Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2142
Limburg an der Lahn (Landkreis Limburg-Weilburg)

Das ehemalige kurtrierische Amtshaus

In der Kolpingstraße 9, zwischen den auf den Domplatz hochführenden kleinen und großen Domtreppen, befindet sich ein frühbarockes Gebäude von zwei Geschossen Höhe mit Mansarddach. Stilistisch gehört das in den engen Straßen Alt-Limburgs durch seine Größe auffallende, massiv gebaute Haus in den Frühbarock, und es wurde 1695 errichtet und ersetzte zwei mittelalterliche Stiftshäuser. Das Anwesen besteht aus zwei separaten Einheiten, links ist ein schmales Wohnhaus von zwei Achsen Breite, rechts das breitere kurtrierische Amtshaus von fünf gedoppelten Fensterachsen Breite, und zwischen beiden lag früher die Hofeinfahrt. In der mittleren Achse des Amtshauses befindet sich das Portal mit dem Wappenstein im gesprengten Segmentbogengiebel.

Das von einer Krone überhöhte Wappen besteht aus drei Teilen. Der zentrale Schild gehört zum Erbauer Wilhelm Lothar von Hohenfeld (1651-1710, kurtrierischer geheimer Rat und Limburger bzw. Bad Camberger Oberamtmann, kaiserlicher Rat und Reichspfennigmeister), er ist geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz zwei mit dem Rücken zueinander und mit den Mundstücken nach oben gekehrte silberne, golden beschlagene Jagdhörner (Hifthörner, Trinkhörner) mit roten Bändern (Wappen der abgestorbenen von Symanning), Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Balken, belegt mit einer roten Rose (Stammwappen von Hohenfeld). Die beiden Beischilde gehören zu seinen beiden Gemahlinnen Maria Anna Magdalena von Kesselstatt (8.12.1656-30.10.1689, Tochter von Johann Eberhard von Kesselstatt und Anna Antonetta Freiin von Orsbeck) und Maria Margarethe Elisabeth von Bicken (-1722, Tochter von Philipp Caspar von Bicken und Maria Magdalene Philippine Freiin von Walderdoff), die er 1691 geheiratet hatte. Das Wappen der ersten zeigt in Silber einen roten, geflügelten Drachen mit gewundenem Stachelschwanz, das Wappen der zweiten Ehefrau ist geviert, Feld 1 und 4: in Schwarz zwei silberne Balken (von Bicken, schwarzer Stamm, Feld 2 und 3: von Rot und Silber viermal geteilt, die roten Streifen je nach Platz mit drei oder zwei silbernen Lilien belegt (Hain). Hier sind es mehr Teilungen als in der Lit. angegeben, die äußeren silbernen Plätze sind zuviel. Mit seinen beiden Gemahlinnen zeugte der Amtmann insgesamt 19 Kinder, darunter auch den späteren Wormser Domdekan und fürstbischöflichen Statthalter Franz Carl Friedrich von Hohenfeld (8.11.1696-8.9.1757).

Nach der Familie der von Hohenfeld gehörte das Haus ab ca. 1740 der Familie Möhn. 1798 ließen deren Erben es versteigern. 1801 wechselte es erneut den Besitzer für 6800 Gulden, nun war es ein Lagerhaus für die Gebrüder Jacob Anton und Joseph Anton Trombetta. Es folgten 1871 nach jeweils erneuten Besitzübergängen eine Nutzung durch den Bürgerverein Constantia und 1886 durch den Kolpingverein, unter dem es umgestaltet wurde, dabei wurde im Obergeschoß eine Theaterbühne eingebaut und die ehemalige Hofeinfahrt überbaut. Das Gebäude wurde 1956 saniert. Die Fassade wurde 1978 erneuert. Im Innern sind durch die Umbauten nur sehr wenige Elemente aus der Bauzeit erhalten, im wesentlichen Türstöcke und Türblätter.

Genealogie zum Wappenstein mit Hinweisen zu weiteren Fundstellen:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Denkmalpflege in Hessen:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?gg=167875531&obj=53189&session=913&event=Query.Details
Genealogie von Bicken:
http://www.hgv-bicken.de/resources/R+-+Haincher+Linie+1+mit+Wappen.pdf
Hohenfeld:
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Carl_Friedrich_von_Hohenfeld
Kesselstatt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kesselstatt_(Adelsgeschlecht)
Franz Karl Wissgrill: Schauplatz des landsässigen niederösterreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande, 1800, Band 4, S. 411 ff. https://books.google.de/books?id=XSgTAAAAYAAJ
Ludwig Corden: Limburger Geschichte, Band III (1406-1806), aus dem Lateinischen übersetzt von Joseph Wingenbach und bearbeitet von Franz-Karl Nieder, 2007, S. 217

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