Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2076
Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)

Das Spital von Weikersheim

In der Schulstraße 7 befindet sich das ehemalige Spital von Weikersheim, ein zweistöckiges, barockes Gebäude von neun Fensterachsen Breite und mit einem kleinen, schmiedeeisernen Glockentürmchen über der durch ein Zwerchhaus erhöhten Mittelachse. Es wurde unter Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim im Jahr 1745 erbaut, wie der Türsturz verrät. Heute wird das Gebäude teilweise als Stadtbibliothek genutzt, außerdem sind hier noch eine gynäkologische Gemeinschaftspraxis und ein Ingenieurbüro für Bauwesen untergebracht.

Als Bauschmuck finden wir über dem in der Mittelachse angeordneten Portal ein Allianzwappen für Carl Ludwig Graf von Hohenlohe-Weikersheim und Gleichen (23.9.1674-5.5.1756), Direktor des fränkischen Reichsgrafenkollegiums, und seine zweite Ehefrau Elisabeth Friderica Sophia Prinzessin v. Oettingen-Oettingen (14.3.1691-14.5.1758) im gesprengten Dreiecksgiebel. Beide Wappenkartuschen sind oval und einwärtsgeneigt und werden von einer üppigen, asymmetrischen Rocaille-Kartusche eingefaßt.

Das Wappen für Carl Ludwig Graf von Hohenlohe-Weikersheim und Gleichen (23.9.1674-5.5.1756) befindet sich heraldisch rechts und ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber zwei schwarze, rotgezungte Leoparden, Stammwappen Hohenlohe, Feld 2 und 3: geteilt, oben in Schwarz ein schreitender goldener Löwe, rot gezungt und golden gekrönt, unten golden-schwarz gerautet, Herrschaft Langenburg, Herzschild: in Blau ein silberner, golden gekrönter Löwe, Grafschaft Gleichen.

Das Wappen für Elisabeth Friderica Sophia Prinzessin v. Oettingen-Oettingen (14.3.1691-14.5.1758) zeigt im eigentlich mit stehenden roten und gestürzten goldenen Eisenhütlein zu vier Reihen dreimal geteilten Schild einen blauen Herzschild, über allem ein silberner Schragen. Hier ist bei der Tingierung etwas durcheinander gekommen, denn in den beiden mittleren Reihen stößt überall Farbe an Metall, in den beiden oberen resp. unteren Reihen sind die Farben der aufrechten und gestürzten Eisenhüte vertauscht worden, so daß die Basen gleicher Farbe aneinanderstoßen.

Von besonderem Interesse ist der unter dem Schild hängende dänische Elefantenorden, der den Wappeneigner als Ritter dieses Ordens ausweist. Das Abzeichen des Elefantenordens, des höchsten Ritterorden Dänemarks, ist ein silberner Elefant mit einem Kreuz auf der Seite. Der sonst übliche Turm auf dem Rücken des Elefanten fehlt hier. Carl Ludwig Graf von Hohenlohe war am 28.11.1738 in Friedrichsburg unter König Christian VI. aufgenommen worden, zusammen mit einem einzigen anderen neuen Ordensritter, Ernst Casimir Reichsgraf von Isenburg und Büdingen. Die Aufnahme in diesen Orden erlangte im Haus Hohenlohe außerdem nur noch viel später Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (8.9.1828-14.2.1896).

Insgesamt drei Schriftbänder ergänzen die Komposition: Die Initialen der maximal abgekürzten inschriftlichen Zuordnung stehen für Carl Ludwig Graf von Hohenlohe und Gleichen Herr zu Langenburg und Cranichfeld.

Ebenso ist der Name seiner Frau bis auf die Initialbuchstaben abgekürzt: Elisabeth Friderica Sophia Fürstin von Hohenlohe und Gleichen geborene Prinzessin von Oettingen. Durch geschickte Wahl der erwähnten Titel kommen so beide Partner des standesmäßig unterschiedlichen Paares auf je zwölf Buchstaben. Soweit waren sie gleich, aber der wahre Unterschied eröffnet sich in einem winzigen Detail, eigentlich in einem einzigen Buchstaben: Er nennt sich Graf von Hohenlohe, sie bezeichnet sich jedoch als Fürstin von Hohenlohe - diesen Titel gab es nicht in dieser Linie zu Weikersheim, sondern ab dem 21.5.1744 bzw. 7.1.1764 in anderen Linien. Deshalb war sie durch ihre Heirat auch keine Fürstin mehr, sondern Gräfin von Hohenlohe; als Prinzessin von Oettingen und Fürstentochter kam für sie jedoch, die rangmäßig viel höher stand als ihr Ehemann, von ihrem Selbstverständnis her nur der Fürstentitel in Frage, auch wenn es strenggenommen eine Anmaßung war, aber aus Höflichkeit von der Hofgesellschaft beachtet wurde. Genauso ließ sie sich respektvoll an ihrem Hof "Serenissima" titulieren, "durchlauchtigste Fürstin", und sie verwendete bei ihren Briefen als Signatur ebenfalls "Fürstin von Hohenlohe, geborene Prinzessin von Oettingen". Diese kleine Eitelkeit tröstete sie wohl über die Heirat mit einem rangniedrigeren Grafen hinweg.

Ganz unten steht auf einem dritten Schriftband die Devise: Sola bona quae honesta - allein das ist gut, was ehrbar ist. Diese Devise ist verbreitet, man findet sie z. B. auch auf Münzen des Welfen Ernst August des Älteren (1679-1698), desgleichen wird sie von der uralten britischen Familie Archer verwendet, die in Warwickshire ansässig war, weiterhin im britischen Kommunalwappen von Royal Leamington Spa (zu Warwick).

Der Standesunterschied zwischen den beiden Ehepartnern wird auch in den unterschiedlichen Kopfbedeckungen deutlich: Er führt die Grafenkrone, sie den Fürstenhut. Auch diese Ehe reiht sich ein in die geschickte Heiratspolitik, Ehen mit zwar weniger vermögenden, aber gesellschaftlich höherstehenden Frauen zur Aufwertung des eigenen Hauses einzugehen.

Literatur, Links und Quellen:
Dänischer Elefantenorden: http://kongehuset.dk/publish.php?dogtag=k_en_his_ord
J. H. F. Berlien, Der Elephanten-Orden und seine Ritter, Kopenhagen 1846, online:
http://books.google.de/books?id=-BAZAAAAYAAJ
Hinweistafel am Objekt
Schloß Weikersheim in Renaissance und Barock, Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe, Staatsanzeiger Verlag (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Mai 2006, ISBN 3-929981-58-0

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