Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2083
Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)

Die ehem. Hofstube im Schloß (sog. Säulenhalle)

Die ehemalige Hofstube, auch Säulenhalle genannt, ist ein Erdgeschoßraum im Südflügel (Saalbau) des Weikersheimer Schlosses, direkt westlich des Durchganges zum Schloßgarten gelegen. In diesem Raum sind insgesamt 81 Wappendarstellungen zu finden. Davon entfallen 3 auf den gußeisernen Ofen in der Südwestecke, 3 sind über den Türen zu sehen, und weitere 75 auf einer Ahnentafel, die in einem separaten Kapitel beschrieben wird.

 

Der schlanke, auf 1708 datierte Ofen aus Eisengußplatten besitzt auf seinem kubischen unteren Teil auf allen drei sichtbaren Seiten das gleiche Wappen mit der namentlichen Zuordnung Carl Ludwig Graf von Hohenlohe und Gleichen Herr zu Langenburg und Cranichfeld (23.9.1674-5.5.1756). Zwei doppelschwänzige, männliche Löwen dienen als Schildhalter, mit einer Pranke den Schild und mit der anderen die darüber befindliche Krone haltend.

Das Wappen von Carl Ludwig Graf von Hohenlohe und Gleichen ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber zwei schwarze, rotgezungte Leoparden, Stammwappen Hohenlohe, Feld 2 und 3: geteilt, oben in Schwarz ein schreitender goldener Löwe, rot gezungt und golden gekrönt, unten golden-schwarz gerautet, Herrschaft Langenburg, Herzschild: in Blau ein silberner, golden gekrönter Löwe, Grafschaft Gleichen.

Weil in allen plastischen Hohenloher Wappen in diesem Raum der Herzschild Gleichen auftaucht, sei an dieser Stelle auf die Geschichte dieses Feldes und der dahinterstehenden thüringischen Besitzungen näher eingegangen. Die Grafschaft Gleichen lag in Thüringen bei Erfurt. Stammsitz der Grafen von Gleichen-Tonna war die bei Gotha gelegene Burg Tonna. Die später namengebende Burg Gleichen war ein Mainzer Lehen, und die Grafen standen als Vögte von Erfurt in kurmainzischen Diensten. 1290 aber schon verkauften sie die Vogtei an die Stadt Erfurt. Seit 1170 hatten die Grafen die Vogtei über Ohrdruf, welches sie 1342 gänzlich erwarben und 1550 zu ihrer Residenzstadt machten, wo sie Schloß Ehrenstein erbauen ließen. Die Grafen waren auch Gefolgsleute der Markgrafen von Meißen.

Der letzte Graf von Gleichen war Johann Ludwig Graf von Gleichen-Tonna (1565-1631), Sohn von Georg II. Graf von Gleichen-Tonna (1509-24.9.1570) und dessen zweiter Frau Walburg Gräfin von Pyrmont und Spiegelberg (-22.7.1599). Johann Ludwig war zwar mit Erdmuthe Juliane von Hohnstein (11.5.1587-28.7.1633) verheiratet, der Tochter von Ernst VII. Graf von Hohnstein-Klettenberg (24.3.1562-8.7.1593) und Juliane von Barby (1562-8.11.1590), doch das Paar blieb kinderlos. Wie sah es mit Johann Ludwigs Geschwistern aus? Aus der ersten Ehe seines Vaters mit Elisabeth von Plesse (28.6.1531-1556) gab es als Halbgeschwister Wolfgang von Gleichen-Tonna (starb jung), Siegmund Graf von Gleichen-Tonna (1553-16.5.1578), Elisabeth von Gleichen-Tonna (1554-19.7.1615) und Margarethe von Gleichen-Tonna (28.5.1556-14.1.1619). Alle drei starben also vor ihm. Aus der zweiten Ehe seines Vaters gab es neben Johann Ludwig noch die Brüder Philipp Ernst Graf von Gleichen-Tonna (4.10.1561-18.11.1619) und Georg von Gleichen-Tonna. Auch diese drei starben alle vor ihm. Philipp Ernst hatte Anna Agnes von Hohenlohe-Weikersheim (2.9.1568-8.9.1616) geheiratet, die Tochter von Wolfgang Graf von Hohenlohe-Weikersheim (14.6.1546-28.3.1610) und Magdalena von Nassau (15.12.1547-16.5.1633), aber das Paar blieb kinderlos.

