Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2103
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Domkreuzgang zu Würzburg, Franz Joseph Wilhelm von Bubenhofen

Diese Platte im Würzburger Domkreuzgang ist für den am 8.9.1704 geborenen und am 13.10.1732 verstorbenen Kleriker Franz Joseph Wilhelm von Bubenhofen, der am 15.3.1714, noch nicht einmal 10 Jahre alt, die Präbende des verstorbenen Hartmann von Rosenbach am Würzburger Domstift bekam. Er verstarb rund einen Monat nach seinem 28. Geburtstag, und er hatte sich erst zwei Jahre zuvor zum Priester weihen lassen.

 

Die zentrale Inschrift der Platte lautet: "Anno Domini MDCCXXXII die 13 Octobris hora noctis undecima necessariis Ecclesiae Sacramentis rite praemunitus piissime in D(omi)no obdormivit Plurimum Reverendus, Illustris et perquam Gratiosus D(omi)nus, D(ominus) FRANCISCUS JOSEPHUS WILHELMUS a Bubenhoffen Ecclesiae Cathedr(alis) Herbip(olensis) Canonicus Domicellaris. Mundo natus fuit anno 1704 8. Septembris, ad praebendam admissus Anno 1714 15. Martii, Sacerdotali Dignitate condecoratus Anno 1730, Cuius Anima Deo ViVat, Requiescat in Pace." Eine zweite umlaufende Inschrift auf dem äußeren Rand der rechteckigen Platte erinnert an den am 14.3.1585 verstorbenen Vitus von Eberstein, der ebenfalls Kapitularkanoniker in Würzburg war.

Das zentrale Vollwappen der von Bubenhofen zeigt hier zwei Zickzackbalken. Die Angaben in der Literatur variieren hinsichtlich der Anzahl der Teilungen und der Farbabfolge, im Scheiblerschen Wappenbuch ist der Schild fünfmal silbern-rot im Spitzenschnitt geteilt, im Münchener Kalender 1934 fünfmal rot-silbern. Weitere Darstellungen finden sich im Siebmacher Band: Band: WüA Seite: 10 Tafel: 2, Band: WüA Seite: 124 Tafel: 67, dort mit fünf oder vier Teilungen wie hier und sogar mit nur drei Teilungen, die Farbverteilung beginnend mit Rot oder mit Silber. Die Variationsbreite in den Quellen ist also groß. Besser wird das Bild, wenn man zeitgenössische, farbig gefaßte Adelsproben, z. B. aus dem Deutschordensarchiv, Revue passieren läßt, die in überwiegender Mehrzahl der Fälle in Rot zwei silberne Zickzackbalken zeigen und die so die zu dieser Zeit als korrekt wahrgenommene Farbfassung widerspiegeln, die also auch hier angenommen werden darf. Das Kleinod ist auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Mann in rot-silbern gespaltenem Gewand, in den Händen zwei Blashörner (Hifthörner ohne Band) haltend, das rechte silbern, das linke rot, das Mundstück vor der Brust, die Mündung nach außen gestellt (Detailausschnitt Abb. unten).

Hier wird zwar keine Ahnenprobe gegeben, dennoch seien hier seine Vorfahren aufgelistet, wobei angemerkt sein soll, daß die Angaben bei Salver zu seinen Vorfahren, mit denen er aufgeschworen wurde, teilweise nicht mit denen zu dem ebenfalls geführten Johann Konrad Heinrich von Bubenhofen übereinstimmen, der auch Domherr in Würzburg war, die Präbende aber wieder 1691 verließ. Die Ahnen zu Letzterem können in der weiteren genealogischen Literatur hingegen bestätigt werden und sind hier als die vermutlich richtigen angegeben.

