Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2092
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Domkreuzgang zu Würzburg, Wolfgang Philipp Groß von Trockau

Dieser Grabstein im Domkreuzgang ist für den im Jahr 1650 geborenen und am 13.1.1695 verstorbenen Domherrn Wolfgang Philipp Groß von Trockau, der am 16.2.1664 eine Dompräbende von seinem Bruder Gottfried Philipp Groß von Trockau übernommen hatte, die dieser an ihn abgetreten hatte. Im Jahr 1682 wurde er Mitglied des Kapitels. Wie so oft hatte auch dieser Domherr ein zweites Eisen im Feuer, er bekam am 4.3.1664 eine Dompräbende in Bamberg, wurde auch dort Kapitular, außerdem war er Propst zu St. Martin in Forchheim. Er wurde 43 Jahre alt.

 

Die Inschrift in der unteren Hälfte der rechteckigen Platte lautet: "ANNO DOMINI MILLESIMO SEXCENTESIMO NONAGESIMO QUINTO DECIMO TERTIO IANUARII ADM. REV(EREN)D(US) AC PERILLUSTRIS DOMINUS WOLFFGANGNUS PHILIPPUS GROSS A TROCKAW ECCLESIA(E) IMPERIAL(IS) BAMBERGENSIS ET CATHED(RALIS) HERBIP(OLENSIS) CANON(ICUS) CAPIT(ULARIS) NEC NON COLLEGIAT(AE) AD S(ANCTUM) MARTINUM VORCHEMII (= Forchheim) PRAEPOSITUS 7... INTER ET 8... HORAS POSTMERIDIANAS IN DEO PIISSIME OBDORMIVIT AETATIS SUAE 43 ET 8 MENS(ES) CUIUS ANIMA DEO IN AETERNUM VIVAT AMEN."

Im oberen Teil der Platte ist zentral das Vollwappen der Groß von Trockau zu sehen, silbern-blau gespalten, darüber ein roter Balken (Schöler, Siebmacher Band: Bay Seite: 37 Tafel: 35), auf dem Helm mit blau-silbernen Decken zwei Büffelhörnern in den Schildfarben, außen besteckt mit silbernen Federn.

     

In zwei Spalten sind insgesamt acht Wappenschilde für die Ahnen dargestellt, in der optisch linken Spalte sind dies die Vorfahren väterlicherseits. Die Serie beginnt mit dem Schild für den Vater, Friedrich Philipp Groß von Trockau, den Großvater väterlicherseits, Wolff Philipp Groß von Trockau, sowie für dessen Vater, Johann Valentin Groß von Trockau. Der Schild entspricht dem des zentralen Hauptwappens der Platte. Der zweite Schild heraldisch rechts steht für die Großmutter väterlicherseits, Eleonora von Herbilstadt, sowie für deren Vater, Franz Wilhelm von Herbilstadt. Der Schild ist von Silber und Rot durch Spitzenschnitt gespalten; die Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein beiderseits wie der Schild bezeichneter Flug (Siebmacher Band: ThüA Seite: 37 Tafel: 28, Schöler). Der nächstfolgende Schild steht für die erste Urgroßmutter väterlicherseits, Anna von Schaumberg. Ihr Wappen ist geviert, Feld 1 und 4 (vermehrtes Wappen von Sonneberg): gespalten, außen: in Gold eine schwarze Schafschere (Stammwappen von Sonneberg), innen: in Rot ein silberner Sparren (verschiedene Theorien: von Sparneck, von der Deck, keine bewiesen), Feld 2 und 3: typischerweise von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt (Stammwappen von Schaumberg), auch andere Reihenfolgen der Farben vorkommend. Der vierte und letzte Schild der heraldisch rechten Seite steht für die zweite Urgroßmutter väterlicherseits, Sophia von Heßberg. Ihr Wappen ist gespalten, rechts fünfmal silbern-rot geteilt, links in Silber drei rote Rosen pfahlweise; die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender rotgekleideter Mannesrumpf mit roten Eselsohren (Schöler, Otto Hupp, Münchener Kalender 1934, Siebmacher Band: He Seite: 13 Tafel: 13, Band: Pr Seite: 167 Tafel: 216, Band: Bay Seite: 39 Tafel: 38, Band: Me Seite: 10 Tafel: 7, Band: Pr Seite: 46 Tafel: 58, Band: Sa Seite: 11 Tafel: 10, Scheiblersches Wappenbuch Folio 86). Bei diesem Schild kommen auch andere Anordnungen vor, mit den Rosen rechts und den Streifen links, mal mit Rot, mal mit Silber in der Lit. beginnend.

