Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2045
Ochsenfurt (Landkreis Würzburg, Unterfranken)

Das alte Feuerwehrhaus in Ochsenfurt (ehem. Rentamt)

In Hinterhof der Ochsenfurter Touristinformation kann man einen stattlichen Wappenfund machen: Das Rückgebäude in der Hauptstraße 39 ist das ehemalige Rentamtsgebäude, 1525-1528 als Rentamt und Zehntspeicher erbaut. Es ist landläufig als altes Feuerwehrhaus bekannt. Das Anwesen, das lange im Besitz der Stadt Ochsenfurt war und zuletzt unten den Schulungsraum der Feuerwehr enthielt, oben vermietet war und schließlich leerstand, wurde 2013 an die Wohnbaugesellschaft Maiberg mit Sitz in Nürnberg verkauft und wird demnächst wieder Wohnzwecken dienen. Neben der unten beschriebenen Sandsteintafel an der Nordseite des Gebäudes ist besonders der dreistöckige Dachstuhl mit hölzernen Andreaskreuzen bauhistorisch wertvoll.

Abb.: Vordergebäude in der Hauptstraße 39. Durch den Torbogen gelangt man zum Rückgebäude.

Die Inschrift im unteren Bereich des Steines lautet: "Nach christi geburt m d xxv (1525) ja(h)r umb chiliani hat der E(h)rw(ü)rdig(e) durchleuchtig(e) hochgebor(e)n(e) Fürst und her(r) herr Fri(e)drich marggrave zw Brandennburg Et Thumprobst zu Würtzb(u)rg dies(en) paw vo(n) neuem aus dem grundt an(ge)fah(ng)e(n) und umb Bartholomei des xx viii Ja(h)r vollende(t)." Dies erklärt, warum hier ein markgräfliches Wappen mitten in würzburgischem Hoheitsgebiet auftaucht - der Bauherr war ein Würzburger Dompropst aus dieser Familie: Friedrich Markgraf von Brandenburg-Ansbach (17.1.1497-20.8.1536) war der Sohn von Friedrich Markgraf v. Brandenburg-Ansbach (8.5.1460-4.4.1536) und Sofia Jagiellonica Prinzessin von Polen (6.5.1464-5.10.1512). Der Bauherr war damit ein Enkel des Königs Kasimir IV. von Polen. Er stand als katholischer Geistlicher und Gegner der Reformation eher in Opposition zum Ansbacher Hof und stellte sich gegen die Politik seines dort herrschenden Bruders Georg Markgraf v. Brandenburg-Ansbach (4.3.1484-27.12.1543), der übrigens auch einmal Domherr in Würzburg war, nämlich 1498-1506, aber schon früh ein Anhänger Luthers wurde und die Reformation in seinen Gebieten einführte. Friedrich wurde am 10.2.1511 Domherr in Würzburg, und er war dazu auch Domherr in Mainz und Chorherr in Salzburg. Im Jahre 1513 wurde er Dompropst in Würzburg, 1516 Propst zu St. Gumbertus in Ansbach. Dazu war er auch noch Propst des Stifts Haug in Würzburg. Im Bauernkrieg 1525 war er Kommandant der Festung Marienberg in Würzburg und hielt die Festung, bis der geflohene Fürstbischof Konrad II. von Thüngen zurückkehren konnte. Auch in Ochsenfurt gab es 1525 Aufstände. Am 21.8.1536 wurde er im Kloster S. Domenico in Genua begraben, er kam dorthin im Gefolge des Heerzuges von Kaiser Karl V., und er wurde ein Opfer der Pest. Im Würzburger Dom befindet sich ein Epitaph aus weißem Marmor für ihn mit den Schilden für Brandenburg, Sachsen, Bayern und Österreich auf der Schwertseite, sowie für Polen, Österreich, Meißen und Böhmen auf der Spindelseite.

 

Der Schild ist zweimal geteilt und zweimal gespalten: Feld 1: Burggrafschaft Nürnberg, innerhalb eines rot-silbern gestückten Bordes in Gold ein schwarzer doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt, gezungt und bewehrt, Feld 2: Markgrafschaft Brandenburg, in Silber ein roter Adler, golden bewehrt, auf den Saxen belegt mit sog. Kleestengeln (Kleeblattsichel), Feld 3: Herzogtum Stettin, in Blau ein roter Greif, silbern gekrönt, golden bewehrt, Feld 4: Herzogtum Wenden, in Silber einwärts gewendet ein von Rot und Grün mehrfach schräglinksgeteilter Greif, Feld 5: Hohenzollern, silbern-schwarz geviert, Feld 6: für das Herzogtum Cassuben (eigentlich aber zum zweiten Mal das Herzogtum Wenden), in Silber ein von Grün und Rot mehrfach schräglinksgeteilter Greif, Feld 7: Herzogtum Pommern, in Silber ein roter, golden bewehrter Greif, Feld 8: Regalien, ein lediges rotes Feld, Feld 9: Fürstentum Rügen, golden-blau geteilt, oben ein wachsender schwarzer Löwe, rot gekrönt und ebenso bewehrt, unten ein aus roten Steinen gemauerter Stufengiebel.

Drei Helme trägt das Wappen: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein niedriger roter Hut mit Hermelinaufschlag, aus dem Hut ein schwarzer rotgekrönter Löwe wachsend oder sitzend, zwischen zwei rot-silbern mehrfach gestückten Büffelhörnern, für die Burggrafschaft Nürnberg, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Flug, belegt mit einer halbkreisförmig gebogenen Kleeblattsichel, mit silbernen Lindenblättchen bestreut, für die Markgrafschaft Brandenburg, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Pfauenstoß/Pfauenspiegel, für das Herzogtum Pommern. Der silbern-schwarz gevierte Brackenrumpf (Stammkleinod Hohenzollern) mit schwarz-silbernen Helmdecken taucht gar nicht mehr auf.

Literatur, Links und Quellen:
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Franz Machilek, Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Dompropst zu Würzburg, (1497-1536) 1984, 39 S.
Beschreibung seines Epitaphs mit Lebenslauf in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 361
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Brandenburg-Ansbach_(1497-1536)
Gerhard Meissner, Artikel: Ochsenfurt - Feuerwehrhaus wird verkauft, erschienen in der Mainpost
http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Feuerwehrhaus-wird-verkauft;art779,7295724

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