Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1947
Rings um Trier: Detzem (Landkreis Trier-Saarburg)

Spolie in der Römerstraße in Detzem

Römerstraße 7 ist die Adresse eines modernen Wohnhauses in Detzem. In eine Wand dieses Hauses ist eine Spolie eingemauert, die von der ehemaligen Burg Detzem stammt und hier bewahrt wurde. Der Stein bietet die Kombination der Wappen Nassau ("NASSAW") und Hanxler ("HANTZLER") zu einem Ehewappen. Von der Jahreszahl ist nur noch die letzte Zahl "2" zu lesen, also 16?2, vermutlich 1662. Das Nassauer Wappen ist das der ottonischen Linie, in blauem und mit goldenen Schindeln bestreuten Feld ein goldener Löwe, rot gezungt, rot bewehrt und ungekrönt, hier aus Courtoisie gewendet, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein schwarzer Flug, belegt mit einem dreimal gewundenen Flechtband, darunter mit gestürzten Lindenblättchen bestreut. Hier steht das Wappen für Hans Georg von Nassau zu Detzem, Sohn von Wolfgang von Nassau zu Detzem und dessen Frau Gertrud Cob von Nüdingen.

Das Wappen Hanxler zeigt in Blau einen schrägrechts gelegten goldenen Maueranker, dessen Enden in gekrönte Schlangenköpfe auslaufen, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein blauer Flug, beiderseits belegt mit einem schräg nach außen gestellten goldenen Maueranker wie im Schild. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 158 Tafel: 207 unter dem Namen Hanxleden, im Westfälischen Wappenbuch (dort stehen die Maueranker in der Helmzier in die andere Richtung schräg), sowie im Zobel auf Tafel 130 unter der Namensvariante Hanseler. Der Stammsitz Hanxleden dieser westfälischen Familie liegt bei Kirchrarbach, unweit Meschede. Neben der Stammlinie, die auch die Herrschaften Körtlinghausen und Herdringen hatte, gab es noch eine Linie zu Bödefeld (erloschen) und eine zu Anröchte (erloschen). Ein Vergleichwappen im Trierer Raum ist übrigens im Trierer Dom an einem Altar zu sehen. Das Wappen als Variante kommt auch in den Tinkturen Silber und Schwarz vor. Hier steht das Wappen für Christina von Hanxler, Tochter von Gerhard von Hanxler zu Oberemt und Christina von Belven.

Ungewöhnlich ist die Kombination wegen der auf den ersten Blick völlig ungleichen gesellschaftlichen Position der Familien, die hier eine eheliche Verbindung eingegangen waren. Doch auf den zweiten Blick erklärt sich das dadurch, daß hier eine Bastardlinie der Nassauer die Vogtei in Detzem innehatte, deren damalige gesellschaftliche Position deutlich niedriger anzusetzen ist. Begründet wurde diese Bastardlinie durch Johann von Nassau, Sohn von Engelbert I. von Nassau-Dillenburg-Breda-Vianden (ca. 1370-3.5.1442), der regulär seit 1404 mit Johanna von Wassenaer und Polanen (1392-1445) verheiratet war und mit ihr vier Söhne und zwei Töchter hatte (Johann, Heinrich, Margarethe, Wilhelm, Maria und Philipp). Seine Frau brachte ihm reichlichen Gebietszuwachs ein, denn sie war als Erbtochter des am 11.8.1394 verstorbenen Johann III. von Wassenaer und Polanen Herrin von Breda, de Lek, Oosterhout und Niervaart. 1417 erbte Engelbert Ansprüche auf die Grafschaft Vianden.

Dessen unehelicher Sohn Johann, ohne jeden territorialen Erbanspruch, bekam zur Versorgung das Amt des Rentmeisters in der Grafschaft Vianden. Johann heiratete Jeannette von der Rouwen und wurde so zum Stammvater einer bis 1773 bestehenden Nassauer Bastardlinie, die mit Philipp Balduin von Nassau zu Detzem endete. Durch Heirat mit einer Erbtochter aus dem Hause Esch bekam der Sohn Johanns, Lamprecht von Nassau zu Detzem, Ansprüche auf die Vogtei im Ort, die in der Stammlinie jeweils bis zum Erlöschen der Linie vererbt wurde. Die Burg in Detzem gelangte so an diese Nassauer Linie. Wer jedoch heute eine richtige Burg in Detzem erwartet, wird bitter enttäuscht, denn die armselige dreiflügelige Baugruppe um einen zwergenhaften Innenhof mit kleinem Torbogen nach Süden zeigt zwar noch einige alte Steine, hat aber nach ihrer Parzellierung gar nichts mehr mit einem repräsentativen Herrensitz zu tun. Von dieser ehemaligen Burg jedenfalls stammt der Wappenstein, der als Spolie seinen Weg in die Wand eines Neubaus in der Römerstraße fand.

Überblick über die Genealogie der Linie von Nassau zu Detzem:

Literatur, Links und Quellen:
Ewald Wegner (Bearbeiter), Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Band 12.2, Kreis Trier-Saarburg, Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich und Trier-Land, Verlag Werner, Worms 1994, ISBN 3-88462-110-6, S. 134-137, online: Spolie: http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=13785, sog. "Burg": http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=13784
Geschichte von Detzem und Sehenswertes:
http://www.moseltouren.de/1-trier-bernkastel-kues/1-15-detzem/index.html
Josef Hilgers, Ad decimum Lapidem, Detzem, die Geschichte eines Moseldorfes, hrsg. von der Gemeinde Detzem und der Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes, Nr. 34 der Reihe Chroniken des Trierer Landes, S. 189-207
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
von Hanxler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hanxleden_%28Adelsgeschlecht%29
Engelbert I. von Nassau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_I._%28Nassau%29
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9, für diese Bastardlinie jedoch nur mit starken Einschränkungen zu gebrauchen. Besser ist die Stammliste in der o. g. Ortschronik von Hilgers.

Spolie am Pfarrhaus

Haus Nassau - ottonische Hauptlinie - Haus Nassau - walramsche Hauptlinie

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