     

Nun zu den Vorfahren mütterlicherseits auf der heraldisch linken Seite, ebenfalls durch vier Wappenschilde repräsentiert. Die Reihe beginnt mit dem Schild für die Mutter, Anna Brigitta von Wernau, den Großvater mütterlicherseits, Konrad von Wernau, sowie für dessen Vater, Johann Veit von und zu Wernau. Sie führen in Silber einen schwarzen, mit drei goldenen Kugeln (Scheiben) belegten Schrägbalken, normalerweise einen Schrägrechtsbalken, der hier andersherum steht. Die nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken eine liegende (mit den Spitzen nach oben gerichtete) silberne Mondsichel, an den Enden mit je einem schwarzen Federbusch (mit schwarzen Straußenfedern) besteckt (Scheiblersches Wappenbuch Folio 183, Schöler, Siebmacher Band: BayA3 Seite: 135 Tafel: 92, Band: WüA Seite: 16 Tafel: 8). Als nächstes folgt der Schild für die Großmutter mütterlicherseits, Margaretha Barbara von Aschhausen, Tochter von Gottfried von Aschhausen. Diese beiden führten in Rot ein silbernes fünfspeichiges Wagenrad. Die zugehörige Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken auf einem roten Turnierhut mit Hermelinstulp das silberne fünfspeichige Rad (Schöler, Siebmacher Band: WüA Seite: 9 Tafel: 1, Band: WüA Seite: 117 Tafel: 64). Der dritte Schild steht für die erste Urgroßmutter, Anna von Rechberg zu Hohenrechberg. Ihr Wappenschild zeigt in Gold zwei mit den Rücken gegeneinandergekehrte rote Löwen mit verflochtenen Schwänzen. Die zugehörige Helmzier wäre auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender, roter Hirsch (Schöler, Alter Siebmacher). Und der letzte Schild der Serie repräsentiert die vierte Urgroßmutter, die zweite mütterlicherseits, Brigitta Zobel von Giebelstadt. Ihr Schild zeigt in Silber einen roten Pferdekopf mit schwarzem Zaumzeug, auf dem Helm, so vorhanden, mit rot-silbernen Decken wäre das Schildbild wachsend (Schöler, Zobel Tafel 381, Wolfert Tafel 44 Seite 104, 219, Siebmacher Band: Bad Seite: 17 Tafel: 12, Band: Bay Seite: 65 Tafel: 70, Band: Erg Seite: 21, Band: ÖSchl Seite: 111 Tafel: 58).

Eltern:
  • Friedrich Philipp Groß von Trockau
  • Anna Brigitta von Wernau

Großeltern:

  • Wolff Philipp Groß von Trockau
  • Eleonora von Herbilstadt
  • Konrad von Wernau
  • Margaretha Barbara von Aschhausen
  Urgroßeltern:
  • Johann Valentin Groß von Trockau
  • Anna von Schaumberg
  • Franz Wilhelm von Herbilstadt
  • Sophia von Heßberg
  • Johann Veit von und zu Wernau
  • Anna von Rechberg zu Hohenrechberg
  • Gottfried von Aschhausen
  • Brigitta Zobel von Giebelstadt

Auf der Platte befindet sich unten noch ein nicht in diesen Zusammenhang passender Wappenschild ohne zugehörige Inschrift, er ist für die Familie von Lichtenstein und von Silber und Rot im Zackenschnitt geviert. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar roter Büffelhörner, außen mit silbernen Federn (Scheiblersches Wappenbuch Folio 402, Siebmacher Band: Bay Seite: 45 Tafel: 44, Band: Pr Seite: 53 Tafel: 67, Band: Pr Seite: 237 Tafel: 287, Band: ThüA Seite: 64 Tafel: 49, Band: OstN Seite: 110 Tafel: 74, Rahrbach, Schöler, alter Siebmacher von 1605).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben.
Beschreibung in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 612, Ahnen gemäß Darstellung bei seinem Bruder S. 607.
Bistum Würzburg:
http://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Otto Hupp, Münchener Kalender 1918
Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c)
J. G. Biedermann: Geschlechts-Register der reichs-frey-unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken loeblichen Orts Gebuerg, Tafel 104. Bamberg, 1747
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Genealogien: Herbert Stoyan, WW-Person auf DVD, 11. Auflage, 2013, Degener Verlag, ISBN 978-3-7686-2517-3

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