Der letzte Graf von Gleichen war Johann Ludwig Graf von Gleichen-Tonna (1565-17.1.1631), Sohn von Georg II. Graf von Gleichen-Tonna (1509-24.9.1570) und dessen zweiter Frau Walburg Gräfin von Pyrmont und Spiegelberg (-22.7.1599). Johann Ludwig war zwar mit Erdmuthe Juliane von Hohnstein (11.5.1587-28.7.1633) verheiratet, doch das Paar blieb kinderlos. Wie sah es mit Johann Ludwigs Geschwistern aus? Aus der ersten Ehe seines Vaters mit Elisabeth von Plesse (28.6.1531-1556) gab es als Halbgeschwister neben dem jung verstorbenen Wolfgang noch Siegmund Graf von Gleichen-Tonna (1553-16.5.1578), Elisabeth von Gleichen-Tonna (1554-19.7.1615) und Margarethe von Gleichen-Tonna (28.5.1556-14.1.1619). Alle vier starben also vor ihm. Aus der zweiten Ehe seines Vaters gab es neben Johann Ludwig noch die Brüder Philipp Ernst Graf von Gleichen-Tonna (4.10.1561-18.11.1619) und Georg von Gleichen-Tonna. Auch diese beiden starben alle vor ihm. Philipp Ernst hatte Anna Agnes von Hohenlohe-Weikersheim (2.9.1568-8.9.1616) geheiratet, die Tochter von Wolfgang Graf von Hohenlohe-Weikersheim (14.6.1546-28.3.1610) und Magdalena von Nassau (15.12.1547-16.5.1633), aber das Paar blieb kinderlos.

Diese Verschwägerung bildete die Basis für eine am 27.4.1621 vom Haus Hohenlohe mit dem Grafen Johann Ludwig von Gleichen angesichts des vorauszusehenden Aussterbens geschlossene Erbverbrüderung, genauer wurde die Erbverbrüderung zwischen dem Grafen Johann Ludwig zu Gleichen einerseits und den Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe-Weikersheim, Kraft von Hohenlohe-Neuenstein und Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg wegen der Obergrafschaft Gleichen andererseits, sowie mit den Grafen von Schwarzburg (Vertrag vom 12.3.1623), dem Schenken zu Tautenburg (Vertrag vom 1.5.1621), den Grafen von Waldeck und den Grafen von Nassau mit Zustimmung der Herzöge zu Sachsen-Coburg und Sachsen-Eisenach geschlossen. Letztere hatten angesichts des bevorstehenden Todes des Grafen Johann Ludwig zu Gleichen durchaus ein Interesse an der rechtzeitig geplanten Abwehr von territorialen Ansprüchen des Stiftes Hersfeld und von Kurmainz. 

Als 1631 der Ernstfall eintrat und das Grafenhaus Gleichen-Tonna völlig verschuldet im Mannesstamm erlosch, nahmen die Grafen von Hohenlohe, an die gemäß dem Vertrag von 1621 die Obergrafschaft Gleichen gefallen war, zusätzlich den Titel eines Grafen von Gleichen an. Die Grafen von Hohenlohe-Neuenstein und Hohenlohe-Langenburg bekamen als ihren Anteil am zu verteilenden territorialen Kuchen den Mittelpunkt Ohrdruf (Stadt und Schloß), Emleben, Schwabhausen, Petriroda, Wechmar, Petzigrode, Wanningsroda, Pferdingsleben (eine Exklave nordöstlich von Gotha) und Werningshausen (eine Exklave nördlich von Erfurt bei Straußfurt). Die Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe-Neuenstein-Weikersheim und Kraft VII. von Hohenlohe-Neuenstein traten 1631 das Erbe an, wobei für den geächteten Grafen Georg Friedrich sein Bruder das Erbe in Empfang nahm.