Eltern:
  • Johann Konrad Heinrich von Bubenhofen zu Winzingen (1665-)
  • Benigna Maria von Gemmingen zu Fürfeld

Großeltern:

  • Johann Adam von Bubenhofen zu Winzingen (-1699)
  • Maria Barbara Schenk von Stauffenberg (1642-1726)
  • Bernolph Dietrich von Gemmingen
  • Maria Magdalena von Adelsheim
  Urgroßeltern:
  • Joachim Konrad von Bubenhofen zu Kleinsüßen
  • Anna Drichilla von Sperberseck
  • Wilhelm Konrad Schenk von Stauffenberg (-1670)
  • Maria Dorothea von Riedheim
  • Dietrich von Gemmingen
  • Maria Elisabetha von Gemmingen
  • Philipp Christoph von Adelsheim
  • Maria Sibylla von Helmstadt

Zur Familie: Die bis auf ein Bodendenkmal abgegangene Burg Bubenhofen lag einst zwischen Rosenfeld und Binsdorf im einstigen württembergischen Oberamt Sulz, heute im Zollernalbkreis, westlich von Balingen gelegen, und war eine Wasserburg im sog. Bubenhofer Tal zwischen Geislingen und Heiligenzimmern. Die einen beispiellosen Aufstieg nehmenden Herren von Bubenhofen besaßen auch zeitweise die Ortsherrschaft über Geislingen, wo sie ihre Grablege hatten. Die Herren von Bubenhofen waren im 15. Jh. so wohlhabend, daß sie von den klammen Grafen von Württemberg u. a. die Stadt Balingen mit Ostdorf, Engstlatt, Heselwangen, Frommern, Waldstetten und Weilheim, Endingen, Erzingen, Meßstetten, Tieringen, Oberdigisheim und Hossingen als Pfand für die Zurverfügungstellung von 17500 Gulden übernehmen konnten. Auch nach Auslösung des Pfandes waren die beiden ungleichen Familien wichtige Partner bei territorialen Pfand- und Veräußerungsgeschäften, außerdem dienten die Herren von Bubenhofen bei den Württembergern als Hofmeister.

Im 16. Jh. führten aufwendige Lebensführung und Prachtentfaltung sowie Verlust des Rückhalts durch die Herzöge von Württemberg (einerseits fiel Hans Kaspar in Ungnade und andererseits kam es zur zeitweisen Vertreibung des Herzogs) zu einem wirtschaftlichen Niedergang der bedeutenden Familie, die Territorien veräußern mußte, ein jäher Wechsel des Schicksals für die einst wohlhabendste Familie Schwabens, deren Angehörige nun mit rasantem Tempo von Gläubigern zu Schuldnern mutierten. Auch das neue Schloß in Geislingen, das ein Neubau aus der Zeit um 1426 von Wolf von Bubenhofen war, ging wegen Überschuldung 1516/1527 zusammen mit dem Dorf und umliegendem Besitz an Hans von Stotzingen, später im 17. Jh. an General Schütz von Pürschütz und noch später an die Schenk von Stauffenberg, die es zu einer spätbarocken Anlage umbauten und mit dem Allianzwappen Stauffenberg-Kageneck schmückten. Als unser Domherr hier in Würzburg lebte, war die Familie nur noch ein Schatten ihrer einstigen Bedeutung. Das 1722 in den Freiherrenstand erhobene Geschlecht starb 1814 mit Wilhelm Freiherr von Bubenhofen, königlich bayerischer Generalmajor, im Mannesstamm aus.

Einige Kommunalwappen bewahren noch die Erinnerung an die Herren von Bubenhofen, so die Stadt Geislingen bei Balingen, unter silbernem Schildhaupt in Rot zwei silberne Zickzackbalken, oder Grosselfingen, das in geviertem Schild in Feld 1 in Silber zwei rote Zickzackbalken hat.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk wie angegeben
Beschreibung in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 688, vgl. auch S. 645.
Bistum Würzburg:
http://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c)
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Herren von Bubenhofen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Bubenhofen
Schloß Geislingen:
http://www.stadt-geislingen.de/2444_DEU_WWW.php
Schloß Geislingen: Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 167
Genealogie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stauffenberg_(Adelsgeschlecht) - http://books.google.de/books?id=vOFDAAAAcAAJ......nhofen&f=false

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