Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2048
Absberg (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Mittelfranken)

Deutschordensschloß Absberg

Schloß Absberg im gleichnamigen Ort ist eine nach Norden gerichtete dreiflügelige Anlage von drei Geschossen Höhe. Der Westflügel ist zum Marktplatz hingewandt und enthält den Hauptzugang (Abb. unten). Der Südflügel blickt auf den Kleinen Bronnbachsee, und der Ostflügel, welcher länger als der Westflügel ist, ergänzt die hufeisenförmige Anlage. Im Norden des Hofes schließen zwei moderne Gebäude entlang der Deutschordensstraße die Bebauung. Das Schloß wird durch Eckrisalite akzentuiert, wobei durch die größere Länge der dem nordwestlichen Eckrisalit entsprechende Baukörper im Ostflügel zum Mittelrisalit wird. Das Sockelgeschoß ist in Fugenrustika gehalten und mit einem Gesims abgesetzt; die beiden oberen Geschosse werden durch Lisenen und Horizontalbänder gegliedert.

Absberg war eigentlich ein Ort der Herren von Absberg, die aber mit Hans Veit 1647 ausgestorben waren. Die Erbstreitigkeiten dauerten bis 1651/52, und als das geklärt war, erwarb der Deutsche Orden den Ort als Reichslehen. Die Vogtei in Absberg unterstand der Landkommende in Ellingen, die für die Verwaltung der Ballei Franken zuständig war. Mit dem dreiflügeligen Neubau wurde es ein repräsentativer Ordensbau: Das Schloß ist ein 1723-1726 unter der Regierung des Landkomturs Karl Heinrich von Hornstein entstandener Bau, entweder ein Werk des Deutschordensbaumeisters Franz Keller oder von Gabriel de Gabrieli. In der östlichen Hälfte des südlichen Flügels befindet sich die spätbarocke, 1727 eingerichtete Schloßkapelle, für die die Stuckdekorationen von Franz Joseph Roth angefertigt wurden und die 1834 zur katholischen Pfarrkirche St. Ottilia umgebaut wurde. Von außen ist die Kirche nur durch den Dachreiter markiert, ansonsten gibt es im äußeren Bild keine Abhebung von den profan genutzten Bereichen des Schlosses, sie ordnet sich völlig dem Rhythmus der Baukörper und Fenster unter. Auch wenn mit den Deutschherren der Katholizismus in Absberg Einzug hielt, der Ort selbst war und blieb jedoch protestantisch. Die Stuckdekorationen im Schloß selbst stammen vom gleichen Meister, leider ging 1969 bei einem Brand Vieles im Schloß verloren.

Bis zur Rheinbundakte 1806 gehörte Absberg dem Deutschen Orden, danach kam es an das Königreich Bayern. Das Schloß kam in private Hände, und ab 1909/10 wird es von der Regens-Wagner-Stiftung in Dillingen als Pflegeheim "St. Ottilien" für behinderte Menschen geführt. Es kann nur von außen besichtigt werden, die ehemalige Schloßkapelle ist aber frei zugänglich.

Heraldisch von Interesse ist das große Wappen des zur Bauzeit amtierenden Deutschordenshochmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg über dem Westportal, das in dieser Form 1729-1732 geführt wurde, also frühestens 1729 angebracht worden sein kann, weil der kleinste Schild bereits das Mainzer Rad zeigt. Sein Wappen ist aufgeteilt in Hauptschild, Mittelschild, Hochmeisterkreuz und Herzschild und nochmals einen winzigen Schild auf diesem, hat also rein formal 5 (!) Ebenen übereinander. Der Hauptschild enthät das Familienwappen, also amtsunabhängige Komponenten, die auch während der Lebenszeit des Wappenträgers nicht verändert wurden. Der Mittelschild enthält Amtswappen, die im Laufe seiner Karriere Änderungen erfuhren. Zwischen Mittelschild und Herzschild liegt das Hochmeisterkreuz, der Herzschild mit dem schwarzen Adler in Gold gehört zu ihm. Das winzige Herzschildchen ganz obenauf ist wieder ein kirchenamtsabhängiges Detail.

Der Mittelschild enthält ausschließlich geistliche Ämter. Er ist geviert und hier teilweise mißfarbig:

Die dritte und vierte Ebene des Wappens bildet das über alles gelegte Hochmeisterkreuz, ein schwarzes durchgehendes Kreuz, belegt mit einem goldenen Lilienkreuz. Der Herzschild ist golden und zeigt als Figur einen schwarzen Adler. Das aufgelegte kleinste Schildchen zeigt in Rot ein silbernes, achtspeichiges Rad für das Erzstift Mainz. Das Oval des Wappenschildes wird eingefaßt von einer barocken Kartusche, auf deren oberen Teilen ein Fürstenhut ruht und hinter der schrägrechts ein gestürztes Schwert und schräglinks ein Krummstab stecken. Die ganze Komposition wird eingerahmt von militärischem Dekor, Trophäen, Kanonenrohren, Schwertern, Fahnen, Deutschordensbannern und Deutschordensschilden.

Weitere Wappen (ohne Abb.) sind im Innern der ehem. Schloßkapelle zu sehen: An der Kanzel ist das Vollwappen des Landkomturs Friedrich Carl von Eyb (1748-64) oben auf dem Schalldeckel, am Hochaltar ist das Wappen des Bamberger und Würzburger Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal, und an der Wand über der Sakristeitür ist das Wappen des Würzburger Bischofs Matthias Ehrenfried, der aus dem Ort stammte (geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Blau drei silberne Getreideähren, Feld 2 und 3: in Rot eine silberne Sichel, Herzschild: von Rot und Silber mit drei Spitzen geteilt), überhöht von einem Absberger Kommunalwappen (in Silber über schwarzem Dreiberg ein eingebogener roter Sparren), und das vierte Wappen gehört zu Landkomtur Carl Heinrich von Hornstein, dem Bauherrn des Schlosses, und ist an der Emporenstirnseite angebracht. Dessen Wappen sehen wir übrigens auch am Pfarrhaus.

Literatur, Links und Quellen:
Denkmalliste: http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_577111.pdf
Absberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Absberg
Schloß Absberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Absberg
Schloß Absberg:
http://absberg.de/web/index.php/kultur-und-geschichte
Regens-Wagner-Stiftung:
http://regens-wagner-absberg.de/hp1/Startseite.htm
Schloß Absberg:
http://www.seenlandportal.de/freizeitangebote/burgen-und-schloesser.html
Schloßkirche:
http://de.wikipedia.org/wiki/St._Ottilia_(Absberg)
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg:
http://www.franzludwig.de/ - http://www.franzludwig.de/wp-content/uploads/2010/02/Spuren_als_HM.pdf - http://www.franzludwig.de/wp-content/uploads/2010/02/bautaetigkeit.pdf insbes. S. 42-43 - http://www.franzludwig.de/wp-content/uploads/2010/02/FranzLudwigHochm.Regiment.pdf

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