Beide Linien, die zu Neuenstein und die zu Langenburg, übten die Herrschaft und Verwaltung gemeinsam aus; die Landeshoheit hatten jedoch die ernestinischen Herzöge von Sachsen, seit 1657 ausschließlich Sachsen-Gotha. Die Grafen von Hohenlohe bauten Schloß Ohrdruf im Stile der Zeit um. Erst 1665 fand eine Realteilung der Territorien zwischen beiden Hohenloher Linien statt. Die Stadt und das Schloß Ohrdruf wurden halbiert; jede Linie erhielt die Hälfte. Ebenso wurden Wechmar und Exklave Pferdingsleben zwischen den beiden Linien hälftig geteilt. Die Exklave Werningshausen blieb gemeinschaftlicher Besitz. Die Linie Hohenlohe-Langenburg bekam zur Gänze Emleben, Petriroda und Schwabhausen mit dem Wasserschloß sowie das Rittergut Wanningsroda.

Dieser Besitz machte nun die Hohenloher Teilungen wie folgt mit: Die Neuensteiner Hälfte wurde bis 1677 gemeinschaftlich verwaltet, bei der dann erfolgten Teilung kam sie an den Grafen Johann Ludwig von Hohenlohe-Künzelsau, dann 1689 an seinen Bruder Graf Wolfgang Julius von Hohenlohe-Neuenstein, nach dessen Tod kam sie 1698 an Graf Johann Friedrich von Hohenlohe-Oehringen, und auch bei der Teilung 1708 blieb sie bei der Linie Hohenlohe-Oehringen, die aber 1805 ausstarb. Graf August Wilhelm von Hohenlohe ließ ab 1750 Teile der Anlage, vor allem den Nord- und Westflügel, im Stil des Rokoko einrichten, dabei entstand der Rokokosaal im Nordflügel. Der ehemalige Speisesaal im Westflügel wurde zum Musiksaal umgebaut und ist heute noch in originaler Erhaltung. Dem sogenannten Klosterturm ließ er eine Zwiebelhaube aufsetzen.

Die Linie Hohenlohe-Ingelfingen-Oehringen verzichtete Ende 1808 zur Beilegung eines Erbstreites sowohl auf das alt-ingelfingensche Drittel an der Langenburger Hälfte als auch auf den Anspruch auf die Oehringer Hälfte der Obergrafschaft Gleichen zugunsten von Hohenlohe-Kirchberg und Hohenlohe-Langenburg. 1810 war der gesamte Thüringer Besitz mit der kompletten Obergrafschaft Gleichen in den Händen der beiden Linien Hohenlohe-Kirchberg und Hohenlohe-Langenburg und wurde gemeinsam unter der Federführung des jeweiligen Seniors bzw. seiner Domänenkanzlei von beiden Häusern verwaltet. Bis 1848 wurden in Ohrdruf eine Kanzlei und ein Konsistorium unterhalten. Als die Linie Hohenlohe-Kirchberg im Jahr 1861 erlosch und die Erbauseinandersetzung bezüglich der Kirchberger Erbschaft 1861-1863 abgeschlossen war, war Hohenlohe-Langenburg alleiniger Besitzer des ganzen Thüringer Kuchenstücks. Fürst Hermann zu Hohenlohe verkaufte 1869 das Schloß, die Stadt und die Grafschaft an den gothaischen Staat.

