Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1829
Gundelsheim (Landkreis Heilbronn)

Bannwirtschaft

Dieses Eckhaus in der Altstadt von Gundelsheim ist die ehemalige Bannwirtschaft des Deutschen Ordens "Zum Güldenen Löwen" (Schloßstraße 29, Ecke Neckarstraße). An dieser Stelle wurde einst dem Ritter Götz von Berlichingen am 28.4.1525 die oberste Feldhauptmannschaft über den Heerhaufen der aufrührerischen Bauern aufgezwungen. Der Odenwälder Haufen war unter Führung Georg Metzlers in Gundelsheim angekommen und war damit in bedrohliche Nähe zu Götzens eigenen Besitzungen gekommen. Es mußte notgedrungen einen Vertrag mit den Aufrührern schließen und sich zur Gegnerschaft zum Schwäbischen Bund bekennen. Den Bauernhaufen mangelte es aber an erfahrenen Anführern, und so nötigten sie Götz die Führung des Odenwälder Haufens auf. Das Haus bekam sein heutiges, barockes Aussehen freilich später.

Zwischen den jeweils zweiten Fenstern von rechts des Erdgeschosses und des Obergeschosses befindet sich ein Wappenstein des Komtur Johann Christoph von Buseck (29.8.1687-16.1.1759, amtierte 1728-1759). Er war der Sohn von Philipp Franz Edmund von Buseck (-1700), Herr zu Eppelborn, und Maria Antonia Amelia von Fechenbach zu Sommerau (-1693). Damit steht er in enger Verwandtschaft zu zwei wichtigen Männern der Kirche, denn der erste Fürstbischof von Fulda, Friedrich Franz Ludwig von Buseck, besser bekannt unter seinem Ordensnamen Amand von Buseck (2.2.1685-4.12.1756, amtierte als Fürstabt 1737-1752 und als Bischof 1752-1756), war sein Bruder, und der letzte Fürstbischof von Bamberg, Christoph Franz von Buseck (28.12.1724-28.9.1805, regierte 1795-1802), war sein Neffe. Johann Christoph von Buseck hat in seiner dreißigjährigen Amtszeit sehr viel für den Ausbau der Stadt getan, und seine Figur wurde für historische Rollen-Stadtführungen gewählt, heute verkörpert durch Stadtführer Michael Schlosser.

Das Wappen der Familie von Buseck zeigt in Gold einen schwarzen Widderkopf, die Hörner typischerweise golden, hier jedoch nicht farblich abgesetzt. Sie können farblich variieren, es werden auch rote oder schwarze Hörner beschrieben. Dieser Schild ist unterlegt von einem Deutschordensschild, in Silber ein schwarzes Tatzenkreuz, typischerweise in der Barockzeit silbern gesäumt, hier ist der Saum abweichend golden angestrichen. Die Helmzier ist ein roter Flug, der beiderseits mit einem in drei Reihen silbern-schwarz geschachten Balken und darüber von einem dreilätzigen Turnierkragen belegt ist, der hier, obwohl als Vertiefung im Relief vorhanden, unrichtigerweise nicht farblich abgesetzt ist, standardmäßig aber golden ist, dazwischen Kopf und Hals eines schwarzen Widders wie im Schild. Der Flug der Helmzier ist übrigens Zeichen der älteren, katholischen Linie von Buseck oder von Buseck zu Alten-Buseck; die jüngeren Linien führen nur den Widderrumpf als Helmzier. Die Helmdecken, hier wegen der ausladenden Ornamentik der Kartusche nicht vorhanden, sind typischerweise schwarz-golden.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Gundelsheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gundelsheim_%28W%C3%BCrttemberg%29
Johann Christoph v. Buseck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_von_Buseck
Informationstafel am Haus
Stadtführungen:
http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/neckarsulm......190067
Götz v. Berlichingen:
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen
Bernhard Demel, der Deutsche Orden und die Stadt Gundelsheim, Gundelsheim 1981
Liste der Komture:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Deutschordenskomture_auf_Schloss_Horneck - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/oab_neckarsulm1881/0408

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