Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1853
Leonberg (Landkreis Böblingen)

Grabdenkmäler der Leonberger Stadtkirche: Sebastian Dreher

Dieses Epitaph aus der Vorhalle der Leonberger Stadtkirche ist eng mit den ersten hier vorgestellten Epitaph verwandt, denn bei dem 1519 geborenen und am 4.6.1582 verstorbenen Sebastian Dreher handelt es sich um den Bruder von Justina Dreher. Der einen langen Vollbart tragende Verstorbene steht barhäuptig und aufrecht, den Körper dem Betrachter zugewandt, aber er blickt den Betrachter nicht frontal an, sondern ist minimal schräg zur linken Seite des Reliefs gedreht. Er ist mit einer geschlitzten, über dem Knie endenden Hose bekleidet, aus deren Schlitzen der Füllstoff herausquillt, und er trägt einen locker um die Schultern gehängten kurzen Umhang mit steil aufragendem steifem Kragen, innerhalb dessen eine gefältelte Halskrause zu erkennen ist. Seine rechte Hand hält das auf dem Boden aufgestützte Schwert, die Linke hält einen Hut.

 

Die zwischen zwei Vollwappen angebrachte Inschrift in dem aufgesetzten Rundbogenfeld lautet: "AVFF DEN HEILIGEN PFINGSTMONTAG AN(N)O D(OMI)NI 1582 STARB DER ERNVEST V(N)D FÜRNE(H)M SEBASTIAN DREHER GEWES(E)NER HER(RE)N ALBISCHER AMPTMAN(N) ZV DERDINGE(N) 24. IA(H)R SEINES ALTERS 63. IA(H)R DEM GOTT EIN(E) FRÖ(H)LICHE (A)VFFERSTEHVNG VERLEIHEN WÖLLE AMEN". Sebastian Dreher war der Sohn von Johannes Dreher (1485-1563, Untervogt in Leonberg) und Lucia Volland (1494-1572). Die Familie Dreher gehörte in Leonberg zu den reichen Beamten- und Kaufmannsgeschlechtern und handelte mit Wein, Getreide, Schafen und Wolle. Sie betrieben dazu eine Landwirtschaft und erhielten noch aus zwei Bauernhöfen in Höfingen Getreidekontingente. Sebastian Dreher war Amtmann in Derdingen. Im 16. Jh. gelang es der Familie Dreher, als Beamte alle wichtigen Schlüsselstellen der Stadt Leonberg mit Familienmitgliedern zu besetzen. Sie war damit nicht nur die zweitreichste, sondern auch die einflußreichste und mächtigste Familie der Stadt.

 

Das heraldisch rechte Vollwappen auf dem Aufsatz der Platte ist das der Familie Dreher, in Blau eine auf fünf (2:3) silbernen Kugeln stehende, goldene, doppelbauchige Kanne mit Ausguß, auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken die goldene, doppelbauchige Kanne mit Ausguß auf fünf (2:3) silbernen Kugeln zwischen zwei golden-blau übereck geteilten Büffelhörnern (Siebmacher Band: WüA Seite: 154, handschriftliche Nachträge zum Alten Siebmacher). Dies ist die nach 1545 zutreffende Wappenbeschreibung; die vor dem Diplom vom 18.2.1545 geführte Farbvariante ist bei Justina Dreher zusätzlich beschrieben worden (Siebmacher Band: WüA Seite: 40 Tafel: 31, Rumohrsches Wappenbuch).

Das heraldisch linke Vollwappen auf dem Aufsatz der Platte zeigt einen von drei (2:1) rechtsgewandten Löwenköpfen begleiteten Sparren, auf dem gekrönten Helm ein wachsender Löwe. Das ist das Wappen von Sebastians erster Ehefrau, Ursula Fessler. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg3 Seite: 72 Tafel: 79 unter dem Namen Vessler und im Band: Bg5 Seite: 14 Tafel: 18 unter der Schreibweise Fessler, nach den handschriftlichen Nachträgen zum Alten Siebmacher. Die jeweils angegebene Blasonierung ist: In Blau ein von drei goldenen Löwenköpfen begleiteter goldener Sparren, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein goldener Löwenkopf. Es wird Bezug genommen auf einen Wappenbrief vom 24.7.1471 für die Vettern Georg und Hans Vessler, von Kaiser Friedrich III. zu Regensburg ausgestellt. Der einzige Unterschied ist, daß hier der Löwe wachsend, also nicht nur als Kopf, sondern mit den Vorderpranken dargestellt wird. Interessanterweise wurde dieses Motiv in anderen Farben von einer gleichnamigen Enzberger und Pforzheimer Familie Fessler aufgegriffen, die aber den Sparren noch mit zwei Amtsstäben zur Differenzierung belegten (Wappenführende Geschlechter der Bundesrepublik Deutschland Bd. 16). Nach Ursula Feßler folgten übrigens noch zwei weitere Ehefrauen im Leben des Sebastian Dreher, A. Weinmann und A. Weidenbecker.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Heiner Bruckmann, Margot Dongus und Peter Hartmann: Die Grabdenkmäler der Leonberger Stadtkirche, im Auftrag des Fördervereins zur Rettung der Grabdenkmäler an der Leonberger Stadtkirche, online:
http://www.ev-kirche-leonberg.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/GK.....Stadtkirche__1998_.pdf
Anneliese Seeliger-Zeiss, Volker Trugenberger: "ein seliges end und fröhliche ufferstehung", die Leonberger Grabmäler des Bildhauers Jeremias Schwartz in ihrer sozial- und kunstgeschichtlichen Bedeutung, 1998, Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 5, hrsg. v. d. Stadt Leonberg, Stadtarchiv.
Genealogien:
http://gedbas.genealogy.net/person/ancestors/24724969 - http://gedbas.genealogy.net/person/show/24724969
Wappenführende Geschlechter der Bundesrepublik Deutschland Bd. 16
Volker Trugenberger: Der Leonberger Raum an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit:
http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2009/4021/pdf/Trugenberger_Volker_Der_Leonberger_Raum_an_der_Wende_vom_Mit.pdf

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