Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2109
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Domkreuzgang zu Würzburg, Heinrich Karl Wilhelm von Rotenhan

Diese Platte im Würzburger Domkreuzgang ist für den am 6.9.1739 geborenen und am 14.4.1800 verstorbenen Domherrn Heinrich Karl Wilhelm Reichsgraf von Rotenhan. Er folgte am 1.2.1751 dem verstorbenen Franz Wilhelm Heinrich Zobel von Giebelstadt auf dessen Dompräbende nach. Außerdem war er, mittlerweile Domkapitelmitglied, vom 11.10.1797 (Wahl) bis 1800 Propst des Ritterstifts St. Burkard in Würzburg, außerdem war er noch Propst in Wechterswinkel.

 

Die weitere religiöse und politische Aufgaben in der Hochstiftsverwaltung nennende Inschrift lautet: "1800 AM 14 APRIL HEINERICH KARL REICHSGRAF VON ROTENHANN DOMKAPITELARHER(R) UND IUBILAEUS H(OCHFÜRSTLICH) W(ÜRZBURGISCHER) GEH(EIMER) RATH HOFKRIEGS RATHS KAMMER U(ND) OBEREINNAHMSPR(A)ESIDENT PROBST ZU ST BURKARD OBERPROBST ZU WECHTERSWINKEL OBERPFARR(ER) ZU HASSFURT UND HEILBRONN GEB(OREN) 6 SEPT(EMBER) 1739 R(EQUIESCAT) I(N) P(ACE)."

Das zentrale Vollwappen ist das Rotenhan-Wappen: In Silber ein schrägrechter roter Wellenbalken, oben links begleitet von einem roten, meist fünfzackigen Stern, auf dem ungekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Hahn (redendes Wappen). Die Darstellung ist zeittypisch heraldisch unzulänglich mit viel zu kleinem Helm, winziger Helmzier, mit entgegen guter heraldischer Praxis im Nacken entspringenden Helmdecken und mit einer zusätzlichen, neunperligen, gräflichen Rangkrone zwischen Schild und Oberwappen.

Die Erhebung der Familie in den Reichsgrafenstand erfolgte zugunsten des Vaters, Karl Johann Philipp Alexander von Rotenhan zu Merzbach-Neuhausen, Fürstlich-Bambergischer Hofrat und Oberamtmann zu Zeil, am 8.12.1774 zu Wien durch Kaiser Joseph II. von Habsburg-Lothringen, nachdem ersterer am 13.3.1771 bereits in den Freiherrenstand erhoben worden war. Damit wurde die wirtschaftliche Entwicklung in der westböhmischen Herrschaft der Familie durch Förderung des lokalen Handwerks honoriert. Der gräfliche Zweig der Familie Rotenhan erlosch 1886 im Mannesstamm mit Maximilian Graf von Rotenhan (6.10.1820-21.3.1886), Sohn von Carl Julius Heinrich Graf von Rotenhan (19.7.1791-5.7.1847) und Luise Henriette von Wallmoden-Gimborn (24.6.1796-15.4.1851). Des letzten Grafen einziger Sohn Karl Friedrich Graf von Rotenhan (1857-1868) starb früh, und seine beiden Töchter Maria Anna Natalie Gräfin von Rotenhan (11.3.1860-11.5.1945) und Luise (Lissy) Marianne Friederike Gräfin von Rotenhan (17.9.1875-26.12.1966) heirateten in die Familien zu Guttenberg und Ritter zu Grünstein. Die anderen Linien blühen fort.

     

Die Ahnenprobe umfaßt insgesamt acht Schilde, je vier auf jeder Seite. Der erste Schild wiederholt das bereits zuvor beschriebene Rotenhan-Wappen in gewendeter Form und steht für den zuvor erwähnten Vater, Karl Johann Philipp Alexander Reichsgraf von Rotenhan (23.4.1710-1777), den Großvater väterlicherseits, Joachim Ignaz von Rotenhan (6.12.1662-19.5.1736), sowie für dessen Vater, Georg Wolf von Rotenhan (1615-1695). Der zweite Schild auf der heraldisch rechten Seite steht für die Großmutter väterlicherseits, Maria Amalia Truchseß von Wetzhausen (18.10.1682-28.4.1762), Tochter von Johann Eitel Truchseß von Wetzhausen. Ihr Wappen zeigt in Gold zwei in je zwei Reihen silbern-rot geschachte Balken. Die hier nicht dargestellte Helmzier zu rot-goldenen Decken bestünde aus zwei wie der Schild bezeichneten Büffelhörnern, dazwischen ein Jungfrauenrumpf in roter Gewandung mit goldenem Zopf und ebensolcher Krone. Der dritte Schild steht für die erste Urgroßmutter väterlicherseits, Margarethe Susanna von Neuhausen. Ihr gewendeter Schild zeigt in Silber einen roten, doppelschwänzigen Löwen, einen grünen oder schwarzen, gekrümmten Ast haltend bzw. auf ihm reitend. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken der Löwe mit Ast wie im Schild. Der letzte Schild der väterlichen Ahnenreihe steht für die zweite Urgroßmutter, Magdalena Dorothea von Franckenstein. Ihr Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schräg nach innen gestelltes rotes Axteisen ohne Stiel (Franckenstein), Feld 2 und 3: in Gold drei mit den Stielen dreipaßförmig zusammengestellte Kleeblätter oder herzförmige Blätter (von Klee, Clee, Cleen).