Zurück zum Jahr 1631 und dem Rest des Kuchens: Die Grafen von Schwarzburg-Arnstadt (später im Erbwege an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen) erhielten bei der Teilung der Gebiete der Grafen von Gleichen im Jahre 1631 entsprechend dem am 12.3.1623 geschlossenen Vertrag die 2,5 Quadratmeilen große Untergrafschaft. Die Herrschaft Tonna kam gemäß dem Vertrag vom 1.5.1621 an Christian Schenk von Tautenburg. Die Schenken von Tautenburg starben aber 1640 mit dem Genannten in der thüringischen Linie aus, danach ging die Herrschaft Tonna an die Grafen von Waldeck und danach durch Verkauf am 4.10.1677 an Herzog Friedrich von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Grafen von Waldeck bekamen die Grafschaften Pyrmont und Spiegelberg, die ihnen Graf Johann Ludwig von Gleichen-Tonna bereits 1625 abgetreten hatte. Sie behielten die Herrschaft Tonna aber nur 37 Jahre lang, denn am 4.10.1677 verkauften sie diese an Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Burg Gleichen fiel mit dem Ort Wandersleben als erledigtes Lehen zunächst an das Erzstift Mainz zurück, ebenso Blankenhain. Mainz belehnte 1639 die Grafen von Hatzfeld damit. Die Ernestinischen Herzogtümer hatten sowohl unmittelbaren Besitz aus der Erbmasse als auch die Landeshoheit über die ehemalige Grafschaft Gleichen. Ab 1826 lag die Landeshoheit über das Amt Tonna beim Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Die Herrschaft Remda kam an Sachsen-Altenburg, desgleichen die Dörfer Böseleben und Trommlitz. Sülzenbrücken kam 1640 an Sachsen-Gotha. Blankenhain kam nach dem Aussterben der Grafen von Hatzfeld-Gleichen 1794 an das Herzogtum Sachsen-Weimar, zu dem es bis 1920 gehörte. Parallel dazu beanspruchte Sachsen-Weimar (bzw. die entsprechenden Unterlinien) die Landeshoheit über das gesamte Gebiet der ehemaligen Grafschaft Gleichen. Erst lag die Landeshoheit über die Ober- und Untergrafschaft Gleichen beim Gesamthaus Sachsen-Weimar. Ab 1657 lag sie alleine bei der Linie der Herzöge von Sachsen-Gotha, und ab 1672 beim Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg.

Kranichfeld ist das einzige Territorium der Grafen von Gleichen, das Graf Carl Ludwig gesondert in seine Titulatur aufgenommen hatte, weil es nicht Bestandteil der Obergrafschaft Gleichen war. Die Herrschaft Kranichfeld bestand seit 1172 aus zwei Teilen, der oberen und der niederen (unteren) Herrschaft. Oberkranichfeld kam nach dem Aussterben der Herren von Kranichfeld an die Burggrafen von Kirchberg, dann 1453 an die Reuß von Plauen, 1615 an Sachsen-Weimar, 1620 an die Grafen von Schwarzburg, 1663 an Sachsen-Gotha, 1704-1728 an Sachsen-Weimar, 1728-1826 an Sachsen-Gotha-Altenburg bzw. Sachsen-Gotha und schließlich 1826-1920 an Sachsen-Meiningen. Dieser Teil ist hier nicht gemeint, wohl aber die untere Herrschaft Kranichfeld (Niederkranichfeld). Dieses Gebiet war eigentlich ein Mainzer Lehen, kam dann als Pfand an die Grafen von Schwarzburg. Als die Herren von Niederkranichfeld ausstarben, behielten die Schwarzburger einfach das Gebiet. Der nächste Besitzer ab 1412 waren die Burggrafen von Kirchberg, dann wurden 1455 die Grafen von Gleichen-Blankenhain Besitzer der unteren Herrschaft. Nach deren Erlöschen mit Volrad Graf von Gleichen-Blankenhain im Jahre 1627 wechselten die Besitzer mehrfach: die Grafen von Hohenlohe (Karl III. Graf v. Gleichen-Blankenhain hatte in zweiter Ehe Felicitas von Hohenlohe-Waldenburg geheiratet, welche Unterkranichfeld als Wittum erhielt), 1631/1647 die Grafen von Mörsberg (Dorothea Susanna von Gleichen-Blankenhain, Volrads Tochter, hatte Georg Freiherr von Mörsberg und Beffort geheiratet) und 1675-1794 die Grafen von Hatzfeld.

