Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2093
Diez (Rhein-Lahn-Kreis)

Das Haus der Niederadeligen in Diez

Zu Füßen der Dietzer Grafenburg schmiegt sich neben der Stiftskirche ein Haus der Niederadeligen von Dietz an den Steilhang. Dieses Haus (Schloßberg 6) wurde um 1250 als Burgsitz der Familie erbaut, die sich ebenfalls nach Dietz nennt, aber genealogisch nichts mit den Grafen von Dietz zu tun hat, sondern eine eigenständige Familie des Niederadels war. Es war ein repräsentatives, festes Haus mit den unteren Geschossen aus Stein und den oberen aus Fachwerk und hob sich durch seine Größe, das Material und den Baugrund nahe dem Grafenschloß deutlich von den Diezer Bürger- und Handwerkerhäusern ab. Im Erdgeschoß befindet sich ein kreuzgewölbter Saal. Um 1482 wurde das Anwesen mit steilem, im 18. Jh. verschiefertem Giebel in seine heutige Form gebracht. Der Seitenflügel (im Bild) wurde 1552 angebaut und 1558 verändert, und an der Außenseite befindet sich ein Renaissance-Allianzwappen für die Eltern des Junkers Walther von Dietz. Danach kam das Haus in den Besitz der Klüppel von Elkershausen (Elkerhausen gen. Klüppel, Schild: in Rot drei (2:1) silberne Beile), weil Walther ledig verstarb und seine einzige Schwester Anna Johann von Elkershausen gen. Klüppel geheiratet hatte. Die nächsten Besitzer ab 1600 waren die Grafen von der Leyen, und 1719 kaufte sich Kammerrat Johann Georg Eberhard den historischen Burgsitz.

 

Das Wappen der Niederadeligen von Dietz zeigt innerhalb eines silbernen Bordes in Rot einen silbernen Löwen, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, rot mit silbernen Aufschlägen und ebensolchem Hut gekleideter Mannesrumpf. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: NaA Seite: 20 Tafel: 29, bei Wolfert Tafel 39 Seite 124, 53 und bei Zobel Tafel 77-78. Im Vergleich zum gräflich-Dietzischen Wappen, wenn dieser Bezug bei einem so ubiquitären Motiv wie dem Löwen überhaupt gezogen werden darf, hat eine dreifache Minderung stattgefunden durch die Verringerung der Anzahl, den Ersatz der Farbe und die Hinzunahme des Bordes. Die am Objekt vorliegende Farbfassung ist nicht authentisch. Walthers Vater war lt. Humbracht Tafel 133 Emmerich von Dietz, Sohn von Otto von Dietz und Dorothea von Langenau.

Das Wappen von Emmerichs Ehefrau, Dorothea von Praunheim, Tochter von Philipp von Praunheim und einer geborenen Rüdt von Collenberg, zeigt in Gold einen roten Balken, oben drei grün beblätterte Stiele mit je einer Knospe oder Frucht, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug (Zobel Tafel 261, Alter Siebmacher unter "Pfraumenheim").

Niederadelige von Dietz hatten das Erbmarschallamt der Grafschaft Diez inne, und sie saßen auf der gegen die Grafschaft Katzenelnbogen gerichteten, gräflich-Dietzischen Grenz- und Landesburg Ardeck, die sie mehrfach zu Lehen bekamen und ab 1467 als Hauptsitz nutzten. 1570 wird ein Junker Walther von Dietz, vermutlich der gleiche wie hier am Dietzer Burgsitz, als Bewohner von Burg Ardeck genannt, wenn auch in etwas unrühmlichem Zusammenhang wegen einer wenig geheimen Affäre mit seiner Köchin Margaretha von Fachingen, mit entsprechenden Konsequenzen: Sie wurde des Landes verwiesen, er mußte Strafe zahlen. 1727 erloschen die von Dietz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Hinweistafel am Objekt
Burg Ardeck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Ardeck - http://www.burgenreich.de/burgruine%20ardeck%20geschichte.htm
Stadtrundgang in Diez:
http://urlaub-in-diez.de/wp-content/uploads/2012/11/kleiner-Stadtrundgang.pdf - http://urlaub-in-diez.de/diez-kleiner-stadtrundgang
Humbracht: Stamm- und Ahnentafeln
http://de.wikipedia.org/wiki/Praunheim_%28Adelsgeschlecht%29 - http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Herren_von_Praunheim
Euler, die Herren von Sachsenhausen und Praunheim - ein genealogischer Versuch, in: Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst, 1854, S. 38–113
http://books.google.de/books?id=kgkPAAAAYAAJ
Michael Losse, die Lahn: Burgen und Schlösser, Michael Imhof Verlag GmbH, Petersberg, 2007, ISBN 978-3-86568-070-9, S. 86

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