     

Nun zu den Ahnen mütterlicherseits: Der oberste Schild der Reihe steht für die Mutter, Maria Johanna Amalia Freiin von Sickingen (10.2.1716-19.5.1740), den Großvater mütterlicherseits, Johann Ferdinand Freiherr von Sickingen (-30.7.1719), sowie für dessen Vater, Franz Freiherr von Sickingen (8.2.1629-1715). Der Wappenschild zeigt in Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln. Der nächste Schild steht für die Großmutter mütterlicherseits, Maria Sidonia Philippina Ernestina Lukretia Kottwitz von Aulenbach (1679-31.12.1738), Tochter von Georg Philipp Kottwitz von Aulenbach. Der silberne Schild ist mit einem schwarzen Steinbockshorn belegt, als Vollwappen wäre noch auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silbern-schwarz geteiltes Paar Büffelhörner. Der dritte Schild steht für die dritte Urgroßmutter des Klerikers, Anna Margaretha Gräfin von Metternich-Winneberg und Beilstein (-1700). Der Hauptschild ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein schrägrechter, staffelförmiger, silberner Balken, eigentlich oben und unten begleitet von je drei goldenen Kreuzchen (Winneberg), Feld 2 und 3: in Rot drei (2:1) silberne Hifthörner mit goldenen Spangen und Bändern (Braunshorn-Beilstein). Der silberne Herzschild ist mit drei (2:1) schwarzen Jakobsmuscheln belegt (Stammwappen Metternich). Der vierte und letzte Schild der mütterlichen Seite steht für die vierte und letzte Urgroßmutter, Anna Maria Freiin von Dernbach. In einem blauen, mit goldenen Schindeln bestreuten Schild befinden sich drei dreipaßförmig zusammengestellte, goldene Blätter bzw. ein Kleeblatt ohne Stiel. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-goldenen Decken ein beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug.

Eltern:
  • Karl Johann Philipp Alexander von Rotenhan (23.4.1710-1777)
  • Maria Johanna Amalia Freiin von Sickingen (10.2.1716-19.5.1740)

Großeltern:

  • Joachim Ignaz von Rotenhan (6.12.1662-19.5.1736)
  • Maria Amalia Truchseß von Wetzhausen (18.10.1682-28.4.1762)
  • Johann Ferdinand Freiherr von Sickingen (-30.7.1719)
  • Maria Sidonia Philippina Ernestina Lukretia Kottwitz von Aulenbach (1679-31.12.1738)
  Urgroßeltern:
  • Georg Wolf von Rotenhan (1615-1695)
  • Margarethe Susanna von Neuhausen
  • Johann Eitel Truchseß von Wetzhausen
  • Magdalena Dorothea von Franckenstein
  • Franz Freiherr von Sickingen (8.2.1629-1715)
  • Anna Margaretha Gräfin von Metternich-Winneberg und Beilstein (-1700)
  • Georg Philipp Kottwitz von Aulenbach
  • Anna Maria Freiin von Dernbach

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Beschreibung in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 732.
Bistum Würzburg:
http://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Alfred Wendehorst, Germania sacra, NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 6, die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, Berlin/New York 2001, S. 329. Online:
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F, http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F/NF%2040%20Wendehorst%20St.%20Burkhard.pdf, S. 217, http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/54, http://personendatenbank.germania-sacra.de/index/browse/index:vorname/search:basic/term:rotenhan
http://de.wikipedia.org/wiki/Rotenhan_(Adelsgeschlecht)
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".

Die Entwicklung des Wappens der von Franckenstein
Die Wappen der Grafen und Fürsten von Metternich

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