Eigentlich war Kranichfeld stets Anlaß für Differenzen, und der Besitz wurde stets Anfechtungen ausgesetzt: Erst mußten sich die Grafen von Hohenlohe um die Bewahrung Niederkranichfelds vor einer Verpfändung durch den verschuldeten Graf Karl zu Gleichen bemühen. Dann klagten die Grafen Wolfgang von Hohenlohe-Weikersheim und Philipp von Hohenlohe-Neuenstein gegen Graf Volrad zu Gleichen bei Sachsen-Weimar wegen ihrer Ansprüche auf das der Gräfinwitwe Felicitas zu Gleichen geb. Hohenlohe vorenthaltene Wittum zu Niederkranichfeld, das ihr 1571 anläßlich ihrer Hochzeit verschrieben worden war. Besagte Felicitas (1538-1.3.1601) war Volrads Stiefmutter. Ihre Ehe blieb ohne Nachkommen. Im Jahr 1607 wurde schließlich Graf Wolfgang von Hohenlohe-Weikersheim die Herrschaft Niederkranichfeld eingeräumt. Schließlich gab es einen Konsens des Grafen Johann Ludwig zu Gleichen zum Kauf der Herrschaft Niederkranichfeld im Jahre 1611 durch die Grafen Kraft von Hohenlohe-Neuenstein und Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg (beide Graf Wolfgangs Söhne) von ihrer Mutter, Gräfin Magdalena von Hohenlohe-Weikersheim. Weiterhin wurde das Vorwerk Krakendorf mit Lengefeld durch die genannten Grafen ebenfalls 1611 hinzugekauft. Zwischen den Grafen zu Gleichen bzw. dem Freiherrn von Mörsberg einerseits und den Grafen von Hohenlohe andererseits gab es auch noch Differenzen wegen der Mühle zu Niederkranichfeld, die beide Parteien für sich beanspruchten. Als die Freiherrn bzw. Grafen von Mörsberg Erbansprüche auf Niederkranichfeld geltend machten, führten die Grafen von Hohenlohe Klage bei der Regierung von Sachsen-Weimar. Und schließlich verzankte man sich untereinander: Es gab eine Schuldverschreibung des Grafen Kraft von Hohenlohe-Neuenstein gegen Graf Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg über 9.500 fl. Solmsischer Gelder zur Einlösung Krakendorfs mit den dreieinhalb zur Herrschaft Kranichfeld gehörigen Dörfern, und Gräfin Anna Maria von Hohenlohe-Langenburg kündigte den Kreditvertrag wegen Rückständen bei den Zinszahlungen. Wegen der Herrschaft Kranichfeld gab es dann noch einen Erbschaftsstreit zwischen den Hohenloher Linien Waldenburg und Neuenstein mit einem entsprechenden Prozeß vor dem sächsischen Hofgericht zu Jena und bei der Regierung zu Weimar, weil die Linie Waldenburg Erbansprüche auf 3/5 der Herrschaft Niederkranichfeld geltend machte, ein Prozeß, der sich letztendlich über 30 Jahre hinzog. Die Herrschaft Niederkranichfeld wurde jedoch letztendlich 1647 nach langen und fruchtlosen Auseinandersetzungen den Grafen von Mörsberg zugesprochen, die es bereits 1631 in Besitz genommen hatten. Das Amt Krakendorf wurde 1694 an die Grafen von Hatzfeld verkauft. Vergnügen an einer Herrschaft sieht anders aus. Vielleicht war aber auch gerade der ständige, letztendlich verlorene Kampf um den vergleichsweise unbedeutenden und abgelegenen Besitz zu einer Prinzipsache geworden, dessen Aufnahme in die Titulatur gerade dadurch verständlich wird.

