Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2044
Allersheim (zu Giebelstadt, Landkreis Würzburg, Unterfranken)

Das Feuerwehrgerätehaus in Allersheim (ehem. Rathaus)

Ein zweiter Wappenfundort in Allersheim befindet sich direkt an der Hauptstraße: Es handelt sich um das 1624 erbaute historische Rathaus des Ortes, welches nach einem 2001 durchgeführten Umbau als Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr dient. Der unverputzte Steinbau mit Rundbogenportal ist zweigeschossig, und rechts ist eine moderne Wagenausfahrt.

An der Straßenfront ist ein rundes Wappenmedaillon eingelassen, das auf die Geyer von Giebelstadt verweist. Diese hatten am 10.2.1528 Schloß und Ort Ingolstadt vom Würzburger Hochstift erworben, und zu diesem Besitz gehörte auch Allersheim. Am 28.5.1554 floß erneut Geld in die fürstbischöfliche Schatulle, und der Fürstbischof verzichtete im Gegenzug dafür auf das bisher vereinbarte Wiedereinlösungsrecht, wodurch der Lehensbesitz den Geyer von Giebelstadt sicher war. Der Fürstbischof hatte lediglich noch die geistliche und die Hohe Gerichtsbarkeit inne. Die Dorfherrschaft wurde von der Adelsfamilie in der Folgezeit durch Zukäufe ausgedehnt und gefestigt. Die Geyer von Giebelstadt starben kurz nach ihrer Erhebung in den Reichsgrafenstand am 14.5.1685 bereits im Jahr 1708 mit Heinrich Wolfgang Graf von Geyer (17.12.1640-24.8.1708), Herr zu Giebelstadt, Goldbach, Reinsbrunn, Neukirchen und Ingolstadt, Sohn von Wolf Heinrich und Enkel von Hans Heinrich Geyer von Giebelstadt, vermählt mit Helena Juliana von Wolmarshausen, ohne Nachkommen aus.

Die an vielen Stellen über die Ränder des vorgesehenen Feldes hinausgreifende, an manchen Stellen nicht mehr lesbare Inschrift lautet: "ANNO 1624 IST DVRC(H) DEM WOLLETLEN (WOHLEDLEN) VND GESTHRENGEN JOHANN (CHRI)STOF GEIER VON VNT (UND) ZV G..... VND DV.... ....EALIN ...SCH.... DI(E)SES RATH(A)VS ERBAVET".

Heraldisch rechts ist das Wappen der Geyer von Giebelstadt, in Blau ein silberner Bocksrumpf mit goldenen Hörnern, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, silberner Bocksrumpf mit goldenen Hörnern (Schöler Tafel 97, alter Siebmacher von 1605). Heraldisch links ist das Wappen der Marschall von Ebnet, siebenmal silbern-blau geteilt, darüber ein roter, schrägrechter Wellenbalken (Wellenschrägbalken), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, roter, golden bewehrter Einhornrumpf (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 162 Tafel: 167). Dieses Allianzwappen steht für Johann (Hans) Christoph Geyer von Giebelstadt (-1633), königlich schwedischer Obrist-Wachtmeister, Sohn von Philipp Geyer von Giebelstadt zu Giebelstadt, Ingolstadt, Goldbach und Reinsbrunn, und seine Frau, Ursula Margaretha Marschall von Ebnet, Tochter von Sigmund Marschall von Ebnet (-1608) zu Ebnet, Wildenberg und Weingartsgereuth, hochfürstlich bambergischer Rat und Amtmann zu Wachenrod. Johann Christoph hatte noch zwei Brüder, Hans Heinrich, welcher die Hauptlinie fortführte, und Hans Sigmund, der 1631 in Nürnberg im Duell erschossen wurde und keine Nachkommen hinterließ. Mit diesen beiden Brüdern teilte Hans Christoph 1621 das Allersheimer Erbe. Dazu hatten sie noch sechs Schwestern; ein Bruder, Hans Georg, war schon 1617 in Böhmen verstorben, und ein weiterer Bruder, Philipp Conrad, war "blöden Verstandes" und starb 1637. Johann Christoph Geyer von Giebelstadt erließ 1619 eine Marktordnung für Allersheim und 1624 eine Gerichts- und Dorfordnung, das war das gleiche Jahr, in dem er ausweislich der Inschrift das Rathaus erbauen ließ.

