 33, Ellwangen Platz 29. In der anderen, gemäß ihrer Rangfolge richtigeren Anordnung findet man das Wappen am Rathaus in Niederselters.

Die Komposition enthält einen Orden mit einer weißen, gestürzten Taube auf dem achtspitzigen Ordenskreuz an rot-silbernem Bande.

Die Westseite des Schlößchens hat kein entsprechendes Wappen im Giebel. Beide Seiten haben jedoch am Balkon die kurfürstlichen Initialen "CWE" = "Clemens Wenzeslaus Episcopus" mit entsprechenden Amtsinsignien, Schwert schrägrechts und Krummstab schräglinks, oben in der Mitte der Kurhut. Interessant ist, daß die mit einem Lorbeerkranz behängte Kartusche zwar filigran ist, aber weder Schwert noch Krummstab durchgehen, so als ob es eine geschlossene Fläche wäre, unten aber jenseits des Kartuschenrandes fortgesetzt werden. Zwischen den Buchstaben windet sich ein Band mit daran hängendem achtspitzigen Ordenskreuz hindurch.

In den Jahren 1788-1789 wurde ergänzend das "Kavaliershaus" angebaut, um die Gäste des Fürstbischofs unterzubringen. Heute dient das ehemalige kurfürstliche Schlößchen mit den 1987 nach Originalbefund restaurierten Prunkräumen als "Kleines Kurhaus" und ist Eigentum der Staatsbad Bad Bertrich GmbH. Das "Kavaliershaus" ist heute das "Kurhotel am Kurfürstlichen Schlößchen".

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Johann Andreas Gärtner:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Andreas_G%C3%A4rtner
Clemens Wenzeslaus von Sachsen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Wenzeslaus_von_Sachsen
Franz Xaver Kraus, Clemens Wenceslaus, in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 309–314, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Clemens_Wenzeslaus
Geschichte von Bad Bertrich:
http://www.mosella.de/Bad-Bertrich/default.htm
Kurfürstliches Schlößchen:
http://www.gesundland-vulkaneifel.de/gesundland/kunst-kultur-sehenswertes/burgen-schloesser-ruinen/kurfuerstliches-schloesschen.html
Bad Bertrich:
http://www.mosel-reisefuehrer.de/bad-bertrich.htm
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

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