Über der westlichen Eingangstür zur ehemaligen Hofstube (Säulenhalle) befindet sich ein Allianzwappen Hohenlohe/Nassau-Saarbrücken, das auf heraldisch korrekte Einfärbung verzichtet und lediglich Gold zur Absetzung der Motive vom Hintergrund einsetzt. Passende eheliche Verbindungen kommen nur in der Linie Langenburg vor, und da gleich zweimal hintereinander: Albrecht Wolfgang Graf von Hohenlohe-Langenburg (6.7.1659-17.4.1715) hatte am 22.8.1686 in Langenburg Sophia Amalia Gräfin v. Nassau-Saarbrücken (19.9.1666-29.10.1736) geheiratet, die Tochter von Gustav Adolph Graf von Nassau-Saarbrücken (27.3.1632-9.10.1677) und Eleonore Clara Gräfin von Hohenlohe-Neuenstein (16.7.1632-4.5.1709). Der Sohn aus der erstgenannten Verbindung, Ludwig Graf von, ab 1764 Fürst zu Hohenlohe-Langenburg (20.10.1696-16.1.1765), wiederum heiratete am 25.1.1723 auf Schloß Lorentzen Eleonora Prinzessin von Nassau-Saarbrücken (1.7.1707-15.10.1769), die Tochter von Ludwig Crato Graf von Nassau-Saarbrücken (28.3.1663-14.2.1713) und Philippine Henriette Gräfin von Hohenlohe-Langenburg (15.11.1679-14.1.1751). Die Weikersheimer Linie war 1756 erloschen, und die Stadt verlor ihren Status als Residenzstadt. Das Schloß fiel nach dem Tod von Graf Carl Ludwig an andere hohenlohische Linien, die das Schloß nur als Nebensitz nutzten. Da ein Auftreten eines Allianzwappens aus der Langenburger Linie somit nur nach 1756 Sinn ergibt, ist das Wappen dem zweiten der genannten Paare zuzuordnen, und zwar mangels fürstlicher Prunkstücke vermutlich vor 1764.

Die Bestandteile des Hohenloher Wappens wurden bereits oben erläutert, deshalb sei hier vorrangig auf das Wappen der Ehefrau eingegangen. Es hat die Form, wie sie ab 1660 und bis 1805 von den Linien des Walramschen Stammes geführt wurde, mit den neu bzw. wieder hinzugekommenen Feldern Weilnau und Merenberg. Im Detail stehen die Felder für:

  • Hauptschild: einmal gespalten und zweimal geteilt mit einem oben eingeschobenem Feld
    • Feld 1: Grafschaft Saarbrücken, in blauem, mit silbernen, fußgespitzten Kreuzchen (Steckkreuzchen, können auch widergekreuzt sein) bestreutem Feld ein silberner, gekrönter Löwe
    • Feld 2: Grafschaft Saarwerden, in Schwarz ein silberner, rot bewehrter Doppeladler
    • Feld 3: Grafschaft Moers, in Gold ein schwarzer Balken
    • Feld 4: Grafschaft Weilnau, in Gold zwei rote, blau bewehrte Leoparden (hersehende, schreitende Löwen) übereinander
    • Feld 5: Herrschaft Merenberg, in Grün ein goldener Schragen, bewinkelt von 12 (4x 3) goldenen Kreuzchen
    • Feld 6: Geroldseck-Lahr, in Gold ein roter Balken
    • Feld 7: Lahr-Mahlberg, in Gold ein schwarzer, gekrönter Löwe
  • Herzschild: Grafschaft Nassau, in blauem und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreuten Feld ein goldener Löwe, rot gezungt, rot bewehrt und auch golden gekrönt