An der nordwestlichen Giebelseite ist ein zweites Wappen in das unverputzte Mauerwerk eingelassen. Wie schon am Pfarrhaus springen wir hier zu den zweiten Herren im Ort, dem Kloster Bronnbach und seinen Äbten, welche das Patronatsrecht über die Pfarrei Allersheim ausübten und einigen Grundbesitz im Ort hatten. Das Wappen ist weder datiert noch besitzt es eine zuweisende Inschrift. Die barocke Ovalkartusche, auf der oben eine Inful ruht und hinter der schräglinks der Abtsstab mit abflatterndem Sudarium zu sehen ist, ist durch eine eingebogene Spitze in drei Felder unterteilt. Dabei enthalten die Felder 1 und 2 die für die Abtei Bronnbach typischen Symbole, Feld 1: in Schwarz ein schräglinksgelegter goldener Krummstab (Abtsstab), darüber schrägrechts ein rot-silbern in zwei Reihen geschachter Schrägbalken (Schrägrechtsbalken) für den Zisterzienserorden, Feld 2: in Blau ein goldener, schräggelegter Schalenbrunnen mit zwei Brunnenschalen übereinander und silbern fließendem Wasser, ein redendes Symbol für Bronnbach. Diese beiden Elemente tauchen in allen Wappen der späten Bronnbacher Äbte auf und stehen für die Abtei selbst. Die früheren, vorbarocken Äbte zeigten diesen Aufbau noch nicht und führten reine Privatwappen.

 

Die eingebogene Spitze (Feld 3) enthält das persönliche Symbol des Abtes Joseph Hartmann, der als 49. Abt 1699-22.12.1724 die Geschicke des Klosters lenkte, auf einem Grund ein frontal dargestellter Geharnischter mit Helm, welcher in seiner ausgestreckten Rechten eine Blume (oder mehrblütige Pflanze) hält und die Linke in die Hüfte stemmt. Trotz Verwitterung ist insbesondere an den Schultern der Harnisch gut zu sehen, auch die waagerechten Lamellengrenzen an den Oberschenkeln sind zu erkennen. Joseph Hartmann war einer der vier in der Barockzeit aufeinander folgenden Äbte, die durch rege Bautätigkeit der Abtei zu neuem Glanz verhalfen und deren Bauten das heutige Aussehen des Klosters prägen. Er ließ 1705 ein neues Konvents- bzw. Hospitalgebäude errichten und 1722-1724 das Refektorium umbauen. Ein wesentlich besser erhaltenes Vergleichswappen befindet sich an besagtem Refektorium von Bronnbach, an dem auch ein Wappen seines Nachfolgers zu sehen ist. Abt Joseph Hartmann begann mit dem Neubau, aber der baufreudige Abt stürzte 1724 so schwer vom Gerüst seines Neubaus, daß er verstarb. Vollendet wurden Refektorium und Ausstattung der repräsentativen Säle 1725 unter seinem Nachfolger. Weitere Wappen von Abt Joseph Hartmann befinden sich im Bronnbacher Kloster am 1710 entstandenen Thron des Landesfürsten auf der Rückwand als Holzeinlegearbeit, am 1704/06 entstandenen Stephanusaltar und über dem Nordeingang des Krankenhauses. Das Motiv aus Feld 3 findet sich als Einzelwappen über dem Eingang zum Gasthaus von 1715. Ein weiteres Wappen von 1713 ist über dem Portal der Kirche in Reicholzheim zu sehen, und noch eines an der Dörlesberger Kirche.

Wie sahen die Wappen seiner anderen Amtskollegen aus? Sein Amtsvorgänger Franz Wundert (1670-10.9.1699) hatte als Wappen bei ansonsten gleichem Aufbau in Feld 3 eine gekrönte Melusine, welche mit der rechten Hand nach oben deutet und mit der linken Hand einen der beiden Fischschwänze ergreift, über ihrem Kopf drei (1:2) sechszackige Sterne (Tinkturen unbekannt). Ein solches Wappen aus dem Jahr 1674 ist im Kloster Bronnbach am Dormitorium zu sehen. Sein Amtsnachfolger Engelbert Schäffner (1724-21.8.1752) hatte als Wappen bei ansonsten gleichem Aufbau in Feld 3 in grünem Feld den Mann mit den beiden Schlüsseln, der beim Pfarrhaus beschrieben wurde. Und der auf diesen folgende Abt Ambrosius Balbus (29.8.1752-27.6.1783) hat in seinem Wappen, das in dem Außenfresko der Orangerie in Bronnbach auf der Pyramide in der Freskenmitte zu sehen ist, einen ganz anderen Aufbau: Es ist geviert aus den beiden Klosterkomponenten (Feld 1 und 4: Krummstab mit Zisterzienserbalken, Feld 2 und 3: Brunnen) mit einem Herzschild mit dem persönlichen Wappen, welches einen Adler über zwei erniedrigten Sparren enthält. Alternativ ist eine Verteilung der drei Elemente auf drei Einzelschilde möglich, so in Bronnbach zu sehen am Chorgestühl oder innen in der Sakristei über dem Fenster. Und der allerletzte Abt von Bronnbach, Heinrich Göbhardt (5.8.1783-1803) hatte in besagtem 3. Feld in Schwarz zwei schräggekreuzte, gestürzte Schwerter, von einem sechszackigen goldenen Stern überhöht. Die drei Komponenten sind im Siebmacher als Komposition aus drei Einzelschilden dargestellt. Zu dem Wappen wird als Kleinod auf schwarz-golden bewulstetem Helm ein wachsender Mann in golden-schwarz gespaltenem Rock und mit schwarzer, golden gestulpter Zipfelmütze geführt, der zwei schräg nach außen gerichtete Schwerter vor sich hält.

