Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2121
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Domkreuzgang zu Würzburg, Johann Franz Gottfried von Franckenstein

Diese Platte im Würzburger Domkreuzgang ist für den am 7.1.1694 in Würzburg verstorbenen Domherrn Johann Franz Gottfried von Franckenstein aus der Sachsenhäuser Linie. Er bekam seine Präbende am Domstift am 6.7.1675, nachdem der vorige Inhaber, Johann Albrecht von Sirgenstein, verstorben war. Im Jahre 1687 wurde er Kapitelmitglied (Kapitularherr). Neben dieser Domherrenstelle hatte er zwei weitere Präbenden, eine am Erzstift Mainz und eine bei St. Ferrutius in Bleidenstadt.

 

Die Inschrift lautet: "Hic Lapis Lapidem tegit Gratiosum, Virtuosum, pretiosum Jo(hannum) Franc(iscum) Godefr(idum) L(iberum) B(aronum) ab et in Franckenstein in Tribus Ecclesiis Canonicus Moguntina, Herbipolensi, Bleidenstadiana Vnum Deum spectavit, et salutis negotium, Aras ornavit Sacerdos, curias Consiliarius, totum mundum Verus Christianus, ut Christum Sequeretur tota vita sua, vivere Defiit a(nn)o aetatis 30 7. Jan(uar) 1694. Huius Gemmae, quae jacet in hoc tumulo, vitam et virtutem lege in compendio: Neminem offendit in vita, nisi quod mortuus sit. Lacrimare viator et imitare fata te cogent sequi." Eine zweite, auf dem äußeren Rand umlaufende Inschrift erinnert an den im Jahre 1465 am 18. Oktober verstorbenen Friedrich Truchseß von Wetzhausen, Archidiakon in Würzburg, dessen Wappen mit den beiden rot-silbern geschachten Balken auf goldenem Feld ganz unten auf der Platte isoliert zu sehen ist.

Das zentrale Vollwappen der von Franckenstein ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schräg nach innen gestelltes rotes Axteisen ohne Stiel (Franckenstein), Feld 2 und 3: in Gold drei mit den Stielen dreipaßförmig zusammengestellte Kleeblätter oder herzförmige Blätter (von Klee, Clee, Cleen). Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein Flug, beiderseits mit dem Schildbild belegt, die Axteisen schräggestellt und mit den Klingen einander zugeneigt (Stammhelm), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein mit dem Schildbild belegter Flug (von Klee, von Clee, von Cleen).

     

Die Ahnenprobe umfaßt insgesamt acht Schilde, je vier auf jeder Seite. Der erste Schild wiederholt das bereits zuvor beschriebene Franckenstein-Wappen und steht für den Vater, Johann Daniel von Franckenstein (1615-18.2.1677), den Großvater väterlicherseits, Johann Eustachius von Franckenstein (-1632) zu Ulm und Algesheim, sowie für dessen Vater, Johann(es) von Franckenstein (1547-). Der zweite Schild auf der heraldisch rechten Seite steht für die Großmutter väterlicherseits, Anna Margaretha Brendel von Homburg, Tochter von Eberhard Brendel von Homburg. Sie führen in Gold einen roten Zickzackbalken (Sparrenbalken). Der dritte Schild steht für die erste Urgroßmutter väterlicherseits, Hildegard Nagel von Dirmstein (-1580). Der Schild zeigt in Gold unter drei balkenweise gestellten, schwarzen Eisenhüten einen roten Löwen, hier aus Courtoisie einwärts gewendet. Der letzte Schild der väterlichen Ahnenreihe steht für die zweite Urgroßmutter, Anna von Schönenberg. Der schwarze Schild trägt drei (2:1) silberne Tatzenkreuzchen.

     

Nun zu den Ahnen mütterlicherseits: Der oberste Schild der Reihe steht für die Mutter, Maria Margaretha von Oberstein, den Großvater mütterlicherseits, Georg Rudolph von Oberstein, sowie für dessen Vater, Rudolph von Oberstein. Diese führen auf silbernem Schild einen golden gekrönten, roten Löwen, wobei dessen Form hier nur noch schwach zu erkennen ist. Der nächste Schild steht für die Großmutter mütterlicherseits, Maria Barbara Vogt von Hunoldstein, Tochter von Johann Schweikard Vogt von Hunoldstein. Hier muß es sich von der Zeit her um die jüngere Linie dieser Familie handeln, und diese führte in silbernem Feld zwei rote Balken, begleitet von roten Schindeln, nach Gruber 10 (4:3:2:1) oder 12 (5:4:3), hier 11 (5:4:2). Der dritte Schild steht für die dritte Urgroßmutter des Klerikers, Rosina Schliederer von Lachen. Diese hatte in Schwarz einen silbernen, mit drei roten Kugeln belegten Schrägbalken zum Wappenbild. Der vierte und letzte Schild der mütterlichen Seite steht für die vierte und letzte Urgroßmutter, Barbara von Warsberg. Sie hatte in schwarzem Feld einen silbernen, golden gekrönten Löwen.

Eltern:
  • Johann Daniel von Franckenstein (1615-18.2.1677)
  • Maria Margaretha von Oberstein

Großeltern:

  • Johann Eustachius von Franckenstein (-1632) zu Ulm und Algesheim
  • Anna Margaretha Brendel von Homburg
  • Georg Rudolph von Oberstein
  • Maria Barbara Vogt von Hunoldstein
  Urgroßeltern:
  • Johann(es) von Franckenstein (1547-)
  • Hildegard Nagel von Dirmstein (-1580)
  • Eberhard Brendel von Homburg
  • Anna von Schönenberg
  • Rudolph von Oberstein
  • Rosina Schliederer von Lachen
  • Johann Schweikard Vogt von Hunoldstein
  • Barbara von Warsberg

Ein Teil dieser Ahnenprobe läßt sich wiederfinden in der Sepultur des Würzburger Domes am Epitaph für Johann Franz Gottfrieds Onkel, Johann Richard von und zu Franckenstein (30.11.1608-9.10.1675).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk wie angegeben
Beschreibung in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 632-633.
Bistum Würzburg:
http://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
von Franckenstein:
http://www.eberstadt-frankenstein.de/content/dieburg.neu.pdf

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