Die Ausführung des Hohenlohischen Wappens im Detail ist bemerkenswert. Es handelt sich korrekterweise um einen gevierten Schild mit Herzschild. Tatsächlich wird hier aber durch einen geschickten Versatz der Teilungslinie der Eindruck erweckt, es handele sich um sechs Felder des Hauptschildes in drei horizontalen Zonen. In Wirklichkeit trifft das nicht zu, weil die Inhalte aus den Scheinfeldern 2 und 4 sowie 3 und 5 in Wahrheit jeweils ein in sich geteiltes Feld bilden, also tatsächlich die Felder 2 und 3 eines gevierten Schildes sind. Da mehr Felder eine höhere Bedeutung und mehr Besitz und Ansprüche bedeuten, gab man der Versuchung nach, das Wappen des Ehemannes dem der Ehefrau anzugleichen, die von Haus aus mehr Felder mitbrachte und mit drei horizontalen Zonen gegenüber dem Ehemann auftrumpfen konnte. So wurde durch den künstlerischen, aber heraldisch nicht einwandfreien Trick ein gewisser Partnerlook erzielt, der einer näheren Analyse der Feldergrenzen (rote Linien) nicht standhält.

Ein weiteres plastisches Wappen befindet sich über der nach Osten aus dem Raum in den Durchgang führenden Tür. Es entspricht in der Ausführung dem in ähnlicher Weise im Rittersaal über dem Nebenzugang angebrachten Wappen. Der Schild enthält die eingangs erläuterten Elemente.

Es ist jedoch die einzige plastische Darstellung im Raum mit einem aus drei Helmen bestehenden Oberwappen: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein sich aus roten Flammen erhebender, silberner Phönix mit roten Schwungfedern, Stammkleinod Hohenlohe, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, rotgezungter, silberner Löwe, Grafschaft Gleichen, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Löwe, golden gekrönt, rot gezungt, zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern, Herrschaft Langenburg (Detailaufnahme unten).

Literatur, Links und Quellen:
Schloß Weikersheim in Renaissance und Barock, Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe, Staatsanzeiger Verlag (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Mai 2006, ISBN 3-929981-58-0
Schloß:
http://www.schloss-weikersheim.de/
Carla Fandrey, Schloß Weikersheim, Führer Staatliche Schlösser und Gärten, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 2010, ISBN 978-3-422-02239-3, S. 45
Gradmann, Wilhelm: Burgen und Schlösser in Hohenlohe, DRW-Verlag /KNO, 1982
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 566-567
Herrn Wolfgang Willig ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Menth vom 2.5.2014, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Akten über Kranichfeld:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/H6RXN24UOE3HLIR2K3OOXMGE2ZYUIGGM?lang=de und https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/GF5R2HKNETNQJH6RH3NNRMC2S2R6WZN4
Akten über die Obergrafschaft Gleichen:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/6Q5IXOZA3FADDORCSEX3RLLR53HZ3M4S und https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/EP5ATNMC7ES6TINU3C5UUDYEOWSDMW3G und https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=19680 sowie https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=19680&klassi=&anzeigeKlassi=004 und https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=19759 und https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/4VR7V7NB527DAJQ4ZD4KWE5QP6RK3AL2 und https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=19680&klassi=002.002.00006.%&anzeigeKlassi=002.001
Grafschaft Gleichen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Gleichen - http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_von_Gleichen - http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Gleichen
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Kranichfeld:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kranichfeld_(Adelsgeschlecht)
Akten zu Kranichfeld und Krakendorf:
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=19680&klassi=001&anzeigeKlassi=001.001 - https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=19680&klassi=001&anzeigeKlassi=002.002

Schloß, inneres Tor - Schloß, äußeres Tor - Hofgarten: heraldische Blumenkübel - Orangerie - Schloß, Rittersaal - Schloß, Treppenturm - Schloß, Ahnentafel in der Säulenhalle - Schloß, Georg-Friedrich-Zimmer - Schloß, Wappen in den Korridoren - Schloßkapelle

Haus Nassau - ottonische Hauptlinie - Haus Nassau - walramsche Hauptlinie
Die Wappen des Hauses Hohenlohe
Das Feld für die Grafschaft Gleichen und seine Verbreitung in deutschen Adelswappen

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2014
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de