Übrigens hat die Freiwillige Feuerwehr Allersheim sich genau dieses Wappen des Abtes Joseph Hartmann als Ärmelzeichen gewählt, wobei für Feld 3 als Feldfarbe Grün genommen wurde und für den Geharnischten Gold, einerseits ein gut gemeintes Fortführen der Tradition, andererseits eine Usurpation eines personell an Abt Joseph Hartmann gebundenen Amtswappens, das niemandem sonst zusteht.

Zur Übersicht die Liste der Bronnbacher Äbte:

Literatur, Links und Quellen:
Wappen der Abtei Bronnbach: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 97 Seite 245
Äbteliste:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Bronnbach/Äbte
Liste der Baudenkmäler
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Giebelstadt
Giebelstadt und Ortsteile:
http://giebelstadt.de/Eigene_Dateien/download/gie_kultur_deutsch_schrift.pdf
Pfarreiwesen Allersheim: http://www.allersheim.com/niederschriften/chronik/das-pfarreiwesen
Geschichte Kloster Bronnbach:
http://www.kloster-bronnbach.de/showpage.php?Kloster/Geschichte/1153_1803&SiteID=39
Kloster Bronnbach:
http://www.leo-bw.de/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_kloester/188/Zisterzienserabtei+Bronnbach
Kloster Bronnbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bronnbach
Kloster Bronnbach:
http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kloester/zisterz/bronnb/bronnbach1.htm
Kloster Bronnbach:
Jahrbuch für das Badner Land. (Badische Heimat). 1985 S. 107 - 114
Alfred Friese, Die Zisterzienserabtei Bronnbach, Mainfränkische Hefte, Heft 30, 1958
Leonhard Scherg, die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter, Mainfränkische Studien, Bd. 14, 1976
Kloster Bronnbach: Adolph von Oechelhäuser, die Kunstdenkmäler des  Großherzogtums  Baden,  Bd. 4,  Kreis  Mosbach, l. Abt. Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim, Freiburg i. B., 1896
Kloster Bronnbach:
http://www.leo-bw.de/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_kloester/188/Zisterzienserabtei+Bronnbach
Vergleichswappen Hartmann am Refektorium Bronnbach:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e8/Kloster_Bronnbach_Wappen_Refektorium_20070714_2.jpg
Bronnbacher Äbte: Joachim Heinrich Jäck, Galerie der vorzüglichsten Klöster Deutschlands, Nürnberg 1831, S. 105-108, online:
http://books.google.de/books?id=assDAAAAcAAJ
Wappen Wundert und Wappen Göbhardt: Siebmacher Band Klöster, S. 93, Tafel 106
Wappen Wundert:
http://www.leo-bw.de/media/labw_kloester/current/generated/fromurl/leobild_phptyp=4e6z584tr&nr=188&bild=565.jpg.pv.jpg
Kloster Bronnbach:
http://www.cistopedia.org/fileadmin/user_upload/abbeys/B/Bronnbach/Bronnbach%20mit%20Bildern.pdf
Geschichte von Allersheim, Grundherrschaften und Chronik:
http://www.allersheim.com/niederschriften/chronik/grundherren-in-allersheim und http://www.allersheim.com/niederschriften/chronik sowie http://www.allersheim.com/niederschriften/chronik/geschichte-des-dorfes
Freiwillige Feuerwehr Allersheim:
http://www.ffwallersheim.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=36&Itemid=10
Genealogie Marschall von Ebnet: Geschlechtsregister der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg
http://books.google.de/books?id=49JDAAAAcAAJ
Genealogie Geyer von Giebelstadt: Genealogie der hohen Grafen-Häuser im fränkischen Crayse.- Erlangen, J. Fr. Becker 1745-1771
http://books.google.de/books?id=3CVRAAAAcAAJ
Geyer von Giebelstadt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geyer_von_Giebelstadt
Heike Düselder, Olga Weckenbrock, Siegrid Westphal (Herausgeber), Adel und Umwelt: Horizonte adeliger Existenz in der Frühen Neuzeit, Böhlau-Verlag 2008, 384 S., ISBN-10: 3412201316, ISBN-13: 978-3412201319, S. 230-231
Gerhard Wissmann, Kloster Bronnbach, ein Gang durch die Geschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei im Taubertal, hrsg. von der Sparkasse Tauberbischofsheim

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